Beim Wort Hebamme entsteht in vielen Köpfen das Bild einer etwas rundlichen Frau aus alten Geschichten, die in ihrer Schürze alle möglichen Heilmittelchen mit sich herumträgt und von Haus zu Haus geht, um Frauen bei der Geburt zu helfen, ein Kräuterweiblein, einer Sagengestalt nicht unähnlich.

Doch dieses Bild ist den Hebammen im Spital Muri so fern wie Rumpelstilzchen oder Dornröschen. Denn entgegen der Vorstellung vieler sind Hebammen ganz und gar nicht veraltet oder bestenfalls zu Assistentinnen der Ärzte degradiert. «Viele Menschen meinen, heute bringe der Arzt die Babys im Spital zur Welt.

Das ist aber überhaupt nicht so», sagt Katrin Schwenner, stellvertretende leitende Hebamme im Spital Muri. «Die ganze Vorarbeit und auch das Begleiten ist Sache der Hebammen. Wenn es dann so weit ist und das Kind kommt, ist bei uns am Schluss ein Arzt mit anwesend, falls etwas Unvorhergesehenes passieren sollte oder man einfach froh ist um zwei weitere Hände», erklärt sie. Hauptverantwortlich für die Geburtsarbeit sind aber die Hebammen.

Im Spital Muri teilen sich zwölf von ihnen – von ganz jungen, frisch studierten bis hin zu älteren, sehr erfahrenen Frauen – die Arbeit im Gebärsaal, wo pro Jahr mehr als 600 Kinder zur Welt kommen. «Und noch immer ist jede Geburt etwas Unglaubliches, noch immer haben wir jedes Mal Herzklopfen und Gänsehaut. Und wenn dann bei den glücklichen Eltern Tränen fliessen, dann darf das auch bei der Hebamme ab und zu noch sein», erzählt die 32-Jährige mit einem herzlichen Lächeln.

Ihr Traumberuf

Katrin Schwenner ist noch nach all den Jahren mehr als überzeugt von ihrem Beruf: «Als Kind wollte ich Kinderkrankenschwester werden und habe nach meinem Schulabschluss ein Jahr Praktikum in einem Krankenhaus in Deutschland gemacht, wo ich herkomme. Dort hat mich eine Hebamme einmal eine Zeit lang in den Gebärsaal mitgenommen. Da erkannte ich, was ich wirklich machen will.»

Seit 2009 ist sie nun am Spital Muri angestellt, seit gut einem Jahr stellvertretende Leiterin der Hebammen. Ihr gefällt es sehr im Freiamt: «Da das Spital Muri relativ klein ist, ist es auch sehr familiär. Wir Hebammen kennen meist die Gebärenden schon von Voruntersuchungen oder Vorgesprächen. Es ist auch für die Frauen selber schön, wenn sie bei der Geburt von jemandem betreut werden, den sie schon kennen, das spüren und hören wir oft.»

Den Hebammen ist es ganz wichtig, dass die Frauen selbstbestimmt gebären können, also so, wie es ihnen in dem Moment am besten tut. Darum sind in den drei Gebärzimmern neben dem Bett auch eine Badewanne, verschiedene Hocker und Stühle und ein Sitzball vorhanden. «Sehr oft können wir auch die meiste Zeit über in 1:1-Betreuung bei der Gebärenden sein, da wir tagsüber zu zweit sind, nachts dann alleine.» Auch wollen die meisten Frauen möglichst wenig Schmerzmittel, da arbeiten die Hebammen mit Homöopathie, Akupunktur und anderen alternativen Möglichkeiten.

«Eine feste Schulter»

Es gebe auch schwere Momente im Gebärsaal, etwa Totgeburten oder Komplikationen. «Dann müssen wir Hebammen stark sein für die Frauen, eine feste Schulter, auf die sie sich verlassen können.» Da Muri aber kein angegliedertes Kinderspital habe, würden schwierigere Fälle wie Frühgeburten meist nach Aarau, Baden oder Zürich übergeben. «Das ist unser Glück, denn bei uns kommen meist gesunde Kinder um den Geburtstermin zur Welt.»

Der Hebammenberuf sei zwar keinesfalls leicht, gerade bei Erstgebärenden können Wehen meist zwischen zehn und zwölf Stunden dauern, auch für die Hebamme eine strenge Arbeit. «Aber wenn man am Ende dann das gesunde Baby sieht und die glücklichen Eltern, wird man für alles entlöhnt», berichtet Schwenner. «Ich war letzthin zwei Wochen krank, da haben mir diese Momente wirklich gefehlt.» Das Allerschönste aber sei, wenn man einer Freundin beim Gebären helfen könne. «Und wenn man dann auch noch Gotti des Kleinen wird, schweisst einen das so zusammen, wie es sonst im Leben fast nicht möglich ist.»