Er hiess einmal Grand Prix Eurovision de la Chanson und wurde bei seiner ersten Austragung von einer Schweizerin gewonnen. Nach Lys Assia, die 1956 mit ihrem Lied «Refrain» die Jury begeisterte, dauerte es 32 Jahre, bis die Schweiz wieder mit einem mehrheitsfähigen Schlager punkten konnte. 1988 sang die damals noch kaum bekannte Céline Dion den von Nella Martinetti getexteten Schmelzer «Ne partez pas sans moi» – und gewann mit nur einem Punkt Vorsprung auf Scott Fitzgerald aus England.

Wieder sind 30 Jahre vergangen. Demnach wäre es langsam an der Zeit, dass sich die Schweiz beim nunmehr umgetauften Schlagerwettbewerb wieder einmal nach vorne singen würde, sprich endlich wieder einmal mehr als «zéro points» ergatterte.

Am zweiten Tag klick gemacht

Vor 30 Jahren war Stefan «Stee» Gfeller eben erst geboren und seine Schwester, Corinne «Co» Gfeller, bekam mit gerade mal zwei Jahren vermutlich noch nicht viel vom Grand Prix mit. Aber in der Zwischenzeit sind die beiden als Musikerduo unter dem Künstlernamen ZiBBZ auf dem Weg, die grossen Bühnen zu erobern. Warum also nicht auch diejenige des Eurovision Song Contest, kurz ESC?

Corinne und Stefan Gfeller sind ZiBBZ.

Corinne und Stefan Gfeller sind ZiBBZ.

Zibbz - Stones

Hören und sehen: ZiBBZ mit «Stones»

 

«Wir liebäugeln seit Jahren mit dem ESC», gesteht Co und strahlt dabei übers ganze Gesicht, «aber wir haben auf den passenden Song gewartet.» Und der kam, als die in Waltenschwil und Boswil aufgewachsenen Geschwister eine Einladung ins ESC Songwriting Camp der Suisa erhielten (siehe Box weiter unten).

 «Am zweiten Tag im Camp hat es klick gemacht und innert kürzester Zeit hatten wir eine Demoversion von ‹Stones› aufgenommen», erinnert sich Stee. «Während ich mit einem der Produzenten am Arrangement arbeitete, sassen Co und Laurell Barker hinten auf dem Sofa und haben den Text geschrieben.»

Herausgekommen ist ein energiegeladener Pop-Rock-Song, der ein grosses Problem der heutigen Gesellschaft anprangert: die Steinigung anderer Menschen aus der anonymen Sicherheit der Social Media heraus. «Es ist so einfach, feige hinter dem Compi zu sitzen und auf andere abzufeuern», sagt Co und singt in «Stones»: «No I ain’t throwing stones – Nein, ich werfe keine Steine.»

Nicht einmal gegen ihre Konkurrenten wollen ZiBBZ mit Steinen werfen. «Vier der sechs Finalisten, die am Sonntag um die Schweizer Teilnahme am ESC antreten, haben ihren Beitrag im Suisa-Camp erarbeitet», erzählt Stee. «Die haben wir also schon gehört und auch viele aus den anderen Ländern. Da sind ein paar wirklich gute Stücke dabei und auch ausgezeichnete Stimmen.» Die guthelvetische Maxime, wonach Eigenlob stinke, haben die Gfeller-Geschwister also auch in Los Angeles nicht verlernt, wo die beiden heute hauptsächlich leben und arbeiten.

Doppelter Gruss in die Heimat: Die Freiämter Coco und Stee Gfeller erobern von Los Angeles aus als "ZIBBZ" die Musikwelt.

Doppelter Gruss in die Heimat: Die Freiämter Co und Stee Gfeller erobern von Los Angeles aus als «ZiBBZ» die Musikwelt.

Dabei sein heisst siegen

«Am ESC teilzunehmen, ist eine riesige Chance», freut sich Co. «Darum geben wir am Sonntag alles, um die Jury und das Publikum von uns und unserem Song zu überzeugen.» Sie und ihr Bruder wissen, was auf sie zukommt, wenn sie nach Lissabon reisen dürften: «Dieser Wettbewerb ist kein Spaziergang», weiss Co, und Stee bestätigt: «Vor dem Final gibt es unzählige Proben, zusätzliche Konzerte, Aufnahmen und Interviews. Da musst du fit sein, das ist wie eine Olympiade.»

Für ZiBBZ wäre die Teilnahme am ESC ein Meilenstein in ihrer nunmehr zehnjährigen Karriere. Co schwärmt: «Wir haben unsere Musik gesät, nun wäre es schön, die ersten Früchte ernten zu dürfen.»