Wenn ein junger Mensch bei einem Unfall auf tragische Art und Weise sein Leben verliert, dann hinterlässt das viele Fragen und noch viel mehr Trauer. Nicht nur bei den Angehörigen des Opfers, sondern genauso bei allen anderen Beteiligten.

Das weiss keiner besser als Hans Melliger, Leiter der Jugendanwaltschaft des Kantons Aargau, der am Mittwochnachmittag zur Unfallstelle zwischen Waltenschwil und Bünzen gerufen wurde, wo ein 15-jähriger Bursche mit seinem Mofa gegen einen Traktor geprallt war, der von links kommend seinen Weg gekreuzt hatte.

«Auch nach 30 Jahren in diesem Beruf», sagt Melliger nachdenklich, «machen mich solche Unglücke immer noch betroffen. Wenn man selber Kinder hat, dann kann man noch besser verstehen, was in so einem Moment in den betroffenen Eltern vorgeht.»

Darum lobt Melliger auch die vorbildliche Arbeit der Kantonspolizei. Sie hat die Unfallstelle sofort abgeschirmt, um Gaffer fernzuhalten und die Familien zu schützen. Gleichzeitig hat sie zwei Care Teams angefordert, um sowohl den Angehörigen des verunfallten Jugendlichen als auch dem gleichaltrigen Lenker des Traktors und dessen Familie beizustehen. «Das ist ein unfassbares Unglück. Nicht nur für eine, für zwei Familien. Diese Tragödie wird den zweiten Beteiligten wohl sein Leben lang verfolgen.»

Bünzen trauert um Mofa-Lenker (†15)

Bünzen trauert um Mofa-Lenker (†15)

Zwischen Bünzen und Waltenschwil ereignete sich am Mittwochnachmittag ein tödlicher Unfall. Ein 15-jähriger Mofalenker kam ums Leben. Im Dorf beginnt nun die Aufarbeitung.

Alle Fragen werden gestellt

Der Jugendanwalt, der von Gesetzes wegen ein Verfahren gegen den minderjährigen Traktorfahrer eröffnet hat, spricht in diesem Zusammenhang mit Bedacht nicht vom «Täter». «Das grosse Stichwort über dieser Untersuchung heisst ‹Fahrlässigkeit›. Die Tragik liegt in diesem Maisfeld. Unsere Aufgabe ist es vorerst einmal, sämtliche Fragen zu stellen, die es im Zusammenhang mit diesem Unfall zu stellen gibt. Alles, was eine Rolle gespielt hat, die Fahrzeuge, die Personen und das Gelände, wird von der Polizei und von uns genau unter die Lupe genommen. Die Aufgabe des Jugendstrafrechts besteht nicht einfach darin, eine Strafe zu verhängen, sondern Fürsorge und Entwicklung der Jugendlichen zu gewährleisten.»

Während der laufenden Untersuchung steht die Jugendanwaltschaft in Kontakt mit den Care Teams. Diese spezialisierten Betreuer entscheiden vor Ort, was im jeweiligen Moment für die Betroffenen psychologisch das Beste ist, und richten ihre Vorschläge an die Jugendanwaltschaft. Auch für die Beratung des direkt betroffenen Umfeldes, wie etwa Lehrer, Schulkameraden oder Vereinsmitglieder, stehen die Berater der Care Teams zur Verfügung.