Wohlen
Mit viel Dampf wird die Badi vom Winterdreck befreit

Stefan Meier (43) bringt in den nächsten Wochen zusammen mit seinem Bruder das Schwimmbad auf Vordermann. Es gilt vor allem, die Becken vom Winterdreck zu befreien, zu entfetten und zu desinfizieren.

Ruedi Burkart
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Spezielle Perspektive: Stefan Meier reinigt das Becken beim Sprungturm. Im Sommer vergnügen sich hier die grossen und kleinen Kinder.rubu.

Spezielle Perspektive: Stefan Meier reinigt das Becken beim Sprungturm. Im Sommer vergnügen sich hier die grossen und kleinen Kinder.rubu.

Stefan Meier schmunzelt, als er die schmale Leiter aus dem 3,8 Meter tiefen Becken beim Sprungturm emporklettert. «Ich habs ja immer gesagt: Badmeister zu sein ist ein Traumjob.» Der 43-Jährige legt den Hochdruckreiniger zur Seite, nimmt den breitkrempigen Hut ab, schält sich aus der leuchtgelben Schutzkleidung und wischt sich den Schweiss von der Stirn. «Zeit für einen Kaffee», sagt er und disloziert mit dem Journalisten dem Zweimeter-Becken entlang ins Büro beim Eingang.

Da taucht auch schon Meiers um ein Jahr jüngerer Bruder Martin auf. Dieser (im Dorf gemeinhin bekannt als «Canadameier») hilft mit bei der Bereitstellung der Anlage. Damit die Wohler Badi am 4. Mai planmässig in ihre 47. Saison starten kann («bei schönem Wetter öffnen wir wie letztes Jahr schon am 28. April», so Badmeister Stefan Meier), stehen die Meier-Brüder momentan im Dauereinsatz. Dabei gilt es vor allem, die Becken vom Winterdreck zu befreien, zu entfetten und zu desinfizieren. Aber auch die elektrischen Anlagen müssen gewartet werden, die Sträucher und Bäume geschnitten, die Gehwege gesäubert. «Uns wird es nicht langweilig», sagt Martin Meier zwischen zwei Schluck Kaffee. Sein Bruder schaut auf die Uhr und nickt.

Badi-Restaurant: Trinamo übernimmt

Im Badi-Restaurant weht im kommenden Sommer ein frischer Wind. Die Gemeinde Wohlen als Eigentümerin hat den Vertrag mit dem bisherigen Pächter Kurt Huber nach fünf Jahren nicht mehr verlängert (aus gesundheitlichen Gründen). Neu ist eine Non-Profit-Firma mit sozialem Auftrag für das leibliche Wohl der Badegäste zuständig. Die Trinamo AG beschäftigt psychisch Behinderte, Arbeitslose oder auch Ausgesteuerte.
Nach gewissen Renovationsarbeiten wird sich das Restaurant aufgefrischt präsentieren. «Die Verkaufsfront wird umgestaltet. Wir werden eine neue Speisevitrine erstellen lassen», so Reto Schaffer (Bild), CEO der Trinamo AG. Man lege grossen Wert auf frische Ware und verpflichte sich in der Badi dem Motto «Regionales und Saisonales». Schaffer: «Die Panini, die Pasta, die Sandwiches - alles wird täglich von uns frisch zubereitet.» Auch Weinliebhaber kommen im umgestalteten Badi-Restaurant auf ihre Kosten. «Wir schenken unseren eigenen, oft prämierten Wein von unseren Auensteiner-Gisliflue-Reben aus», so Schaffer weiter.
Des weiteren werden künftig auch Mittagsmenüs angeboten, für Bade- und andere Gäste. Wie lange bleibt das Restaurant jeweils geöffnet? Schaffer: «Normalerweise von acht bis acht. Aber wenn viel läuft, haben wir natürlich auch länger offen.» Zudem: Auch bei Regen ist das Restaurant geöffnet.
Arbeiten werden zwei Köche von der Trinamo, Springer und Springerinnen sowie Teilnehmer von Integrationsprogrammen, hauptsächlich zugewiesen durch die Gemeinde Wohlen. «Ausserdem brauchen wir noch ein paar Schönwetteraushilfen», erklärt Schaffer. «Interessierte können sich gerne ab nächstem Monat vor Ort bei unserem Koch oder unserer Köchin melden.» (rubu.)

Das Jubiläum im kommenden Jahr

Stefan Meier geht in sein 19. Jahr als Badmeister in Wohlen. Der gelernte Forstwart arbeitete zuerst in seinem Beruf, ehe er 1994 auf ein Zeitungsinserat stiess, in dem ein «Badmeister-Gehilfe und Eismeister» gesucht wurde. «Da Mitte der 90er-Jahre wegen der Waldzusammenlegungen immer weniger Förster gebraucht wurden, überlegte ich nicht lange und schickte meine Bewerbung ab.» Mit Erfolg. Meier erhielt den Job und begann 1995 seine neue berufliche Laufbahn.

Nach fünf Jahren – in der Zwischenzeit absolvierte er sämtliche nötigen Ausbildungen – löste er den damaligen Wohler Badmeister Jakob Schrämmli ab. «Und seither bin ich hier», schmunzelt Meier. Das aktuelle Badmeisterteam ist noch unvollständig. Stefan Meier und René Koradi (er ist mit Aufräumen auf der geschlossenen Kunsteisbahn beschäftigt) sind gesetzt, ein dritter Mann wird derzeit noch gesucht. Wäre das nicht etwas für Bruder Martin? «Dazu kein Kommentar», sagt dieser und lächelt.

Der Tagesrekord: 3700 Gäste

Stefan Meier räumt auch gleich mit einem Gerücht auf, das sich unter den Badegästen seit langem hartnäckig hält. Während der Saison (also im Sommer) wird weder im Zweimeter- noch im Einmeter-Becken das Wasser periodisch vollständig abgelassen. «Wir regulieren lediglich die Zufuhr von frischem Wasser anhand der aktuellen Besucherzahl.» An einem durchschnitt-lichen Sommertag begehren in der Wohler Badi 1500 Personen Einlass, an Spitzentagen können es aber auch schon mal über 3000 sein. Den Besucherrekord in seiner bisherigen Karriere als Bademeister hat Meier im Jahrhundertsommer 2003 erlebt. «Damals zählten wir an einem einzigen Tag 3700 Gäste.»

Nach dem gemütlichen Schwatz mit dem Journalisten geht die Arbeit für die Brüder Stefan und Martin Meier wieder weiter. «Wir haben einen engen Zeitplan», so Stefan Meier. Dies mit gutem Grund: Am 15. April muss die ganze Anlage bereit sein. Denn zwei Tage später übernehmen die Liebhaber von Modellschiffen und Miniatur-Trucks für ein paar Tage das Kommando in der Wohler Badi.

Wie in den letzten Jahren üblich, läutet der Aargauer Schiffsmodellbau-Klub mit dem inzwischen weitherum bekannten öffentlichen Schaufahren am Wochenende des 20. und 21. April in der Freiämter Metropole die Vor-Badesaison ein. «Und deshalb müssen wir jetzt ein wenig Gas geben», meint Stefan Meier. Und macht sich erneut mit Hochdruck daran, das Becken beim Sprungturm gründlich zu reinigen.

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