Generationen von Jugendlichen erinnern sich: Man stellte sich an die winzige Kasse im engen Foyer, drängte sich dann zwischen die VHS-Kassetten in den Regalen, die später durch DVDs und Blu-rays ersetzt wurden, und kam endlich an den Ticketabreissern bei den roten Vorhängen vorbei in den grossen Kinosaal.

Es war der Ort, an dem man seinen allerersten Kinofilm sehen durfte. Der Ort, an dem man später vielleicht mit der allerersten Freundin oder dem ersten Freund Händchen hielt oder sich gar den ersten Kuss gab. Der Ort, wo die wahren Fans noch eine ganze Nacht lang alle drei Folgen vom Herrn der Ringe am Stück bestaunten – selbstverständlich ohne einzuschlafen. Es ist ein Ort der Erinnerungen. Doch Ende März wird das für immer Geschichte sein. Denn dann geht das Kino Rex an der Alten Bahnhofstrasse 1 zu.

Das Kino besteht weiter

Aber keine Angst, das bedeutet nicht das Aus für das Wohler Kino. Denn wenn es nach dem in Villmergen aufgewachsenen Sascha Heubacher geht, wird sich das Kino Rex nur in Baugespannen verpuppen und schon bald als Cine Freiamt wieder zum Vorschein kommen – und zwar prächtiger denn je. Er hat das gesamte Gebäude im April 2018 für 1,25 Mio. Franken gekauft und hat nun grosse Pläne.

Statt dem einen Saal sollen es schon bald deren drei werden. «Nur ein Saal reicht nicht», erklärt Heubacher. Am liebsten hätte er gleich vier neue Säle gebaut, aus Platzmangel ist das aber nicht möglich. Bisher hatten 290 Besucher Platz im Saal, 210 im Parterre, 80 auf der Estrade. Künftig sollen in den drei Sälen 145, 95 und 50 Leute Platz finden.

Jugendtraum geht in Erfüllung

Heubacher will den Kinobesucherinnen und -besuchern aber nicht nur während der Filme ein tolles Erlebnis bieten. «Die Besucher sollen mehr erleben können, als sich das Kinoticket an der Kasse zu holen, zehn Minuten zu warten und sich in den Saal zu setzen.» So soll das Foyer um das Ladenlokal im Erdgeschoss erweitert, ausgebaut und mit einem Bistro ergänzt werden.

Dort soll mittags unter der Woche auch ein Menu angeboten werden. Im Obergeschoss soll ein weiteres Foyer gemietet werden können und Platz für verschiedene Anlässe bieten. Events wie beispielsweise der Altersnachmittag sollen bestehen bleiben, aber mit neuem Konzept durchgeführt werden. Bisher sind im Kino Rex regelmässig Ballettaufführungen aus London übertragen worden. «Ich denke das wird bleiben», sagt Heubacher dazu.

Ausserdem sollen im Cine Freiamt nicht nur Blockbuster, sondern auch alternative Produktionen gezeigt werden. Im Winter soll am Nachmittag ab 15.30 Uhr oder früher der erste Film gezeigt werden. Das sei beispielsweise für Senioren und Studenten günstig. Zudem möchte Heubacher an zwei von sieben Tagen Filme in der Originalsprache laufen lassen. «Es ist ganz klar, dass ich breit spielen werde. Das Kino soll zum Treffpunkt Nummer eins im Freiamt werden.»

Sascha Heubacher, der neben dem Rex-Gebäude auch Besitzer des Schloss-Cinéma im Zürcher Wädenswil ist, will ein Gesamterlebnis bieten. Dabei hat seine Kino-Karriere vor 20 Jahren genau hier begonnen: Als Billettkontrolleur im Kino Rex in Wohlen. «Ich habe schon früher davon geträumt, was man mit dem Kino alles machen könnte. Nun geht der Jugendtraum in Erfüllung.»

Neun Wohnungen und Dachgarten

Abgesehen vom Kinobetrieb und dem Bistro will Heubacher das Gebäude mit Wohnungen aufstocken. Im zweiten bis vierten Geschoss sind insgesamt neun grosszügige 2 1/2-Zimmer-Wohnungen geplant. Im Dachgeschoss will er zusätzlich einen Gesellschaftsraum in Holzelementbau sowie einen Dachgarten anlegen.

Derzeit liegt das Baugesuch auf der Gemeinde Wohlen auf. Heubacher hofft, dass es keine Einsprachen gibt, sodass er möglichst bald mit dem Umbau beginnen kann. Ein oder zwei Säle möchte er so rasch wie möglich aufmachen. «Es wäre schön, wenn wir spätestens am 1. September einen Film zeigen könnten. Dann ist Allianz-Tag des Kinos.» Heuberger bleibt realistisch. «Wir bauen mitten in der Wohnzone, das wird bestimmt nicht einfach.» Die oberen Stockwerke mit den Wohnungen hingegen werden noch einige Zeit länger in Anspruch nehmen.