Beinwil

Montessori-Schule: «Dieses Projekt könnte den Weiler kaputt machen»

Die Alte Mühle in Winterschwil

Die Alte Mühle in Winterschwil

Im Meienberghof in Winterschwil soll eine Montessori-Erdkinder-Schule für die Oberstufe entstehen. Nicht alle hätten daran Freude. Eine Infoveranstaltung zum Projekt hat mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet.

Der idyllische Weiler Winterschwil in der Gemeinde Beinwil hat eine jahrhundertealte Geschichte. Historische Gebäude, Mühle und Sägerei prägen das Ortsbild. Die Winterschwiler sind stolz auf ihr bauliches Kulturerbe in der ruhigen Umgebung. Mit der Ruhe könnte es aber dereinst vorbei sein. Denn die Montessori-Erdkinder-Stiftung Schweiz plant, im alten Meienberghof die erste Schweizer Montessori-Schule für die Oberstufe zu realisieren. Darüber herrschte im Weiler grosse Unsicherheit und teilweise Unmut. Konkrete Informationen erhielten die Anwohner bisher nicht, Gerüchte und Vermutungen machten die Runde.

Vergangene Woche lud Kai Isemann, Montessori-Erdkinder-Stiftungsratsmitglied, die Betroffenen nun zu einer Infoveranstaltung über das Projekt ein. Rund 20 Winterschwilerinnen und Winterschwiler folgten der Einladung. Zu dieser stellte der Deutsche seine Pläne bereits im Vorfeld in einem fünfseitigen Brief vor.

Maximalbelegung mit bis zu 66 Schülern

Für die erste Montessori-Oberstufe der Schweiz müsste einiges am Meienberghof umgebaut werden. «Im Haupthaus sollen Wohnräume, Küche und Gemeinschaftsräume entstehen. Büro, Lager und allenfalls ein Hoflädeli sind vorgesehen. In der Sägemühle werden Schulräume und in der Ölmühle ein Gästebereich entstehen», schreibt Kai Isemann. Andere Gebäude würden saniert, Gemüsebeete angelegt und das Land wie auch der ganze Hof nachhaltig bewirtschaftet.

Optimistisch hofft die Stiftung auf einen Start schon ab Sommer 2021. Mit einem langsamen Aufbau soll die maximale Belegung mit 40 Tages- und 26 Internatsschülern frühestens 2026 erreicht werden.

Infoanlass warf Fragen auf, statt sie zu beantworten

Den Infoanlass empfand Franziska Stenico, langjährige Winterschwilerinnen und CVP- Grossrätin, im Gegensatz zu den Erläuterungen in der Einladung, als nicht sehr strukturiert. «Herr Isemann wich bei Einwänden eher aus. Er sieht sich selber als Mittelpunkt. Es sind mehr neue Fragen aufgetreten, als beantwortet wurden», sagt sie.

Das Thema, das die Bevölkerung speziell bewegt, sind Verkehr und drohender Lärm von pubertierenden Teenagern. Kai Isemann beschwichtigt im Brief und merkt an, dass «die Schule besorgt sein wird, dass die Schülerinnen und Schüler in einigen wenigen Schulbussen transportiert werden».

Stenico betrachtet dies und die Parkplatzsituation im Weiler aber skeptisch. «Wir werden den Finger draufhalten, auch bezüglich Heimatschutz.» Denn Winterschwil gewann 1987 den Aargauer Heimatschutzpreis.

Konsultativabstimmung unter den Einwohnern

Gemäss Franziska Stenico werden die Anwohner nun die Erkenntnisse des Infoanlasses analysieren und weitere Abklärungen tätigen, auch bei den kantonalen Fachstellen. Zudem soll in den nächsten Tagen eine schriftliche Konsultativabstimmung unter allen Eigentümern und volljährigen Einwohner von Winterschwil Aufschluss über die Haltung zum Montessori-Projekt geben.

Stenicos Fazit zum Meienberghof ist klar: «Ich finde die Gedanken der Montessori-Pädagogik gut, aber dieses Projekt mit seinem unbekannten Ausmass könnte den Weiler Winterschwil kaputt machen.»

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