Fischbach-Göslikon

Mit Tricks zu mehr Schulraum: Deshalb schwenkte der Gemeinderat um

Die Kommission befand, dass Räume anders genutzt werden sollen, so gäbe es genügend Platz.

Die Kommission befand, dass Räume anders genutzt werden sollen, so gäbe es genügend Platz.

Ein Bericht der Planungskommission in Fischbach-Göslikon kam zum Schluss, dass die Schule genug Platz hätte, wenn die Räume anders genützt würden.

Eigentlich schien die Frage im Dorf unbestritten – die Schule Fischbach-Göslikon braucht mehr Platz. Einzig die Frage, wie dieser geschaffen werden soll, schien offen. Bereits seit Jahren wurde darüber diskutiert.

Bei einer Informationsveranstaltung im Frühling 2019 wurde es konkreter, in erster Linie schienen noch zwei Varianten im Rennen: Eines der bestehenden Schulhäuser um eine Etage zu erweitern, oder der Bau eines neuen Schulhauses, eventuell inklusive einer Turnhalle. Bei Letzterem wäre eine Erhöhung des Steuerfusses um vier Prozent wohl nicht vermeidbar, warnte Gemeindeammann Hans Peter Flückiger.

In der Folge setzte der Gemeinderat eine Planungskommission, bestehend aus Einwohnern, ein. Deren Aufgabe: Dem Gemeinderat einen wirtschaftlich tragbaren Variantenentscheid zur Beantragung des Planungskredits Schulraum vorzuschlagen.

Es kam anders: Das Gremium kam zum Schluss, dass der jetzige Schulraum durchaus ausreicht. Mit Folgen: Der Gemeinderat kippte sechs Tage vor der Sommergmeind, «aufgrund der neu gewonnenen Erkenntnisse», den Verpflichtungskredit zur Weiterführung der Planungsarbeiten von der Traktandenliste, worauf die Mitglieder der Schulpflege aus der Kommission austraten.

Und vor der Wintergmeind setzte der Gemeinderat den nun fertigen Bericht ein zweites Mal ein und begründete unter anderem auf dessen Grundlage eine Steuerfusssenkung um 7 Prozent auf 99 Prozent, da der jetzige Schulraum ausreiche und bauliche Massnahmen aus dem Finanzplan gestrichen werden konnten. Der Gemeinderat kam nun einem Antrag der AZ nach und gewährte Einsicht in den Bericht der Kommission.

Ist die Zitrone ausgepresst oder doch nicht?

Der Bericht, der sich an der Handreichung des kantonalen Departements für Bildung, Sport und Kultur orientiert sowie an der Entwicklung der Schülerzahlen, endet mit folgendem Fazit: «Die Kommission kommt zum Schluss, dass genügend Schulraum vorhanden ist.» Eine Aufstockung zum jetzigen Zeitpunkt sei nicht verhältnismässig.

Anders klingt es von Seiten der Schulverantwortlichen, die ebenfalls im Bericht zu Wort kommen. «Der Schulraum beider Schulhäuser ist bereits jetzt bis auf den letzten Quadratmeter ausgeschöpft. Es fehlen diverse Räume, unter anderem für die Tagesstrukturen und weitere Klassenräume.»

Der vorhandene Platz sei ausgeschöpft? Sprich, die Zitrone ausgepresst, wie es die Präsidentin der Schulpflege, Nicole Seiler, gegenüber der AZ ausdrückte? Keineswegs, so die Meinung der Mehrheit der Kommissionsmitglieder. Im Bericht werden Lösungsvorschläge präsentiert, wie der vorhandene Raum noch besser genutzt werden kann und somit ausreicht.

Musik in der Bibliothek, Werken im Gymnastikraum

So soll etwa der Gymnastikraum mit dem heutigen Musikraum zusammengelegt werden und damit Raum für Bildnerisches Gestalten und Werken geschaffen werden. Inklusive Materialräume. Zudem empfiehlt die Kommission der Schule, ein E-Piano anzuschaffen, damit der Musikunterricht auch in der Bibliothek stattfinden kann, vor allem in jenen Schulwochen, in denen der Raum von Vereinen besetzt ist. Die Bibliothek eigne sich auch für den Religionsunterricht und den Klassenrat.

Zwei zusätzliche Gruppenräume will die Kommission schaffen, indem einerseits die Bibliothek der Mittelstufe in der Bibliothek Löhrli untergebracht wird. Andererseits soll der heutige Computerraum als Gruppenraum ausgebaut werden.

Mehr Platz für Material soll es in den Gängen geben. «Ein separater Materialraum ist nicht nötig», schreibt die Kommission. «Die Gänge im Schulhaus Lohren können mit Schränken bis zur Decke ausgerüstet werden, wonach genügend Lagerplatz für Lehrmaterial vorhanden sein sollte.»

Bis und mit der Wintergmeind kämpften Schulpflege und Schulleitung gegen die Einschätzung der Kommission an und setzten sich für den aus ihrer Sicht dringend nötigen zusätzlichen Schulraum ein. Ihr Antrag an der Gemeindeversammlung, noch eine externe, unabhängige Instanz den Bedarf des Schulraums abklären zu lassen, wurde jedoch von einer Mehrheit der anwesenden Stimmbürger abgelehnt.

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