«Jüngst» in doppeltem Sinne: Einerseits gibt es sie offiziell gerade mal seit Donnerstagabend. Andererseits sind selbst die CEOs und ihre Mitarbeiter noch nicht mal 20 Jahre alt und haben die Wirtschaftswelt schon fest im Griff, präsentieren sich und ihre Produkte souverän vor dem Publikum und bedienen sich eines Fachvokabulars, als hätten sie ihr Leben lang nichts anderes getan.

Praxis statt nur Theorie

Anfang August hat die Sache mit den Miniunternehmen begonnen: Statt bloss in den Bänken zu sitzen und trockenen Wirtschaftstheorien zuzuhören, nehmen die 16 Schwerpunktfächler die Fäden gleich selbst in die Hand. «Die Schülerinnen und Schüler sollten lernen, wie ein Unternehmen zu führen ist», sagt Christian Nohl, Wirtschaftslehrer an der Kanti Wohlen, «dazu gehört die Auseinandersetzung mit einem Problem, das Marketing, die Buchhaltung und vieles mehr - so wie in der wirklichen Wirtschaftswelt eben.»

Zum achten Mal bereits ist die Kanti Wohlen bei YES (Young Enterprise Switzerland) nun schon mit von der Partie. Warum jedes Jahr wieder das Gleiche?, werde er oft gefragt, warum nicht mal etwas Neues? Die Antwort darauf ist einfach: «Wir sind überzeugt von dem Projekt. Es bringt einen überaus grossen Lerneffekt mit sich, die Schüler lernen Teamarbeit, Verhandlungstechniken und auch, wie man unter Zeitdruck arbeitet», erläutert Nohl. Auch die positiven Feedbacks von ehemaligen Schülern seien eine Bestätigung.

Souveräne Präsentationen

Dann waren die Jungunternehmer an der Reihe. Sinja Müller, CEO der Minifirma practiCut, eröffnete die erste Präsentation. «Scissors were yesterday» lautet der Slogan der jungen Firma. Die Idee resultiere aus einer Unterrichtsstunde, in der eine einzige Schere für eine ganze Klasse herhalten musste, meinte Müller. Daraufhin kam das Team auf die Idee, den Prozess des Schneidens zu revolutionieren: BasiCut, das Grundprodukt, ist ein handliches Schneidwerkzeug, mit dem man eine bis zwei Seiten schneiden kann - und danach dank einer extrem kleinen Klinge bequem in der Hosentasche verstaut. Von weiteren Ideen - extravagante Modelle wie «Cutman» für den Mann und «Cutwalk» für die Frau - seien schon Prototypen vorhanden.

Schokolade ist zeitlos

Chocart überlegte länger, welches Endprodukt sie gerne verkaufen würden. Womit kann sich jeder identifizieren? Womit kann man Emotionen generieren? seien Fragen gewesen, die sich das Team stellte, so Chocart-CEO Samira Suter. Schliesslich hätten sie sich auf Pralinen geeignet: Zeitlos sei Schokolade, und gleichzeitig doch einzigartig. Aus der aus Ghana importierten Fairtrade-Ware produzieren die fünf Kantischüler ihre Delikatessen.

Natürlich steckt mehr hinter dem als das blosse Endprodukt. «Investieren Sie in Partizipationsscheine und Aktien - das ist der Sauerstoff fürs Projekt», meinte die Chocart-Finanzchefin.

Neues entsteht aus Altem

Das dritte Miniunternehmen nennt sich Fanplastic - und stellt aus alten Plastiksäcken Schreibzeug- und Brillenetuis her. Diese werden dabei thermisch zusammengeschmolzen - «mit einer bis anhin einmaligen Methode», meint CEO Alexander Pfyffer. Warum gerade Plastiksäcke? «Die werden im Schnitt rund 20 Minuten benutzt und dann verbrannt - nicht allzu gut fürs Ökosystem», so Pfyffer. Das Fanplastic-Logo mit acht Pfeilen versinnbildliche dies - und zeige die Recycling-Idee dahinter. Fanplastic setzt sich hohe, aber realistische Ziele: 400 Artikel wollten sie verkaufen - wie auch die beiden anderen Miniunternehmen sind sie auf diversen Messen und Märkten in der ganzen Schweiz mit einem Stand vertreten.