Bünzen
Montags, um 19 Uhr: Freiämter stehen für den Frieden still

Eine Gruppe von Menschen beteiligt sich an der weltweiten Montags-Friedensaktion. Ihr Ziel: Der Hilflosigkeit angesichts von Terror, Gewalt und Krieg entgegensetzen.

Eddy Schambron
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Stille fünf Minuten: In Bünzen macht eine Gruppe regelmässig am Friedens-Montag mit. (Symbolbild)

Stille fünf Minuten: In Bünzen macht eine Gruppe regelmässig am Friedens-Montag mit. (Symbolbild)

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Es ist dunkel in Bünzen, und wenn nicht der fast volle Mond Licht spenden würde, wären die sieben Menschen zwischen den kahlen Bäumen nicht zu sehen. Doch sie sind hier, halten sich die Hände, nur für etwa fünf Minuten. Stumm, in Gedanken versunken. Es ist Montag, 19 Uhr: Friedenszeit.

«Es ist das, was man tun kann», sagt Rita. Energie entwickeln für Frieden in der Welt. Das hat nach dem Terror in Paris zusätzliche Bedeutung bekommen. «Wir sind bewusst nicht in einem Raum oder einer Kirche, sondern an einem neutralen Ort in der freien Natur», ergänzt Gertrud und betont: «Friedenszeit am Montag ist völlig unabhängig von Glaubensrichtungen.»

Etwas der Hilflosigkeit angesichts von Gewalt und Kriege, Terror und der Streitigkeiten in dieser Welt entgegensetzen. Sich stumm sammeln für fünf Minuten, mit seinen Gedanken und Gefühlen Frieden herbeisehnen, – die Bünzer Gruppe macht das seit diesem Januar jeden Montag um 19 Uhr bei der Auffahrt zur Rütihalde, bevor man zur Abwasserreinigungsanlage abbiegt. Ein Ort, der leicht zu finden ist.

Anfang in der DDR

Der Anfang von «mondaypeacetime», wie die Aktion weltweit genannt wird, war ein gesungenes «Dona nobis pacem» (Gib uns Frieden) am Ende einer wissenschaftlichen Konferenz in Witebsk/Belarus Ende September 2014, an der Wissenschafter und Wissenschafterinnen verschiedener Nationen beteiligt waren. Doch die Aktion reicht eigentlich noch weiter zurück. In der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) haben sich Menschen seit September 1982 jahrelang jeden Montagabend zu Friedensgebeten getroffen.

Angefangen haben sie in der Nikolaikirche in Leipzig. Im Laufe der Jahre haben sich ihnen andere in immer mehr ostdeutschen Orten angeschlossen. Vielleicht hat genau das genützt. Jedenfalls sehen die heutigen Aktionsteilnehmenden darin den Beginn einer friedlichen Revolution. Im November 1989 wurden die Grenzen der DDR geöffnet. Gewaltlos. Das macht ihnen Hoffnung.

Überall möglich

Die Teilnehmenden der Aktion gehen weltweit jeden Montagabend um 19 Uhr mit ihren Freunden und Bekannten in die Kirche, Synagoge, Moschee, Tempel oder an einen anderen, neutralen Ort wie in Bünzen. So zeigen sie gemeinsam, dass sie Frieden wollen. Oder sie unterbrechen einfach ihre Arbeit oder ihren Weg um 19 Uhr, gehen vor die Tür oder bleiben einfach still auf der Strasse stehen, denken fünf Minuten an den Frieden und entdecken andere Menschen, die dasselbe tun. «Jede Woche eine kleine Zeit für den Frieden zu geben ist nicht viel. Wir sind uns aber sicher, dass diese Friedenszeit wirken wird», sind auch die Bünzer Teilnehmerinnen und Teilnehmer von der Aktion überzeugt. Sie wünschen sich, dass noch mehr Menschen aus dem Freiamt zu ihnen stossen werden.

Mehr Informationen über diese Zeichen des Friedens findet man unter www.mondaypeacetime.org.

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