Rottenschwil
Mit der Wohngemeinschaft hat sich Heidi Wäfler einen Traum erfüllt

Im ehemaligen Bauernhaus in Rottenschwil finden Menschen mit leichten Einschränkungen zusammen und leisten je nach Fähigkeit ihren Beitrag zum Gelingen dieser Wohngemeinschaft.

Eddy Schambron
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Heidi Wäfler

Heidi Wäfler

Eddy Schambron

Nicht immer ist ein Platz in einem Heim frei, und nicht immer ist es sinnvoll und notwendig, Menschen mit Einschränkungen dort unterzubringen. Heidi Wäfler bietet in Rottenschwil seit März 2011 in einem alten, aber gut eingerichteten Bauernhaus entsprechende Wohngelegenheiten an. In der Wohngemeinschaft «Soziales Wohnen» leben Menschen mit leichten Einschränkungen zusammen. Sie haben innerhalb klar geregelter Grenzen volle Entfaltungsfreiheit.

Es sind unterschiedlichste Menschen, die im Haus für kürzere oder längere Zeit ein Zimmer beziehen. «Alle leisten entsprechend ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten einen Beitrag zum guten Gelingen der Gemeinschaft», führt Wäfler aus. Sie, die zuletzt in der «zuwebe» in Baar, einer Institution, die Menschen mit Behinderung begleitet, das Sekretariat leitete und selber zwei Schwestern und einen Sohn mit Einschränkungen hat, stellt nur wenige Bedingungen für die Aufnahme von Bewohnerinnen und Bewohnern.

Sie müssen Treppen steigen können, weil das Haus nicht rollstuhlgängig ist. Sie sollen aus eigener Motivation ins Haus kommen, sich und andere nicht akut gefährden und nicht drogenabhängig sein. Das wäre schon alles. Wenn möglich, strebt sie eine Durchmischung der Generationen an. «Es ist auch denkbar, dass ein alter Mensch anstatt ins Altersheim zu ziehen hierher kommt.» Alle haben ein eigenes Zimmer, im Erdgeschoss stehen die Küche und eine grosse Stube gemeinschaftlich zur Verfügung. «Das Zusammenleben klappt sehr gut, Neuankömmlinge können während 14 Tagen prüfen, ob es ihnen in der Gemeinschaft der maximal vier Personen wohl ist.» Fester Bestandteil der Wohngemeinschaft ist die Hündin Joya, die von allen sofort ins Herz geschlossen wird.

Günstiger als Heim

In der Regel werden die Bewohnerinnen und Bewohner von sozialen Institutionen zugewiesen. «Einer meiner Bewohner hat sich selber gemeldet und lebt jetzt schon fast eineinhalb Jahre hier», sagt Wäfler, welche für ihre Arbeit die Anerkennung der Behindertenorganisation ProCap und eine Pflegekinderbewilligung besitzt, aber noch nicht diejenige des Kantons. Diese will sie erreichen, aber nicht aus finanziellen Überlegungen. «Ich will nicht unterstützt werden, das Wohnen hier muss selbsttragend sein.» Die Kosten belaufen sich auf 135 Franken pro Tag. Darin sind ein möbliertes Einzelzimmer, Frühstück, Mittag- und Nachtessen, alle Nebenkosten und die Mitbenützung von Bad/Dusche, der Küche und des Wohnzimmers inbegriffen; das Einrichten mit eigenen Möbeln ist möglich.

Ebenso im Preis enthalten sind Förderung, Unterstützung und Begleitung, jedoch keine medizinisch-pflegerische Behandlung. «Das ist günstiger als im Heim», unterstreicht Wäfler. Gelegentlich macht sie auch mit ihren Hausbewohnern einen Ausflug oder unternimmt mit ihnen Spaziergänge in die Natur. Weihnachten wird, wie es in einer Familie üblich ist, im Haus gefeiert. «Da kommen auch mein Sohn und seine Familie hierher.»

Traum verwirklicht

Betreutes Wohnen für psychisch und geistig behinderte Menschen ist für Heidi Wäfler ein alter Traum. Mit dem Bauernhaus in Rottenschwil, mit einem offenen und verständnisvollen Vermieter ist es ihr gelungen, ihn zu verwirklichen. «Die anfängliche Skepsis in Rottenschwil der Wohngruppe gegenüber ist verflogen», freut sie sich. Auch für die Gemeinde stellte die Wohngemeinschaft kein finanzielles Risiko dar, denn die Bewohnerinnen und Bewohner behalten ihren rechtlichen Wohnsitz am Ort ihres Vormundes oder der Eltern.

Selber lebt Wäfler in Affoltern am Albis und ist am Wochenende in der Regel nicht im Haus in Rottenschwil. Bei ihren Abwesenheiten kann sie auf bewährte Mithelferinnen zurückgreifen. «Im Notfall bin ich schnell vor Ort.» Die langjährige Erfahrung in der Obstufenschulpflege, in der Behindertenbranche im Bereich Betreuung, Förderung, Erziehung und die Erfahrung, mit handicapierten Menschen aufzuwachsen, geben ihr die nötige Sicherheit für ihre Wohngemeinschaft.

Weitere Informationen: www.soziales-wohnen.ch