Ungereimtheiten

Mitten im Ammann-Wahlkampf: Widen zeigt ehemaligen Finanzchef an

Blick von oben auf Widen.

Blick von oben auf Widen.

Die Gemeinde Widen hat bei der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet gegen den ehemaligen Finanzverwalter und Gemeindeammann-Kandidaten.

Eigentlich hätte hier ein weiterer Beitrag aus der Reihe «Wahlen im Freiamt» stehen sollen. Präsentiert hätte dieser Beitrag die beiden Anwärter für den Gemeindeammann-Posten in Widen. Mit dem Herausforderer des derzeitigen Gemeindeammanns hat das Interview dazu vor zwei Tagen stattgefunden. Im Gespräch hat der ehemalige Finanzverwalter der Gemeinde betont, dass er ein Gemeindeammann der Bürger sein wolle, einer, der offen und kommunikativ den Kontakt mit dem Volk suche. Gestern wurde publik, dass der Gemeinderat von Widen bei der kantonalen Staatsanwaltschaft eine Anzeige gegen ihn eingereicht hat. Als die AZ den ehemaligen Finanzverwalter der Gemeinde dazu befragen wollte, war er nicht mehr zu erreichen.

Gewisse Ungereimtheiten

Was ist also los in Widen? Läuft hier ein perfides Wahlkampfspiel oder steckt doch mehr dahinter? Gemeindeammann Peter Spring gibt Auskunft: «Im letzten Jahr sind uns gewisse Ungereimtheiten in der Geschäftsführung aufgefallen. Das hat uns sehr erstaunt, weil er als Leiter Finanzen während mehr als 20 Jahren sehr gute Arbeit geleistet hatte. Der Gemeinderat bot ihm daraufhin an, selber zu kündigen.» Diese Chance hat er genutzt und per Ende April gekündigt. Anfang Juli nahm seine Nachfolgerin, Mirjam Ernst, ihre Arbeit auf.

Mitte Juli entdeckte sie durch Zufall ein Dokument, welches den bereits bestehenden Verdacht auf ungetreue Geschäftsbesorgung bekräftigte. «Wir haben die Wirtschaftsprüfer von BDO beauftragt, die Unterlagen zu kontrollieren. Dabei kamen noch weitere Ungereimtheiten zum Vorschein. Wir übergaben die Sache unserem Anwalt, der dann am 28. August in unserem Namen die Anzeige wegen dringenden Verdachts auf ungetreue Geschäftsbesorgung, Veruntreuung, Urkundenfälschung und Betrug bei der kantonalen Staatsanwaltschaft eingereicht hat.»

Unschuldsvermutung gilt

Wie ist vor diesem Hintergrund die Kandidatur des ehemaligen Finanzverwalters als Gemeinderat und Gemeindeammann zu werten? «Am 11. August, um zehn vor zwölf kam seine Anmeldung rein», erinnert sich Peter Spring. «Wir haben uns da schon gefragt: Was beabsichtigt er damit? Ihm müsste doch klar sein, dass er durch die Kandidatur noch viel mehr in der Öffentlichkeit steht als ohne.» Vielleicht aber auch ein Zeichen dafür, dass sich der ehemalige Leiter Finanzen keiner Schuld bewusst ist. «Es gilt die Unschuldsvermutung», heisst es, bis zum Beweis des Gegenteils.

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Autor

Christian Breitschmid

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