Wohlen

Mit Fairness und Respekt — Edi Brunner ist neuer Einwohnerratspräsident

Edi Brunner leitet die nächsten zwei Jahre als Präsident den Wohler Einwohnerrat.

Edi Brunner leitet die nächsten zwei Jahre als Präsident den Wohler Einwohnerrat.

Mit 37 von 40 möglichen Stimmen wurde Edi Brunner zum neuen Einwohnerratspräsidenten gewählt — ihm ist wichtig, dass es bei aller Diskussion im Rat, bei Respekt und Anstand bleibt.

«Es chunt scho guet», sagt Edi Brunner. Die Diskussionskultur im Wohler Parlament habe sich positiv verändert. «Zu bestimmten Themen wird zwar nach wie vor hart gefightet, das aber fair und mit gegenseitigem Respekt», ist der neue Einwohnerratspräsident überzeugt.

Edi Brunner will in den nächsten zwei Jahren dafür sorgen, dass es so bleibt: «Ich lege Wert auf Respekt und Anstand im Rat, und ich werde sofort eingreifen, wenn in der Diskussion dagegen verstossen wird», sagt er bestimmt. Macht er das auch bei seinen Kollegen von der SVP, deren Fraktion er ein paar Jahre lang geleitet hat und dabei als Parteisprecher nicht immer als sanfter Chorknabe aufgetreten ist?

Der Einwohnerratspräsident lacht: «Ja, auch ich kann poltern und täubelen, das habe ich im Rat ja ein paar Mal gezeigt. Letztlich erachte ich mich aber doch als ausgleichenden Typ, der versucht, verhärtete Fronten aufzuweichen und gangbare Wege zu finden.» Und so verlange er auch von seinen Ratskollegen, dass sie in der Sache zwar hart auftreten, aber in den Debatten nicht auf den Mann spielen und persönlich werden.

Von Amtsvorgänger angestellt

Edi (Taufname Edwin) Brunner wurde in Herisau, dem Hauptort von Appenzell Ausserrhoden, geboren. Als Viertklässler kam er mit seiner Familie in den Aargau nach Aarburg und lernte dort Elektromonteur. Als solcher war er vorerst beruflich fünf Jahre in Südafrika und Rhodesien unterwegs und arbeitete später auch für die Zürcher Maschinenfabrik Rieter mehrere Jahre als Auslandmonteur. Aus Rücksicht auf seine Familie – Brunner ist Vater von drei Kindern und mittlerweile dreifacher Grossvater – suchte er sich dann eine Stelle mit weniger Auslandeinsätzen und fand sie bei der Cellpack in Wohlen.

Angestellt hat ihn der ehemalige Wohler Einwohnerratspräsident Fritz Isler, der in der Cellpack Personalchef war. Mittlerweile arbeitet der 63-jährige Edi Brunner bei der Zürcher Firma Otto Fischer AG als Beleuchtungstechniker. Dazu hat er sich am Technikum Winterthur ausbilden lassen.

Im Freiamt hat der kontaktfreudige und gesellige Appenzeller rasch Fuss gefasst. In Aarburg hatte er noch aktiv Fussball gespielt, wegen Kniebeschwerden aber zurückstecken müssen. In Wohlen konnte ihn Bernhard Hegi als Schiedsrichter gewinnen. Rund 30 Jahre lang hat Brunner Spiele bis in die 2. Liga geleitet. Heute ist er für den aargauischen Fussballverband als Schiedsrichter-Betreuer in der Ausbildung tätigt. Auch in der Feuerwehr Wohlen war er über 20 Jahre lang aktiv.

Seine Polit-Karriere begann Edi Brunner bei der Nationalen Aktion in Aarburg. Er kandidierte für den Einwohnerrat, wurde gewählt, konnte sein Amt aber nie antreten, weil das Parlament zwischenzeitlich abgeschafft wurde. Aus der Nationalen Aktion wurden die Schweizer Demokraten, und er politisierte auch dort mit.

Ist der Ausserrhödler fremdenfeindlich? «Nein», sagt er bestimmt. «Ich war beruflich in aller Welt tätig und habe eine Polin zur Frau. Wie könnte ich da fremdenfeindlich sein?», fragt er, fügt aber bei, dass in der Schweiz in Sachen Ausländer seiner Meinung nach schon nicht alles zum Besten stehe. Die Schweizer Demokraten und später die SVP habe er als politische Heimat gewählt, weil die Grundpfeiler der Schweiz für ihn von grosser Bedeutung seien. «Ich liebe dieses Land und seine Geschichte und will dazu beitragen, dass die Schweiz die Schweiz bleibt.»

Niklaus von Flüe als Vorbild

Was sind denn, neben Bratwurst mit Rösti oder Ghacktem mit Hörnli und Apfelmus, für Edi Brunner die traditionellen Schweizer Werte? Er muss nicht lange überlegen: «Ich bin davon überzeugt, dass die Schweiz vor allem dank ihrer Fähigkeit, den guten Kompromiss zu finden, gross geworden ist. Das zeigt die Geschichte immer wieder, und in dieser Beziehung ist Niklaus von Flüe für mich ein Vorbild, obwohl ich nicht katholisch bin.»

Mit dieser Einstellung hat es der neue Einwohnerratspräsident in der SVP wohl nicht immer ganz leicht? «Ja, das ist so. Mir ist schon vorgeworfen worden, ich sei als Politiker ‹echli z’weich›. Aber ich bin nun mal überzeugt, dass wir unser Land nur mit Kompromissen und nicht mit Sturheit weiterbringen.»

Edi Brunner ist mit 37 von 40 möglichen Stimmen zum Präsidenten des Einwohnerrats gewählt worden. Ein sehr gutes Resultat, das auch zeigt, dass er von breiten Kreisen akzeptiert wird. Macht ihn das Resultat stolz? «Nein, Stolz wäre da fehl am Platz. Ich bin ja schliesslich jetzt nicht Chef des Einwohnerrates, ich sehe mich eher als Diener, der dafür zu sorgen hat, dass der Parlamentsbetrieb rund läuft. Aber eine Genugtuung ist die Wahl schon. Ich fühle mich in meiner bisherigen politischen Arbeit bestätigt.»

Auf die zwei Präsidialjahre freut er sich. Auch wenn viele Termine warten und er mit seiner 1100er-Maschine und Gattin Lucyna auf dem Sozius künftig wohl etwas weniger über die Schweizer Alpenpässe und durch Europa touren kann: «Als geselliger Mensch nehme ich die Repräsentationspflichten gerne wahr. Da lerne ich sicher viele neue Leute kennen und kann mit ihnen über Wohlen diskutieren.»

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