An einem Samstagabend im September vor zwei Jahren kamen vier Jugendliche auf eine dumme Idee. Sie entschlossen sich im Verlaufe des Abends, eine GOA-Party im Litzibuech in Unterlunkhofen aufzusuchen, um dort «Leute auszunehmen», wie es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft heisst. Dazu nahmen sie zwei Messer mit. Zwei der Beschuldigten waren zum Tatzeitpunkt noch minderjährig, sie mussten sich vor der Jugendanwaltschaft verantworten. Die beiden andern standen letzte Woche vor dem Bezirksgericht Bremgarten.

Geplant war ein abgekürztes Verfahren: Die beiden Täter hatten mit ihrer Unterschrift bestätigt, dass sie die ihnen zur Last gelegten Vorwürfe zugeben und erklärten sich mit der Strafe einverstanden. Diese setzte die Staatsanwaltschaft auf 20 Monate Freiheitsstrafe und 1800 Franken Geldstrafe für den einen, 14 Monate und 900 Franken Geldstrafe für den anderen Täter fest.

Das Gericht hatte nur noch darüber zu befinden, ob die Angeklagten wirklich geständig sind und ob die Strafe angemessen ist. Dass sie das Verbrechen geplant hatten und mit Messern zu der Party aufgebrochen sind, bestritten die beiden Angeklagten nicht. «Sie haben dem Opfer das Handy und das Portemonnaie abgenommen und daraus 200 Franken entwendet?», fragte Gerichtspräsident Peter Thurnherr. «Nein, da war kein Geld drin», meinte der erste Angeklagte.

Auch der zweite wollte von den 200 Franken nichts wissen. Darüber zeigte sich der Staatsanwalt empört: «Ich fühle mich verarscht, ich kann es nicht anders sagen. Die Angeklagten haben jede Seite der Anklage gelesen und unterschrieben. Hätte ich gewusst, dass sie etwas bestreiten, hätte ich das Gericht nicht um ein abgekürztes Verfahren bemüht.»

«200 Franken sind kein Detail»

Die Beschuldigten sagten, sie hätten von Anfang an bestritten, dass Geld im Portemonnaie gewesen sei. «So eine Absprache ist ein Gesamtpaket, da gibt es immer Details, die nicht stimmen», sagte die Verteidigerin und plädierte dafür, das abgekürzte Verfahren trotzdem durchzuführen. «Ob die beiden 200 Franken gestohlen haben oder nicht, ist zentral, und das abgekürzte Verfahren kann nur angewendet werden, wenn die Angeklagten alle Vorwürfe bestätigen», erklärte Thurnherr.

Deswegen werde nun ein ordentliches Verfahren eingeleitet. Den beiden Angeklagten war offenbar nicht klar, was ihre Aussage bewirken würde. «Kann ich denn jetzt nicht mehr zustimmen?», fragte der eine, nachdem das Gericht bereits entschieden hatte. Dafür war es zu spät.