Freiamt

Mit der S-Bahn von Wohlen nach Lugano: Schnelle Zugverbindungen gen Süden sollen Realität bleiben

Rasch in den Süden: mit dem Schnellzug ab Rotkreuz. (Bild: zVg/SBB)

Rasch in den Süden: mit dem Schnellzug ab Rotkreuz. (Bild: zVg/SBB)

Seit Juni gibt es im Freiamt bis zu 30 Minuten schnellere Zugverbindungen ins Tessin. Die ÖV-Kommission zieht ein Zwischenfazit und ist frohen Mutes.

Sie stehen am Wohler Bahnhof die Sonne scheint, Sie haben ein kühles Bier in der einen, eine Reisetasche in der anderen Hand. Sie warten auf die S26 – auf die Verbindung Richtung Süden. Der ankommende Zug ist rappelvoll, aber das macht Ihnen nichts aus, denn bald sitzen Sie am Ufer des Luganersees.

Was sich zur momentanen Winteratmosphäre unrealistisch anhört, war und ist bis zum 12. Dezember 2020 für viele Freiämterinnen und Freiämter Realität. Seit Juni haben Reisende aus dem Freiamt – und anderen Regionen – einen um 30 Minuten kürzeren Weg ins Tessin als sonst. Das, weil man mit der S26 nach Rotkreuz fahren und dort direkt in den Schnellzug Richtung Gotthard steigen kann. Wegen Bauarbeiten halten die Schnellzüge neu in Rotkreuz. Vorher fuhren sie auf der Strecke Zug–Walchwil–Arth-Goldau, die momentan saniert wird.

Für Fredy Zobrist und Reto Widmer, beides Mitglieder der ÖV-Kommission der drei Regionalplanungsgruppen Freiamt, sind diese Bauarbeiten eine grosse Chance. Sie wollen bessere Zugverbindungen im Freiamt. Im Frühjahr rührten Zob­rist und Widmer deswegen die Werbetrommel für die Kampagne «Ab in den Süden». Damit soll auf die neue, schnellere Verbindung aufmerksam gemacht werden. Ist der Ansturm auf die Züge gen Süden gross genug, haben Zobrist und seine Kollegen ein schlagkräftiges Argument für künftige Verhandlungen mit der SBB und dem Kanton.

«Der schnellste Weg führt durchs Freiamt»

Nun ist der erste Sommer vorbei – war die Nachfrage gross genug, um Prognosen machen zu können? Oliver Frei, Angebotsplaner beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt, sagt: «Es ist zu früh, um ein Fazit zu ziehen. Wir werden die Lage weiterhin beobachten.» Im Sommer, so Frei, gab es eine Sperrung auf der Strecke zwischen Olten und Luzern. Deswegen seien auch Menschen aus diesen Regionen und aus Basel übers Freiamt in den Süden gefahren. «Das müssen wir natürlich in den Auswertungen der Resultate beachten, da diese Reisenden sonst nicht übers Freiamt gekommen ­wären.» Frei sagt weiter, im Sommer seien die Züge nach Rotkreuz mit Spitzenbelastung unterwegs gewesen, es habe sogar Stehplätze gegeben. Zahlen, wie hoch die Belastung der Züge war, kann Frei aber noch nicht angeben.

Auf der Website von «Ab in den Süden» stehen einige Zahlen. Beispielsweise standen an einem Samstagmorgen im Juni rund 60 Leute auf dem Perron in Rotkreuz, die auf den Schnellzug Richtung Tessin gewartet haben. Diese Zahlen haben Zob­rist und andere Kommissionsmitglieder selbst erhoben: «Wir haben auf dem Perron und in den Zügen gezählt, wie viele Leute in Rotkreuz auf ihren Anschluss warten oder von der S26 aus nach Rotkreuz gefahren sind», sagt Zobrist.

Auch er weiss von der Sperrung zwischen Olten und Luzern, was zusätzlich Reisende übers Freiamt geleitet hat. «Trotzdem war die Frequenz im Sommer überdurchschnittlich hoch. Das beweist doch, dass der schnellste Weg übers Freiamt führt.» Für Zobrist ist klar, dass es auch nach 2020 eine ähnliche Verbindung geben muss. Er gibt sich optimistisch, dass das Potenzial der Strecke bewiesen ist und die SBB ihre Prognosen anpassen müssen. Über zwei Projekte werde bald entschieden, sagt Zobrist. Das erste sei die Einführung zusätzlicher Regional-Express-Züge von Olten nach Rotkreuz jeweils am Samstagmorgen und -abend sowie am Sonntagmorgen und -abend. Das zweite beinhalte einen Halt der Südostbahn in Rotkreuz, die Südostbahn mache noch Abklärungen. Für Zobrist war der Sommer also ein Erfolg.

Nur wie sieht es jetzt aus, wenn die Temperaturen einen Schwumm im Luganersee unmöglich machen? «Sicher, die Nachfrage sinkt im Winter», sagt Zobrist. Er betont, dass mit «in den Süden» auch die Innerschweiz gemeint ist. «Und dort kann man auch im Winter wunderbare Ausflüge unternehmen.» Nicht zu vergessen sei auch, dass gute Verbindungen Richtung Innerschweiz auch berufstätigen Pendlern das Leben vereinfachen.

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