Villmergen
Mit Wänden gegen Corona: Seniorenzentrum schützt Bewohner auch mit baulichen Massnahmen

Die Obere Mühle Villmergen schützt ihre Bewohner nicht nur mit striktem Besuchsverbot vor einer Ansteckung. Jetzt wurde auch die Baustelle mit zusätzlichen Wänden vom restlichen Haus abgetrennt.

Andrea Weibel
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Wände gegen Corona im Seniorenzentrum

Wände gegen Corona im Seniorenzentrum

zvg Bild: Archiv/zvg

Angehörige dürfen ihre Liebsten in den Seniorenzentren nicht mehr besuchen. Eine sehr harte Massnahme. Aber nur so können die Seniorinnen und Senioren, die alle zur speziell gefährdeten Risikogruppe gehören, vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus geschützt werden. «Es tut uns unglaublich leid», sagt Mike Lauper, Präsident des Altersheim-Vereins Villmergen/Dintikon. «Wir wissen, dass es sehr harte Massnahmen sind. Aber für uns steht der Schutz unserer Bewohnerinnen und Bewohner an allererster Stelle. Darum halten wir uns strikt an die Vorgaben des Bundesrates.»

In der vergangenen Woche taten sie alles dafür, dass die Besuche der Angehörigen weiterhin stattfinden konnten. «Jetzt müssen wir das leider noch restriktiver handhaben», so Lauper. Dennoch versuchen die beiden dem Verein angehörenden Seniorenzentren Obere Mühle in Villmergen und das Alterswohnheim an der Bünz in Dottikon, den Senioren, «so weit das noch geht, einen normalen Alltag zu ermöglichen».

Wände trennen die Baustelle vom Haus

Sofort hat der Verein ein Schreiben an Bewohner und Angehörige verschickt, um sie zu informieren. «Damit unsere Bewohner auch unsere schönen Aussenanlagen nützen können, mussten wir die Angehörigen bitten, sie auch dort nicht zu besuchen», sagt Lauper. «Denn eine Ansteckung würde zwangsläufig von aussen kommen und könnte sehr schlimme Folgen haben.»

Die Obere Mühle steckt voll in den Bauarbeiten, um das Parterre mit dem öffentlichen Restaurant für Bewohner und Gäste noch schöner zu gestalten. «Das Argument der Angehörigen, dass auch die Bauarbeiter ein Ansteckungsrisiko darstellen können, haben wir sehr ernstgenommen», führt Lauper aus. «Wir haben eine Begehung gemacht und beschlossen, die Baustelle komplett vom restlichen Haus zu trennen. Sie gehört quasi nicht mehr zur Oberen Mühle.» Dazu wurden gestern Dienstag Wände erstellt, sodass die Baustelle nur noch von aussen zugänglich ist und keine Verbindung mehr zum restlichen Haus hat.

Senioren dürfen nicht mehr im Dorf einkaufen

Doch die 70 Bewohner der Oberen Mühle, die 18 im Alterswohnheim an der Bünz sowie die Bewohner der 14 Alterswohnungen in Villmergen bekommen grosse Einschränkungen zu spüren, obwohl die Leitung und der Trägerverein alles tun, um ihren Alltag normal aufrechtzuerhalten. «Abgesehen vom Besuchsverbot dürfen die Bewohner leider nicht mehr ins Dorf zum Einkaufen gehen.» Damit sie aber auf keine Produkte des täglichen Bedarfs verzichten müssen, wird der Altersheimverein sich zusammen mit der Leitung etwas einfallen lassen. «Dazu wird neben dem Einkaufen und Liefern von Waren beispielsweise auch gehören, dass wir für sie Einzahlungen machen. Den Kontakt zu den Angehörigen versuchen wir, zum Beispiel via Skype oder andere soziale Medien, dennoch zu bieten.»

Was noch nicht ganz geklärt ist, sind Besuche beim Coiffeur, der Fusspflege oder der Physiotherapie. «Wenn Therapien ärztlich verordnet sind, werden sie durchgeführt, das steht ausser Frage», betont der Vorstandspräsident. «Wir können aber leider keine Externen mehr ins Haus lassen, da das Ansteckungsrisiko zu gross wäre. Und dazu gehören nun mal leider Coiffeusen und Therapeuten.» Die rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der beiden Seniorenzentren wurden und werden genau geschult und sollten daher möglichst kein Risiko mehr darstellen. «Wie wir die Bedürfnisse nach Coiffeur, Fusspflege und so weiter trotzdem abdecken können, werden wir in den nächsten Tagen besprechen. Denkbar wäre auch eine interne Lösung.»

Lauper betont erneut: «Uns ist bewusst, dass einige Änderungen sehr einschneidend sind, man sieht es den Gesichtern an. Wir hoffen auf Verständnis. Denn der Schutz unserer Bewohnerinnen und Bewohner hat oberste Priorität.»