Tue Gutes und rede darüber. Diesen Grundsatz lernen alle Marketingazubis in der ersten Stunde. Wenn es nach Rolf Meier geht, dann hiesse die Regel aber: Tue Gutes und freue dich still darüber, wenn es gelingt. Der Gemeindeschreiber von Tägerig ist kein Mann der grossen Worte. Ihm geht es darum, die Geschäfte der Gemeinde so gut zu kennen, dass er den Gemeinderat solide beraten und die Bevölkerung umfassend informieren kann. «Gerade wenn es um Abstimmungsvorlagen geht, ist es wichtig, dass die Botschaften dazu offen und nachvollziehbar formuliert sind», betont der 59-Jährige, der seit 35 Jahren die Geschicke der Tägliger Verwaltung mitbestimmt.

In kleinen Gemeinden sind die Amtswege kürzer

«Als ich 1984 als Gemeindeschreiber hier anfing, hätte ich nicht gedacht, dass es 35 Jahre würden», erzählt der Jubilar mit nachdenklichem Blick. Seine Lehre hat der gebürtige Tägliger in Mellingen absolviert. Danach führte ihn sein Weg nach Wohlen, wo er im Betreibungsamt arbeitete. Dann kamen Rekrutenschule und Wechsel auf die Gemeindeverwaltung Aristau. «Damals merkte ich, dass es mir in einer kleinen Gemeinde viel wohler ist als in einer grossen. Ich schätze es, wenn ich die Leute kenne, mit denen ich zu tun habe. Auch die Wege sind in einer kleinen Verwaltung viel kürzer, und manche Entscheidung kann viel schneller und unkomplizierter gefällt werden. Hier in Tägerig sind wir nur drei Personen auf der Verwaltung, plus ein bis zwei Lehrlinge.»

1981 wurde in Hägglingen die Stelle als Stellvertreter des Gemeindeschreibers frei. Meier bewarb sich und wurde genommen. Nur drei Jahre später kündigte der damalige Gemeindeschreiber von Tägerig überraschend. Für Meier bot sich die Chance seines Lebens. Obschon er den zweijährigen Lehrgang zum Gemeindeschreiber erst zur Hälfte absolviert hatte, bewarb er sich, gerade mal 24-jährig. «Herausforderungen haben mich immer gereizt», erklärt er. «Mir war bewusst, welche Verantwortung ich übernehme, aber ich habe mich der Situation gestellt und es bis heute nicht bereut.»

Erste Amtshandlung: Zwei neue Computer einführen

Seine erste Amtshandlung bestand 1984 darin, die Verwaltung mit Computerunterstützung neu zu strukturieren: «Die Gemeindeversammlung genehmigte zwei Computerarbeitsplätze für 150'000 Franken. Textverarbeitung war mit diesen Computern noch nicht möglich. Das machten wir immer noch mit der Schreibmaschine.» Die technischen Entwicklungen, die er als Gemeindeschreiber in den folgenden Jahren miterlebt habe, seien gigantisch gewesen, sagt Meier. Die Publikation von Gemeinderatsnachrichten habe früher auf dem Postweg mindestens drei bis vier Tage gedauert. Heute seien diese Meldungen in einer halben Stunde per E-Mail verschickt. «Ich möchte auf diese Fortschritte nicht mehr verzichten, aber die Seriosität darf darunter nicht leiden. Ein gutes Beispiel war die Geschichte mit dem Wasserverlust in Tägerig, die unglaublich schnell publiziert wurde und für grosse Aufmerksamkeit sorgte. Hätte man vorher in Ruhe alle Fakten überprüft, wäre die ganze Aufregung nicht nötig gewesen.»

«Ich bin keiner, der klammert»

Bei aller Liebe zum Dorf mit seinen 1500 Einwohnern, regem Vereinsleben, Finanznöten und Festfreuden schaut Meier auch über die Gemeinde- und Bezirksgrenze hinaus: «Der Bezug zu den Nachbarn ist wichtig. Ich bin Mitglied einer Gruppe von Gemeindeschreibern aus der Region, die sich regelmässig zum Erfahrungsaustausch treffen. Ich bin der Einzige aus dem Bezirk Bremgarten. Das macht nichts, wir Tägliger sind von jeher mehr nach Mellingen und Baden ausgerichtet.»

Höhepunkte wie die 800-Jahr-Feier (1989), die Landung des Radio-Argovia-Ballons (2003), die Einweihung des neuen Sportplatzes (2018) oder das Feiern berühmter Tägliger wie Grossratspräsident Kurt Oldani (1991) oder Miss Schweiz Jennifer Ann Gerber (2001) stehen aktuell zwar nicht an, aber Rolf Meier freut sich auf die Zukunft in und mit seiner Gemeinde. «In fünfeinhalb Jahren werde ich pensioniert. Ich bin keiner, der klammert. Ich kann mich auf neue Situationen einstellen, weil ich anpassungsfähig bin und lösungsorientiert arbeite.» Ausserdem wird es dem begeisterten Mitglied des Musikvereins Tägerig auch in seiner Freizeit nie langweilig. Zusammen mit seiner Frau, Christina, bereist er gerne den hohen Norden und geniesst die Natur beim Wandern oder Velofahren.