Wohlen
Modemetropole «Chly Paris»: Die Hüte vom anderen Lindenberg

Wohlen hat mit Lindenberg im Allgäu ein Pendant – auch dort gab es einst eine blühende Strohindustrie. Daran erinnert dort aber kein Stroh-, sondern ein Hutmuseum.

Toni Widmer
Drucken
Teilen

Es gibt in Wohlen den Pétanque-Club Chly Paris, das Café Chly Paris, die Pistolensektion lädt regelmässig zum Chly-Paris-Schiessen und auch im Strohmuseum im Park ist der Begriff noch allgegenwärtig.

«Chly Paris», etwas kleiner als die französische Modemetropole, aber genauso weltbekannt – so sah und so gab sich Wohlen in der Hochblüte der Strohindustrie. Was im Freiamt kaum bekannt ist: im bayrischen Allgäu, 200 Autokilometer von Wohlen entfernt, gibt es ein Pendant. Auch das 11'000-Seelen-Städtchen Lindenberg hat sich einst als Modemetropole etabliert und Klein-Paris genannt.

Hut- statt Strohmuseum

Und auch dort gibt es ein schön gestaltetes Museum, in dem man in die Strohzeiten eintauchen kann. Es heisst allerdings nicht Stroh-, sondern Hutmuseum. In Wohlen weiss man davon: «Wir haben von diesem Museum gehört, und die Betreiber waren auch schon bei uns zu Besuch», berichtet Anna Hegi, Kuratorin des Strohmuseums in Wohlen.

Hutmuseum in Lindenberg

Hutmuseum in Lindenberg

Deutsches Hutmuseum

Sie kennt selbstverständlich den Freiämter Lindenberg bestens, aber nicht das Städtchen Lindenberg im Allgäu. «Wir haben dem Hutmuseum für eine Sonderausstellung schon ein Exponat ausgeliehen, ich selber war aber noch nie dort», erzählt sie. Was nicht sei, könne aber noch werden. Es interessiere sie schon, wie das Museum dort aufgebaut sei.

Klar ist, dass sich das Wohler Museum im Park mit dem Hut-Museum nicht vergleichen lässt. In Lindenberg liegt der Schwerpunkt auf Stroh- und anderen Hüten. In Wohlen gibt es auch weltweit einzigartige Exponate aus der Zeit der Strohindustrie zu sehen. Denn nirgendwo wurden im 19. Jahrhundert so feine Hutgarnituren hergestellt wie im Freiamt.

Fast gleich alt, nicht gleich teuer

Die beiden Museen sind fast gleich alt, haben jedoch nicht gleich viel gekostet: In das Wohler Museum im Park, das im Frühling 2013 am heutigen Standort eröffnet worden ist, wurden inklusive Kaufpreis für die ehemalige Villa Isler rund 8,5 Mio. Franken investiert. Das am 13. Dezember 2014 eröffnete Museum in Lindenberg, das in der ehemaligen Hutfabrik Ottmar Reich eingerichtet wurde, hat hingegen rund 10 Mio. Euro gekostet.

Pferdehändler wird Strohbaron

Die Strohindustrie in Lindenberg begründet hat im 16. Jahrhundert ein Pferdehändler. Die Region hat damals vom Pferdehandel gelebt, und einer dieser Händler hat in Italien die Tradition des Strohflechtens und Hütemachens entdeckt, gelernt und in seine Heimat gebracht.

Anfänglich wurden nur Hüte für den Eigenbedarf hergestellt, die ersten Hutfabriken wurden in der Biedermeierzeit um 1830 gegründet; bis 1890 gab es bereits 34 Strohhuthersteller. Sie stellten ca. 8 Millionen Strohhüte im Jahr her. Weitere Infos: www.deutsches-hutmuseum.de