Abtwil
Mit Liebe und Leidenschaft auf einer Reise durch Italien

Die Musikgesellschaft Abtwil gewährte unter der Leitung von Hugo Felber den zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörern einen fantastischen Einblick ins musikalische Erbe des südlichen Nachbarlands.

Cornelia Bisch
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Die Abtwiler Musikanten brachten viel «Italianità» auf die Bühne. CB

Die Abtwiler Musikanten brachten viel «Italianità» auf die Bühne. CB

Ganz grosse Namen, ganz grosse Musik: Antonio Vivaldi, Giuseppe Verdi, Gioacchino Rossini. Die Abtwiler Blechbläser interpretierten die schönsten Ouvertüren und Arien der weltbekannten barocken und romantischen Komponisten aus Italien in vortrefflichen Brassband-Arrangements. Aber auch zeitgenössische Komponisten wie Ennio Morricone und Dean Jones kamen zum Zug, letzter mit einer atemberaubenden Ehrerbietung an Christus, einem innigen Gebet, das an dramatischem Pathos kaum zu überbieten ist.

Sinnliches Erlebnis

Ein Engländer hat in einem italienischen Programm eigentlich nichts zu suchen. Ansagerin Monica Drigo schlug jedoch von Jones’ Komposition «Glorifico Aeternum» (ewige Ehrerbietung) geschickt eine Brücke zur Ewigen Stadt Rom als einem der bedeutendsten Orte des Christentums. Das über zehn Minuten andauernde Stück bildete einen der Höhepunkte des Konzertprogramms. Ein sinnliches Erlebnis extremer Gegensätze, voller tiefer Gefühle, getragen von erdigen Basstönen, in denen die wunderbarsten Melodien keimen und sich entfalten. Die Musikanten meisterten das äusserst anspruchsvolle Stück selbstbewusst und entschlossen, mit erstaunlicher Gewandtheit und grossem Feingefühl.

Man braucht kein eingefleischter Wildwestfan zu sein, um Ennio Morricones Filmmusik zu kennen. Ein Medley der beliebtesten Melodien aus diversen Klassikern mit der charakteristisch spannungsgeladenen Atmosphäre, lässig aus der Hüfte geschossenen Pointen sowie dem Pfeifen und Hufgeklapper des einsam durch die Prärie reitenden Cowboys bildete einen angenehmen Kontrast zu den klassischen Kompositionen. Buchstäblich als Verkörperung des «Lonesome Cowboy» trat Lukas Isler auf, welcher «Morricones Melodie», ein wunderschönes Cornetsolo, souverän vortrug. Ein weiterer einsamer Reiter, Adrian Stocker, gab seinem Xylofon die Sporen und galoppierte dem Publikum mit Rossinis «Wilhelm Tell» derart rasant um die Ohren, dass es sich vor Begeisterung kaum halten konnte.

Liebe und Leidenschaft

Der Komponist Nino Rota setzte Shakespeares Drama «Romeo und Julia» im Titel «A Time For Us» musikalisch um. Ein melancholisch getragenes Stück mit sich steigernder Dynamik, über dem trotz allem eine eigentümliche Ruhe und Beschaulichkeit liegt wie in der Zeitlosigkeit inniger Zweisamkeit. Die frische, rasante Komposition «Rood» (Rot) des Holländers John Ewbank, das Monica Drigo dem italienischen Temperament zuordnete, setzte dem Thema Leidenschaft die Krone auf.

Junge Talente

Obwohl es dem Konzertprogramm an sich schon kaum an Abwechslung mangelte, sorgten die vier jungen Perkussionisten Jacqueline Meyer, Beat Köpfli, Jonas Steinger und Adrian Stocker für eine zusätzliche, ungewöhnliche Einlage mit ihrer witzigen Abfallsack- und Mülltonnenperkussion. Angesichts so vieler junger Talente in den Reihen der Musikgesellschaft Abtwil ist es schwer zu glauben, dass der Verein unter Nachwuchsproblemen leidet. Jedoch ist die Jugendband «Future Power» inzwischen auf lediglich drei Mitglieder geschrumpft, wie Dirigent Hugo Felber mit einiger Sorge berichtete. Die drei verstärkten das Corps bei den vom Publikum leidenschaftlich geforderten Zugaben.