Bremgarten
Mit gängigen und ursprünglichen Liedern am Bremgarter Umesinge

Die Umesinger-Kinder pflegen Kult, der ins Mittelalter zurückreicht und von der Lateinschule begründet wurde. Singend zogen sie durch die Quartiere. Das gesammelte Geld kommt einem Hilfswerk in Indien zugute.

Lukas Schumacher
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Im Einheitslook, mit roten Kappen und Schals, besuchten die Umesinger-Kinder in der Altjahrswoche gruppenweise Familien. sl

Im Einheitslook, mit roten Kappen und Schals, besuchten die Umesinger-Kinder in der Altjahrswoche gruppenweise Familien. sl

Vor dem Jahreswechsel sind Umesinger-Kinder durch einige Bremgarter Wohnquartiere gezogen. Zwölf Kinder machten sich am 30.Dezember um 18 Uhr im Isenlaufschulhaus auf den Weg. In zwei Gruppen, unter Begleitung von Müttern und ausgerüstet mit kleinen Mineralwasserflaschen – singen und laufen macht durstig – besuchten die Kinder Familien im Gebiet Oberstadt. Gesungen wurden vor allem bekanntere, geläufige Weihnachtslieder, aber auch ursprüngliche.

Knapp zwei Stunden später hatten die sieben- bis elfjährigen Umesinger-Kinder ihre Routen geschafft. Das gespendete Geld im mitgeführten Kässeli der Kinder kommt dem Bartimaeus-Projekt zugute, einem Hilfswerk, das in Indien Waisenkinder, Bettler und alleinerziehende Frauen unterstützt.

Uralter Brauch

Das Bremgarter Umesinge hat seine Wurzeln im 16./17. Jahrhundert. Eingeführt hat den bis heute erhaltenen Brauch die damalige Knaben-Lateinschule im Reussstädtchen. Vor der Heimfahrt über die Weihnachts- und Neujahrstage durften die Lateinschüler jeweils ein paar Batzen verdienen, indem sie den Städtchenbewohnern Lieder vortrugen. Eine wichtige Rolle bei der Überlieferung der Lieder spielte 1805 und 1835 der Bremgarter Katechet Weder. Einige Lieder fanden Aufnahme in die reichhaltige Sammlung, die Adele Stöcklin 1921 zusammentrug und die der Bremgarter Musikdirektor Joseph Iten auszugsweise 1933 in Form einer Schrift herausgab.

Die komplette Sammlung umfasst nicht weniger als 84 Weihnachts- und Neujahrslieder. Darunter befinden sich zwölf Lieder, die Bremgarten zugeschrieben werden.

Eine letzte Gelegenheit

Das Umesinge erlebte in den letzten Jahrzehnten Höhen und Tiefen. Der Verkehrsverein Bremgarten und mehrere einheimische Lehrpersonen gaben und geben Gegensteuer, damit der uralte Brauch nicht in Vergessenheit gerät. Vor allem die Lehrkräfte Heinz Koch, Heinz Bergamin und Martin Indlekofer haben sich stark fürs Umesinge eingesetzt. Aktuell kümmert sich Heinirka Rimann ums Umesinge und dessen aufwendige Vorbereitung. Die Leiterin der Bremgarter Kantorei, ausgebildete Chorleiterin, Sängerin und früher Lehrerin für Schulmusik an der Oberstufe, führte seit den Herbstschulferien im Singsaal des Isenlaufschulhauses mehrere Proben durch.

Wer die Umesinger-Kinder verpasste, hat am Sonntag, 6. Januar, zum vorläufig letzten Mal Gelegenheit, sie zu hören. Sie singen am Konzert zum Dreikönigstag im Saal des Reussparks Gnadenthal, das um 14.30 Uhr beginnt.

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