Reusspark

Mit Videos neue Pflegekräfte anlocken: «Hier würde ich meine Eltern auch hinbringen.»

Patrick Lanz hört der Seniorin Margrit Haag gerne beim Singen zu – eine Szene aus dem Kampagnenvideo des Reussparks.

Patrick Lanz hört der Seniorin Margrit Haag gerne beim Singen zu – eine Szene aus dem Kampagnenvideo des Reussparks.

Unbesetzte Stellen, fehlender Nachwuchs in Freiämter Pflegezentren – der Reusspark sagt dem Fachkräftemangel den Kampf an. Der Reusspark befinde sich aber in keiner akuten Notsituation.

Das Pflegezentrum Reusspark will junge Leute anlocken, um dem Fachkräftemangel in der Pflege entgegenzuwirken. Dafür wurde kürzlich eine Image-Kampagne in den sozialen Medien gestartet. Diese Kampagne sieht so aus: In vier kurzen Videos erzählen Mitarbeiter der Pflege, warum sie im Reusspark arbeiten, wie ihr Alltag dort aussieht und was ihnen gefällt.

Patrick Lanz arbeitet in der Langzeitpflege, man sieht ihn im Video beim Gurkenrüsten mit einem älteren Herrn oder beim Musikmachen mit einer Seniorin. Lanz gefällt der Reusspark so gut, dass er sagt: «Hier würde ich meine Eltern auch hinbringen.» Am Schluss des Videos lässt er sich einen Coupe Glace servieren.

Ähnlich begeistert zeigt sich Antonia Zimmermann, die bereits ihre Lehre als Fachfrau Gesundheit im Reusspark absolviert hat. Danach liess sie sich zur diplomierten Pflegefachfrau ausbilden, arbeitete in Spitälern und in der Psychiatrie. Jetzt ist sie zurück in «ihrem Reusspark» und leitet dort eine Station. Auch in den anderen Videos tönen die Mitarbeiter begeistert, schätzen die sechs Wochen Ferien, die gute Work-Life-Balance und dass sie sich viel Zeit für die Bewohner nehmen können.

Nur wenige bilden sich an Höherer Fachschule weiter

«Wir möchten aktiv gegen die angespannte Personalsituation auf dem Jobmarkt vorgehen und den Reusspark bei potenziellen Pflegefachkräften als attraktiven Arbeitgeber vorstellen», sagt Monica Heinzer, Leiterin Pflege und Betreuung. In einer Medienmitteilung schreibt der Reusspark, dass in der Langzeitpflege bis 2020 mit einem Fehlbestand von 15 000 Fachkräften zu rechnen ist.

Thomas Peterhans, Direktor des Reussparks, sagt: «Wir haben uns überlegt, wie man die jüngeren Generationen ansprechen könnte.» Seit einem Jahr ist der Reusspark in sozialen Medien wie Facebook und Instagram unterwegs. «Deswegen fiel die Wahl auf das Medium Video.» Dass die eigenen Mitarbeiter vor der Kamera stehen, hat guten Grund: «Das wirkt authentischer und damit glaubwürdiger», so Peterhans.

Monica Heinzer spricht über den Alltag im Reusspark: «Wir merken den Fachkräftemangel schon jetzt», sagt sie. Es sei schwierig geworden vakante Stellen, vor allem jene der diplomierten Pflegefachfrauen oder -männer, zu besetzen. «Manche Stellen bleiben auch während mehrerer Monate unbesetzt», sagt sie. Der Mangel äussere sich, indem es komplizierter werde, Dienstpläne zu erstellen oder Ersatz bei Krankheitsausfällen zu finden.

Der Reusspark befinde sich aber in keiner akuten Notsituation. So können Lehrstellen als Fachfrau oder Fachmann Gesundheit immer noch besetzt werden. «Der Fachkräftemangel betrifft vor allem Personen mit Diplomausbildung an der Höheren Fachschule. Nur ein kleiner Teil der ausgebildeten Fachfrauen oder Fachmänner Gesundheit nimmt diese in Angriff», sagt Heinzer. Ausserdem müssten sich junge Menschen sehr früh entscheiden, welche Berufsausbildung sie wählen. «Einige entscheiden sich nach dem Lehrabschluss für einen anderen Weg und wechseln die Branche.»

Alle spüren den Fachkräftemangel

Auch die anderen Freiämter Seniorenzentren spüren die Konsequenzen des Fachkräftemangels. Zum Beispiel die Pflegimuri. «Es ist nicht einfach, vakante Stellen zu besetzen, aber wir schaffen es immer noch», sagt Direktor Thomas Wernli. Für Lehrstellen in der Pflege bewerben sich gar mehr, als genommen werden können. Trotzdem musste die Pflegimuri an ihrem Konzept schleifen: «Man muss den Arbeitsort attraktiv machen. Und dazu gehört nicht mehr nur ein guter Lohn.»

Laut Wernli zähle auch, wie sich das Unternehmen präsentiert und nach welchen Philosophien dort gelebt wird. In den Alterszentren Bärenmatt und Burkertsmatt in Bremgarten tönt es ähnlich: «Mit Mühe klappt es noch, offene Stellen zu besetzen», sagt Brigitte Weibel, Leiterin Pflege.

«Doch die jungen diplomierten Pflegekräfte gehen oft in Spitäler, nur wenige bleiben in der Langzeitpflege», sagt sie. Das sei problematisch. «Deswegen haben wir jetzt damit angefangen, die Fachfrauen und Fachmänner Gesundheit intern intensiver zu schulen.»

Rolf Muntwyler, stellvertretender Geschäftsführer des Altersheims Obere Mühle in Villmergen, steuert schon länger dem Fachkräftemangel entgegen – und das ohne Kampagne. «Wir setzen auf unser gutes Image und dessen Instandhaltung», sagt er. Man müsse den Angestellten und potenziellen Neuzugängen ein gutes Arbeitsklima bieten. «Deswegen bilden wir unser Personal auch intern immer weiter und motivieren sie so», sagt Muntwyler.

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