Wohlen
Moderne Politiker hören auf die Jugend

Die elfte Jugendsession setzte sich vor allem für die Schulraumplanung und den Umweltschutz ein

Andrea Weibel
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Die Jugendlichen lernten zu debattieren, während Politiker Thomas Burkard (Einwohnerrat Grüne, links) und Andrea Duschén (Einwohnerratspräsident, rechts) ihnen weiterhalfen, wenn ihnen die Argumente ausgingen. Fazit: Gegen etwas zu sein, ist viel einfacher, als es mit Argumenten aufzubauen.

Die Jugendlichen lernten zu debattieren, während Politiker Thomas Burkard (Einwohnerrat Grüne, links) und Andrea Duschén (Einwohnerratspräsident, rechts) ihnen weiterhalfen, wenn ihnen die Argumente ausgingen. Fazit: Gegen etwas zu sein, ist viel einfacher, als es mit Argumenten aufzubauen.

Andrea Weibel

Etwas war dieses Jahr anders an der Jugendsession: «Diesmal wollten die Jugendlichen nicht mehr Reden von Politikern oder Podiumsdiskussionen zuhören, sondern selber reden», erklärt Carmen Bärtschi, Projektleiterin Jugendsession der Jugendarbeit Wohlen.

Und das taten sie auch: Der Sportpark Bünzmatt, Schulraumplanung, das Wohler Bahnhofareal, Umweltschutz und die Verkehrsinfrastruktur waren die fünf Themen, die an der Session vor allem besprochen wurden.

Und die Jugendlichen hatten viel zu sagen: Im Sportpark möchten sie WLAN im Bereich des Restaurants, und in der Eisbahn würden sie gerne für die Musik mitverantwortlich sein. In den Schulhäusern finden sie, dass nur eine Sorte Pausenbrötli zu wenig sei, und Musik in der Pause sollte es nicht nur im Schulhaus Halde geben.

Ausserdem dürften die Pausenplätze auf keinen Fall noch kleiner werden, und Unterstände für regnerische Tage sollten auch nicht vergessen werden. Punkto Bahnhofareal finden die Jugendlichen: «Der Bahnhof von Wohlen als meist gesehene Zone soll aufgewertet werden.

Wir möchten bei der Umgestaltung miteinbezogen werden.» Vor allem sollte mehr Licht und Sicherheitspersonal dafür sorgen, dass man sich auch nachts am Bahnhof wieder sicherer fühle. Beim Umweltschutz würde sie gerne mit anpacken, durch Putztage, koordiniert von den Schulen, beispielsweise. Und sie wünschen sich mehr Velowege.

Vizeammann nimmt viel mit

Der Wohler Vizeammann Paul Huwiler war seit der ersten Jugendsession fast immer mit dabei. «Ich bin stolz, mit dem aktiven Jugendrat eine direkte Verbindung zur jungen Generation zu haben», sagte er. «Es gibt auf jeden Fall Dinge, die ich in den Gemeinderat mitnehmen kann.» WLAN im Badirestaurant sei beispielsweise bisher noch kein Thema gewesen, aber sicher interessant.

«Bei der Schulraumplanung sind wir dran, auch Gruppenräume zu planen, in denen man sich an kalten Tagen aufhalten kann. Denn obwohl wir 120 Klassen in Wohlen haben, gibt es fast keine solcher Räume.»

Bei der Verkehrsinfrastruktur appellierte er aber auch an die Jugendlichen: «Hier müsst ihr euch selber wehren. In den 30er-Zonen beispielsweise müsst ihr euch als Fussgänger durchsetzen.» Gerade in der Schulraumplanung gebe es viel Dialogbedarf.

«Wir waren schon in verschiedenen Themengebieten froh, dass wir den Jugendrat einbeziehen konnten. So wird es auch hier der Fall sein.» Carmen Bärtschi ist stolz darauf: «Wohlen ist sehr modern. Seit fast 15 Jahren gibt es den Jugendrat, und Einwohnerrat und Gemeinderat nehmen ihn ernst. Das ist eine riesige Chance.»

Jugendsession

Stolz auf die Sitzstufen an der Bünz

Dass die Jugendsession wirklich etwas bewirken kann, konnte sie dieses Jahr direkt beweisen: Am Freitag weihten die Jugendlichen zusammen mit dem Jugendrat, den Politikern und der Gemeinde die neuen Sitzstufen an der Bünz beim Schulhaus Junkholz ein. Die Idee dazu ist an der Jugendsession 2014 entstanden.

Einwohnerrätin Simone Burkard hatte das Thema aufgegriffen. Vizeammann Paul Huwiler erinnert sich: «Die Idee, die Bünz attraktiver zu machen, fanden wir gut, denn sie fliesst ja gratis durchs Dorf. Aber beim ersten Kostenvoranschlag für damals fünf Standrote erschraken wir: Sie hätten 400 000 Franken gekostet.» Im April 2016 akzeptierte der Einwohnerrat drei Standorte für 250 000 Franken. Und bereits sieben Monate später konnten die Stufen eingeweiht werden. «Das ist für euch vielleicht lange, aber für uns Politiker ist das enorm schnell gegangen», freute sich Huwiler.

Jugendratspräsident Lionel Zingg fasste seine Rede in fünf Buchstaben: «Danke.» Die Stufen würden vielen künftigen Generationen Freude bereiten, ist er überzeugt. An der Jugendsession wurde Zingg für ein weiteres Jahr zum Präsidenten gewählt, die neue Vizepräsidentin heisst Dafina Berisha. (aw)

Erstaunlich gute Redner

Dieses Jahr war es den Jugendrat besonders wichtig, die Jugendlichen an der Session zu Wort kommen zu lassen und ihnen das Debattieren näher zu bringen. So wurden sämtliche Anwesenden, inklusive Politiker und Gäste, in zwei Gruppen aufgeteilt, in denen sie entweder Argumente für oder gegen die Anliegen der Session punkto Umweltschutz und Schulraumplanung finden mussten.

Mit der Unterstützung eines erfahrenen Wohler Politikers debattierte anschliessend jeweils ein Redner pro Team gegen den anderen. Dabei stellten sich insbesondere zwei Dinge klar heraus: «Es ist viel einfacher, gegen etwas zu sein, als es mit Argumenten aufzubauen», fasste Paul Huwiler zusammen.

Der zweite Punkt war allerdings ebenso wichtig - auch für die Politiker: Die Jugendlichen mögen teilweise vielleicht «verhängt» aussehen und sich untereinander in komischen Formulierungen verständigen. Aber der Schein kann trügen: Einige Jugendliche stellten sich als sehr talentierte Redner heraus, denen durchaus auch mehr zuzutrauen ist. Ein weiterer Beweis, warum die Jugendsession in Wohlen sehr zukunftsträchtig ist.