Freiamt
Mit Videokameras will die SVP ihre Wahlplakate überwachen

In der Region werden Plakate von SVP und FDP beschädigt – Die Volkspartei reagiert mit ungewöhnlicher Massnahme. Wie Andreas Glarner sagt, sollen gewisse Standorte zukünftig mit Videokameras überwacht werden.

Fabian Hägler
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Obwohl das Plakat von Matthias Jauslin in Wohlen an einem offiziellen Standort hing, wurde es zerstört. zvg

Obwohl das Plakat von Matthias Jauslin in Wohlen an einem offiziellen Standort hing, wurde es zerstört. zvg

Die SVP will nicht nur durchgreifen, wie ihr Wahlplakat mit der roten Karte zeigt, sondern auch vorbeugen: «Wir planen, gewisse Plakatstandorte mit einer Videokamera zu über-
wachen», sagt Andreas Glarner, Präsident der SVP Bezirk Bremgarten und Fraktionschef im Grossen Rat. Grund für die ungewöhnliche Massnahme sind beschädigte, verschmierte oder zerstörte Wahlplakate seiner Partei.

«Wir können von der Gemeinde Oberwil-Lieli eine Kamera mit Restlichtverstärker ausleihen, so wäre eine Überwachung auch nachts möglich», erklärt Glarner. Derzeit stelle die Batterie für den Betrieb der Kamera noch ein Problem dar, doch Gemeindeammann Glarner ist zuversichtlich, dass die Videoüberwachung für SVP-Plakate bald beginnen kann.

GLP-Freiamt-Präsident findet Glarner-Aussage «primitiv»

In einem Facebook-Eintrag hatte SVP-Fraktionschef Andreas Glarner den GLP-Kandidaten Daniel Schambron mit einem «Taliban» verglichen. Zudem schrieb Glarner, bei einer Wahl des schwulen Alain Thiébaud «stiege sicher die Temperatur im Grossratssaal».
Für seine Äusserungen erntete der SVP-Hardliner aus Oberwil-Lieli auf aargauerzeitung.ch viel Kritik. Als «niveaulos und billig» wurde Glarners Eintrag bezeichnet, ein anderer Leser meinte, der SVP-Grossrat sei «als Politiker nicht mehr tragbar.» Ein anderer Leser bedankte sich ironisch: «Herr Glarner hat mir gezeigt, dass man auch die GLP wählen kann.»
Nun meldet sich auch Urs Lüthi, Präsident der GLP Freiamt, zu Wort. «Es ist bedauerlich, dass gewisse Leute Andersdenkenden gegenüber immer sofort primitiv werden müssen. Weitere Worte dazu erübrigen sich», schreibt Lüthi, der selber auch kandidiert, in einer Stellungnahme. (fh)

Zu diesem Mittel will Glarner greifen, weil die Plakatierung sonst eine Sisyphusarbeit sei. «Es kann doch nicht sein, dass wir zum Beispiel in Bremgarten ein Plakat aufstellen, und eine Stunde später ist es schon wieder weg», sagt er. Leider sei es fast unmöglich, die Täter ausfindig zu machen, bedauert er. «Für mich ist es absolut inakzeptabel, wenn jemand Wahlplakate zerstört – ich würde wohl handgreiflich werden, wenn ich jemanden dabei erwischen würde», erklärt Andreas Glarner.

FDP im Raum Wohlen betroffen

Auch Matthias Jauslin, FDP-Grossrat aus Wohlen, nervt sich über Plakatvandalen: «Da scheint der Wahlkampf leider angekommen zu sein», schreibt er der AZ Freiamt zum Foto eines zerstörten Wahlplakats an der Bremgarterstrasse (Bild rechts). Jauslin ergänzt: «Diese Beschädigung ist ziemlich ärgerlich. Immerhin ist es gekaufter Raum und alle Vorschriften sind eingehalten.» Das Plakat hing an einem offiziellen Standort und war dort von der Allgemeinen Plakatgesellschaft (APG) im Auftrag von Jauslin angebracht worden. «Ich habe der APG zähneknirschend den Auftrag erteilt, das Plakat zu ersetzen», sagt er. Wie teuer dies wird, weiss Jauslin nicht genau. «Ein paar hundert Franken wird es aber sicher kosten», sagt der FDP-Mann.

Jauslin ergänzt: «Zudem wurden in Wohlen etliche Wild-Plakate der FDP massiv beschädigt und Werbeblachen demontiert.» Ob es sich um Lausbubenstreiche handelt, ober ob eine
Aktion politischer Gegner dahinter steckt, kann Jauslin nicht beurteilen.

Drei weitere freisinnige Opfer

Nicht nur in Wohlen kämpft die FDP gegen Plakatvandalen. Samuel Sommerhalder, FDP-Kandidat aus Berikon, schrieb letzte Woche auf Facebook: «Vermisst wird meine Wahlblache beim Reservoir vor dem Tunnel in Oberwil-Lieli. Vermutlich wurde diese mutmasslich entfernt. Ein Zipfel ist noch festgemacht. Es ist wirklich ärgerlich, zumal diese Wahlblachen relativ teuer sind. Ich gehe nicht davon aus, dass dies das Bauamt war, sonst hätten die Behörden mich bestimmt darauf aufmerksam gemacht. Eine Strafanzeige gegen unbekannt schliesse ich nicht aus.»

Silvan Hilfiker, FDP-Kandidat aus Oberlunkhofen, ist ebenfalls betroffen. «Meine Blache in Bremgarten ist auch weg», schrieb er in einem Facebook-Kommentar.

Ein drittes Opfer von Plakatvandalen ist Yatin Shah, Präsident der Jungfreisinnigen Freiamt. «Mitten in Waltenschwil wurden mir über Nacht zwei Plakate entwendet», schreibt er auf Facebook. Auf Nachfrage ergänzt Shah: «Meine beiden Plakate im Dorf sind verschwunden, eines davon war auf eine 8 Kilo schwere Holzplatte montiert.» Der junge FDP-Kandidat vermutet, dass sich die Aktion gegen ihn persönlich richtet.