Der in Schlieren wohnhafte Oliver Padlina will Gleitschirmflüge ab Oberwil-Lieli durchführen.

«Ich habe via Google Earth geeignete Plätze im Grossraum Zürich gesucht», erklärt er. Idealerweise sind das Wiesen mit einer leichten Neigung, wo im Abstand von 100 Metern keine Häuser stehen.

In Oberwil-Lieli wurde der 42-Jährige mit Tessiner Wurzeln fündig. Ein Augenschein vor Ort zeigte, dass der Platz optimal ist. Padlina fragte den Besitzer an und erhielt auch von der Gemeinde sowie dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) die Bewilligung, Testflüge durchzuführen.

«Thermik ist auch im Flachland vorhanden», erklärt Padlina, «das Problem ist aber der Aufstieg bis zu den Aufwinden auf rund 200 bis 300 Meter Höhe.» Dafür hat er eine Lösung gefunden: einen Elektromotor. Dieser wird lediglich als Aufstiegshilfe zugeschaltet, während des Flugs ist er nicht mehr nötig.

Flexibler mit Motor als ohne

Doch wieso überhaupt einen Motor auf den Rücken schnallen, wenn man stattdessen an geeignetere Orte fahren könnte? «Mit diesen Geräten ist es möglich in der Nähe zu fliegen, statt mehrere Stunden in die Berge zu reisen», begründet Padlina.

Sonst brauche es meist einen ganzen Tag, um einige wenige Stunden fliegen zu können.

«Mit dem Elektroantrieb bin ich viel flexibler, kann auch am Feierabend noch einen Flug machen oder in den Ferien spontan fliegen.» Alles, was es brauche, sei ein Startplatz, der zugleich auch Landeplatz ist. «Ich bin fasziniert von der Freiheit, welche diese Geräte ermöglichen.»

Oliver Padlina, der beruflich als Projektentwickler bei der Gesundheitsstiftung Radix arbeitet, hat 1991 das Gleitschirmbrevet gemacht. Regelmässig fliegt er aber erst seit 2003.

Damals kam er in Deutschland in Kontakt mit Motorschirmen, die mit Benzin betrieben werden. In der Schweiz sind diese allerdings verboten. «Als ich von der Idee eines elektrischen Motors erfuhr, war ich begeistert.»

Diese seien viel leiser als Benzinmotoren und verschmutzten die Umwelt nicht. Weil sie aber als Ultraleichtflugzeuge gelten und diese in der Schweiz verboten sind, sind derzeit auch Gleitschirme mit Elektroantrieb ausserhalb des Testbetriebs nicht zugelassen.

Beim Bazl ist derzeit ein entsprechendes Gesuch hängig. «Es gibt keinen Grund, sie nicht zu bewilligen», ist Padlina überzeugt.

Bei seinen vier bisherigen Testflügen habe er dazu immer eine Umfrage gemacht, um die Akzeptanz des Motors zu eruieren. «Dabei hat sich bestätigt, dass der Motorenlärm nicht als störend empfunden wird.»

Tests bis Ende April

Einen Nachteil haben die Elektromotoren aber: die Laufzeit. Nach lediglich zehn Minuten ist die Batterie leer. Bis sie wieder geladen ist, dauert es volle vier Stunden.

Deswegen, und weil das Starten und Landen mit dem Elektroantrieb anspruchsvoll ist, werde dieser Antrieb wohl ein Nischenprodukt bleiben. Derzeit wird er in der Schweiz von einer knappen Handvoll Personen eingesetzt.

In Oberwil-Lieli wird Padlina der einzige Gleitschirmpilot sein. Bisher hat er dort noch keine Tests durchgeführt. «Ich wollte erst auf vertrautem Terrain fliegen.»

Bis Ende April möchte er aber ein bis zwei Starts in Oberwil-Lieli durchführen, erlaubt wären maximal zehn.

Der fliegerischen Freiheit setze das Flachland übrigens keine Grenzen. «Wie lange ein Gleitschirm in der Luft ist, hängt stark vom Können des Piloten ab. Selbst von Oberwil-Lieli her ist es möglich, mehrere Stunden zu fliegen.»