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Mit Gratis-Bratwürsten die Leute an die Gmeind locken?

Der Anlass «Ech ha Gmeind» stösst auf positives Echo, lockt aber nur wenige Besucher an – vielleicht würden es mehr, wenn die Gemeinde eine Bratwurst offeriere, schlug ein Teilnehmer vor.

Der Anlass «Ech ha Gmeind» stösst auf positives Echo, lockt aber nur wenige Besucher an – vielleicht würden es mehr, wenn die Gemeinde eine Bratwurst offeriere, schlug ein Teilnehmer vor.

Obwohl sich Gemeinden bemühen, locken Infoveranstaltungen nur wenige Besucher an.

«Wenn man die Leute fragt, dann finden sie ‹Ech ha Gmeind› alle eine gute Sache», sagt der Beriker Gemeindeammann Stefan Bossard.

Das ist sie auch – die Gemeinderäte informieren darüber, mit welchen Themen sie sich beschäftigen, im gemütlichen Rahmen können auch Leute Fragen stellen, die vielleicht nicht den Mut haben, an einer Gemeindeversammlung zum Mikrofon zu greifen.

Die positive Resonanz spiegelt sich aber nicht in den Besucherzahlen: Nur etwa 20 kommen im Schnitt. So wollte der Gemeinderat bei der letzten Veranstaltung auch besprechen, wie es in Zukunft weitergehen soll.

Die Teilnehmer waren sich einig: «Es ist sehr schade, dass nur so wenig Leute kommen. Man merkt, dass viel Aufwand dahintersteckt und es war auch spannend», meinte einer. «Vielleicht müsste man eine Gratiswurst und ein Bier anbieten, damit mehr Leute kommen», schlug ein anderer vor.

Auch Bossard bedauert die geringe Teilnehmerzahl: «Wir können hier Themen zu einem Zeitpunkt diskutieren, an dem noch nicht alle Entscheide gefällt sind. Das ermöglicht uns, frühzeitig ein Anliegen aufzunehmen.» Versuche, mehr Leute für den Anlass zu begeistern, habe es schon viele gegeben, bisher ohne Erfolg.

Resonanz themenabhängig

Die meisten Gemeinden organisieren Informationsveranstaltungen, wenn an der Gemeindeversammlung wichtige Themen traktandiert sind. So auch in Boswil, wie Gemeindeschreiber Daniel Wicki erklärt: «Aus unserer Erfahrung macht es dann Sinn, wenn bei einem Thema viele Informationen vermittelt werden müssen – wenn wir bereits vorab informieren, dann wird an der Gemeindeversammlung weniger diskutiert.»

Dies sei zum Beispiel bei einer Zonenplanrevision der Fall. Aber auch vor der letzten ausserordentlichen Gemeindeversammlung lud der Gemeinderat zu einem Infoanlass: Unter anderem hatten die Boswiler über einen Betrag von 650000 Franken für den Ausbau der Holzschnitzelheizung zu entscheiden. «Das ist viel Geld und die Meinungen gingen auseinander», erklärt Wicki. Solche Veranstaltungen könnten aber auch der Bedürfnisabklärung dienen. «Und wir können den Puls der Bevölkerung spüren, ob ein Thema auf Begeisterung oder Ablehnung stösst.»

In absehbarer Zeit werde das Thema Schulraum diskutiert, sagt Wicki, hier mache eine Infoveranstaltung sicher Sinn. Durchschnittlich würden etwa 40 bis 50 Leute die Anlässe besuchen.

In Boswil verfolgt man aber noch einen anderen Weg, die Bürger zu informieren. Regelmässig findet eine Parteieninfo statt, zu der je nach Thema auch Institutionen wie die Schulpflege oder die Finanzkommission eingeladen werden. «Die Parteien haben bei uns ein grosses Gewicht. Dieses Angebot wird gewünscht und stösst auf positive Resonanz – und die Parteien geben die Infos weiter.»

Grundsätzlich zeigt sich, dass das Interesse der Bevölkerung je nach Thema stark variiert. Veranstaltungen zu neuen Schulhäusern, Gemeinderats-Salären oder Steuerfusserhöhungen sind meistens sehr gut besucht. In Berikon sucht man aber ganz bewusst den Kontakt zur Bevölkerung abseits der «grossen» Themen – eigentlich ein sehr lobenswerter Ansatz.

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