Dottikon
Mit Patrouillen gegen Vandalismus: Jetzt sorgt ein privater Sicherheitsdienst für Ruhe

Neu schaut ein privater Sicherheitsdienst im Dorf zum Rechten — auch andere Gemeinden setzen darauf.

Fabio Vonarburg
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Ein Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes.

Ein Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes.

Keystone

Der Gemeinderat von Dottikon hat genug. Genug von jenen Personen, die leere Pizzaschachteln im Bünzpark zurücklassen. Genug von jenen, die es offenbar lustig finden, Bücher aus der Bücherbox zu verbrennen. Genug von jenen, die die Rinden von Bäumen abkratzen und damit deren Todesurteil besiegeln. «Solche Vorfälle haben sich in den letzten Monaten gehäuft», sagt Gemeindeammann Roland Polentarutti, «vor allem über die Ostertage.» Er ergänzt: «Bislang war der Schaden nicht so gross, doch wir wollen ein solches Verhalten nicht tolerieren.»

Der Gemeinderat geht jetzt präventiv gegen die Vandalen und Litterer vor. Dazu hat er den Sicherheitsdienst Pampasus aus Mägenwil engagiert, deren Mitarbeiter nun im Dorf ab und an patrouillieren und öffentliche Anlagen, wie Bünzpark oder Schulhaus, überwachen. Zudem wird kontrolliert, ob die Öffnungszeiten der Sportanlagen eingehalten werden. «Der beauftragte Sicherheitsdienst ist befugt, korrigierend einzugreifen, eine allfällige Täterschaft festzuhalten und im Bedarfsfall die Polizei hinzuzuziehen», informiert die Kanzlei die Bevölkerung in den Gemeindenachrichten.

Vandalismus im Aargau:

Dättwil AG, Oktober 2019: Vandalen haben die Fassadenverglasung des Schulzentrums Höchi massiv beschädigt. Es entstand ein Sachschaden von 35'000 Franken.
45 Bilder
Schinznach, Juli 2019: Vandalen haben in Schinznach in der Aula gewütet: Sie schlugen Fenster ein, versprayten Wände und zerstörten ein Keyboard und weitere Gegenstände. Die Täter sind dem Gemeinderat bekannt.
Arni, 7. Juni 2019: Rund 2500 Franken beträgt der Schaden, den Unbekannte am Freitag des Pfingstwochenendes am Kindergartenpavillon in Arni verursacht haben.
Oberrüti, Ostern 2019: Die Baumsitzgruppe beim Kindergartenspielplatz wurde ins Wasser geworfen. Vier Knaben im Alter von 12 bis 14 Jahren sind für die Schäden verantwortlich.
Unbekannte fällten beim Vordemwalder Waldhaus Felli, an der Verbindungsstrasse von Riken und Glashütten, drei Tannen. Vordemwald, 7. Juni 2019
Unbekannte haben beim Klubhaus der Sportanlage «Kreuzzelg» einen Cricket-Teppich in Brand gesetzt. Dank des beherzten Eingreifens des Platzwartes konnte ein grösserer Brand verhindert werden. Wettingen, 17. Mai 2019
Das Gemeindehaus in Oberentfelden wurde Ziel eines Vandalen-Akts. Unbekannte schossen auf die Eingangstür. Oberentfelden, 7. März 2019
Tisch bei der Villa Hecht wurde abgefackelt. Rothrist, 4. März 2019
Zerstörerischer Abstimmungskampf: Ein Plakat wurde ausgerissen und über die Leitplanke ins Tobel geworfen. Arni, 25./26. Januar 2019
Kein Lausbubenstreich: Übermaltes Plakat 50 statt 30. Arni, 24./25. Januar 2019
Alles angeschleppt, was brennt: Eine Palette, der dazugehörige Rahmen und ein Strohballen wurden verbrannt. Lenzburg, 12./13. Januar 2019
Keine Unachtsamkeit: Bei dieser Zerstörung einer Bank in Lenzburg war Mutwilligkeit im Spiel. Lenzburg, Anfangs Januar 2019
Vandalen schlugen die Fensterscheiben der WC-Anlage in Möhlin ein. Möhlin, Dezember 2018/Januar 2019
Vandalen waren auf dem stillen Örtchen in Möhlin. Möhlin, Dezember 2018
Vandalen zerschlugen vier Lampen bei der Unterführung Richtung Berikon. Oberwil-Lieli, 8./9. Dezember 2018
Vandalen waren in Baden in einer Schule am Werk. Baden, Mitte Oktober 2018
Vandalen in Badener Schule. Baden, Mitte Oktober 2018
Vandalen in Badener Schule. Baden, Mitte Oktober 2018
Vandalen in Badener Schule. Baden, Mitte Oktober 2018
Vandalenakte im Bally-Park Schönenwerd. 26. Juni 2018 Bally-Park Schönenwerd
Eine unbekannte Gruppe brach in neu errichtete, noch leere Wohnungen in Baden-Dättwil ein und richtete erheblichen Schaden von mehreren zehntausend Franken an. Baden-Dättwil, 1. Juni 2018
Unbekannte haben in der Nacht auf Sonntag mehrere Container in einem Schulareal in Brand gesetzt.
Unbekannte dringen bei der Schiessanlage Dintikon gewaltsam in den Scheibenstand ein und legen Feuer. Bereits zwei Woche zuvor war das Schützenhaus wiederholt beschädigt worden. Dintikon, 15. Mai 2018
Vandalen schlagen in der Nacht sämtliche Scheiben eines Bauernladens ein. Eingedrungen ist aber niemand. Auch geklaut wurde nicht. Der Sachschaden beträt 10'000 Franken. Spreitenbach, 28. April 2018
Mitten in einem Wohnquartier in Würenlos haben Chaoten nachts ein Auto komplett demoliert: Mit Steinen traktierten sie die Scheiben des Kleinwagens, mit Messern oder ähnlichen Werkzeugen schlitzten sie gar die Carosserie auf. Der Citroën ist schrottreif. Würenlos, Ende April 2018
In Schneisingen wüteten in der Nacht auf Ostersonntag unbekannte Täter und begingen mehrere Sachbeschädigungen. Es wurden bei der Feuerstelle auch ein Feuer entfacht und Materialien verbrannt. Schneisingen, 1. April 2018
Der Platz der Waldspielgruppe Müsli in Aarau Rohr wird immer wieder zum Ziel von Vandalen. Im Mai haben nicht nur die dicken, stützenden Pfähle aus der Umrandung getreten und zum Teil angezündet, sondern auch ein tiefes Loch in die Mitte gegraben. Aarau Rohr
Ein Vandale beschädigt in der Nacht auf Sonntag auf dem ehemaligen Kunath-Areal 13 Fahrzeuge sowie drei Gebäude. Der Sachschaden beläuft sich auf mehrere zehntausend Franken. (Fortsetzung nächstes Bild) Aarau, 11. März 2018
(Fortsetzung) Die umfangreichen Ermittlungen nach den Taten in der Telli (über ein Dutzend Fahrzeuge und drei Gebäude beschädigt) führen zu einem 17-Jährigen Schweizer aus dem Bezirk Aarau. Aarau, 11. März 2018
Unbekannte richten im Neubau eines Kindergartens sowie im angrenzenden Schulhaus beträchtlichen Schaden an. Neuenhof, 11. Juli 2017
Bei der Kreisschule, beim Tennisclub sowie beim Regenklärbecken werden Lampen und Fenster beschädigt. Ein Auto brennt aus. Buchs, 29. November 2017
Vandalen beschädigen mehrere Autos und schlagen Scheiben ein. Die Täter konnten ermittelt werden. Es handelt es sich um zwei Schweizer aus der Region im Alter vom 20 und 28 Jahren. Aarburg, 28. November 2017
Unbekannte Täter verschmieren zahlreiche Hausfassaden und Verkehrsschilder. Birrwil, 19. November 2017
Bei der Kantonspolizei gehen mehr als ein halbes Dutzend Meldungen über Sachbeschädigungen ein. Lenzburg, 5. November 2017
Unbekannte schlagen an mehreren Fahrzeugen Scheiben ein, beschädigen Wohncontainer und verwüsteten einen Wohnanhänger. Staufen, 2. Oktober 2017
Unbekannte setzten bei einer Baustelle zwei Bagger in Gang und richten damit Sachschaden an. Auw, 29. August 2017
Unbekannte Täter versprayen diverse Örtlichkeiten und reisst Beleuchtungseinrichtungen herunter. Möriken, 5. August 2017
Unbekannte sprayen in einem Parkhaus. Polizeihund "Lord" spürt einen der Tatverdächtigen in einem Gebüsch auf. Baden, 19. Juli 2017
Unbekannte Täter verwüsten die Kapelle. Im Gebäude entstehen durch ein Feuer massive Russschäden. Full-Reuenthal, 25. Juni 2017
Unbekannte besteigen einen Baukran und reissen dessen Kabel aus. Auf der Baustelle zerstören sie eine frisch gemauerte Wand und begehen weitere Sachbeschädigungen. Schöftland, 8. Mai 2017
Jugendliche werfen grosse Steine gegen das Glasdach des Hallenbad-Veloständers und zerstören so die Scheiben. Baden, 21. April 2017
Unbekannte beschädigen am Bahnhof abgestellte Velos. Othmarsingen, 10. April 2017
Unbekannte Vandalen dringen in eine Turnhalle ein und sprayen "Fuck The Police" oder "Fuck School" an eine Wand. Aarburg, 10. April 2017
Dank eines Hinweises von Anwohnern ertappt die Polizei zwei jugendliche Sprayer auf frischer Tat. Wohlen, 17. März 2017
Unbekannte versprayen im Umfeld einer Schulanlage diverse Objekte. Oftringen, 28. Februar 2017

Dättwil AG, Oktober 2019: Vandalen haben die Fassadenverglasung des Schulzentrums Höchi massiv beschädigt. Es entstand ein Sachschaden von 35'000 Franken.

Kapo AG

Von jetzt bis zu den Herbstferien zahlt die Gemeinde rund 7000 Franken für die Dienstleistung, wie Polentarutti mitteilt. Der Gemeindeammann hofft aber, dass die Zusammenarbeit bereits früher wieder beendet werden kann. Frühestens vor den Sommerferien. Sobald sich die unschönen Vorfälle stark reduziert haben, indem entweder die Verantwortlichen auf frischer Tat erwischt werden oder die Massnahme präventiv Wirkung zeigt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Dottikon sich so helfen muss. Bereits vor einigen Jahren patrouillierte eine Zeit lang eine Sicherheitsfirma im Dorf. Damals hat es genützt: Die Vorfälle gingen zurück, die Patrouillen wurden eingestellt. Dabei ist Dottikon nicht das einzige Dorf, das sich die Dienste von Pampasus sichert. Elf weitere seien es, so deren Geschäftsleiter. Die Nachfrage in den letzten Jahren gestiegen.

Seit 10 Jahren in Oberwil-Lieli

Auch im Freiamt ist Dottikon nicht die einzige Gemeinde, die sich nicht nur auf die Regionalpolizei verlässt. Auch etwa die Mutscheller Gemeinden Widen, Berikon und Oberwil-Lieli halten dies so. Letztere setzt bereits seit über zehn Jahren zusätzlich auf private Dienste und zahlt dafür 24 000 Franken im Jahr. Der Gemeindeammann Ilias Läber ist zufrieden: «Die Bevölkerung fühlt sich dank dieser Massnahme sicherer», ist er überzeugt. Bereits einige Male habe sich das Engagement des Sicherheitsdienstes bewährt. Etwa, als ein Feuer nicht richtig aus war, Jugendliche bei der Waldhütte «ein Rambazamba veranstalteten», oder als die Tür der Turnhalle nicht abgeschlossen war. Wichtig ist Läber zu betonen: Diese Massnahme sei in keinster Weise ein Misstrauensvotum gegenüber der Regionalpolizei. «Die beiden Dienstleistungen ergänzen sich gut.»

Seit zwei Monaten macht die Gemeinde Oberwil-Lieli die Tätigkeiten der Regionalpolizei und der privaten Sicherheitsfirma im Dorf transparent. So kann man lesen, dass die Protectas im April zehn Mal in der Gemeinde patrouillierte, durchschnittlich 3,5 Stunden pro Woche. Kontrolliert wurden jeweils etwa die Waldhütte, das Schulhaus und der Parkplatz Falter.