Geschichte

Mit Luft- und Heilkuren bekannt: Muri war auch ein Badekurort

Schuldirektor Jakob Glaser machte das Dorf mit Luft- und Heilkuren bekannt. Besonders Lungenleidende sprachen die Initianten an. Bald erzählte man sich, dass Patienten, die an Krücken gegangen waren, nach einer Badekur in Muri geheilt entlassen worden seien.

Im 19. Jahrhundert stieg Muri zum Bade- und Luftkurort auf. 1864 kaufte Johann Jakob Glaser, Direktor der Landwirtschaftlichen Schule Muri, von Silvan Müller für 70 000 Franken den Gasthof Löwen samt Umschwung und baute die Dependance des Löwen (östlich der Metzgerei Stapfer, später abgebrochen und durch Haus zum Leontius ersetzt) zum Badhaus aus. Glaser assoziierte sich mit Alexander Jungblut, mit dem er eine Brauerei gründen wollte. Der Murianer Historiker Hugo Müller zeichnete die Geschichte seinerzeit auf.

Dorfarzt empfahl das Bad

Zur Speisung des 1867 eröffneten Bades grub Glaser auf seinem Grundstück in der Bächlen eine ergiebige Quelle. Daraus sprudelte zwar kein reines Mineralwasser. Aber das Wasser war warm und deshalb für Kuren durchaus geeignet. Der Murianer Dorfarzt Adolf Weibel bestätigte, dass in Muri einfache klimatische Kuren möglich seien. Muri wurde als Luftkurort für Gesunde angepriesen, die auf dem Land einen Sommeraufenthalt machen wollten, oder für Geschwächte, die hier Erholung suchen sollten.

Besonders Lungenleidende sprachen die Initianten an. Milch- und Molkenkuren wurden gegen Verdauungsstörungen und Blutschwäche empfohlen, Trinkkuren sollten gegen Katarrhe der Darm- und Respirationsschleimhaut helfen, die Badekuren bei Hautausschlägen, Geschwüren, Rheuma, Neuralgien, Krämpfen und hysterischen Zuständen, dann aber auch bei Drüsenkrankheiten, Rachitis, chronischen Entzündungen der inneren Organe und bei Gicht helfen. Bald erzählte man sich, dass Patienten, die an Krücken gegangen waren, nach einer Badekur in Muri geheilt entlassen worden seien.

Initiant scheiterte an Schulden

Glaser war ehrgeizig und eröffnete in Muri eine Mineralwasserfabrik. Das heilkräftige Quellwasser wurde in Dreideziliterflaschen verkauft. Es dauerte nicht lange, bis Muri als Bade- und Luftkurort in Werbeprospekten vermarktet wurde. Aber Glaser war kein guter Kaufmann. Umbauten des Löwen und Einrichtung des Bades hatten grosse Summen verschlungen. Glaser musste, weil er die Darlehen nicht mehr zurückbezahlen konnte, 1878 Konkurs anmelden. Glasers Ehefrau Marie Glaser-Tschudin sprang in die Bresche. Sie kaufte die Liegenschaft zurück und führte mit Sohn Alfred den Kurbetrieb weiter. Alfred Glaser war innovativ. Er baute den Tobelweg für die Kurgäste aus, regte die Gründung des Ortsverschönerungsvereins an und warb mit Prospekten für das Heilbad.

1901 richtete der Arzt Robert Glaser im Bad ein Sanatorium ein, von dem Kranke sich die Heilung von Gallensteinen, Unterschenkelgeschwüren und Venenentzündungen versprachen. Glasers Nachfolger Adolph Spiegelhalter-Glaser war indessen nicht mehr erfolgreich genug, um das Bad über die Runden zu bringen. Nach einem weiteren Handwechsel musste es 1917 geschlossen werden. Eine Ära war zu Ende.

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