Muri
Mit der Baustelle bricht der Umsatz jetzt um 30 Prozent ein

Die Sanierung und Ausbau der Zürcherstrasse erfordern von den Gewerbetreibenden Durchhaltevermögen. In einer Bäckerei musste deswegen sogar schon eine Stelle gestrichen werden.

Eddy Schambron
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Bei Grün wird gefahren: Die Gewerbetreibenden entlang der Zürcherstrasse, die jetzt eine Baustelle ist, müssen mit empfindlichen Umsatzeinbussen leben. Fotos: Eddy Schambron

Bei Grün wird gefahren: Die Gewerbetreibenden entlang der Zürcherstrasse, die jetzt eine Baustelle ist, müssen mit empfindlichen Umsatzeinbussen leben. Fotos: Eddy Schambron

Eddy Schambron

Sanierung Zürcherstrasse: Wetter begünstigt bisher den Baufortschritt

Zufrieden zeigt sich Muris Vizepräsidentin Milly Stöckli. «Die Sanierung der Zürcherstrasse kommt bisher gut voran, was nicht zuletzt auch auf die hervorragenden Wetterbedingungen zurückzuführen ist.» Bis zur Fertigstellung im Sommer 2017 werden unter anderem der ganze Strassenzug saniert und mit einem lärmoptimierten Deckbelag versehen, es werden verschiedene Trottoirabschnitte ausgebaut und Inseln als Querungshilfen für die Fussgänger realisiert. Neben einer kleinen Brücke über die Bünz wird bei der Kreuzung Talstrasse/Klosterfeldstrasse ein Verkehrskreisel gebaut. Schliesslich erneuert die Gemeinde gleichzeitig die alten Werkleitungen für Wasser und Abwasser.

Der Verkehr fliesst zur Zeit zum Teil über das Hasli. Die Durchgangsstrasse wurde mit Tempo 30 beschränkt, die aufgestellten Signalisationstafeln allerdings von Unbekannten abgeräumt. Jetzt ist die offizielle Ausschreibung erfolgt. «Wenn wir eine Einwendung, die eingegangen ist, geregelt haben, stellen wir die 30-km/h-Signalisation wieder auf», bekräftigt Stöckli. Solange appelliert sie an das Verständnis der Autofahrer. «Im Hasli haben wir eine stark benützte Schulwegquerung. 30 Stundenkilometer sind keine Schikane, sondern dienen vor allem der Sicherheit der Schülerinnen und Schüler.» (es)

20 bis 30 Prozent Umsatzeinbusse stellt beispielsweise Thomas Marti, Inhaber der St. Galler-Metzg, fest. Mit einer ähnlichen Grössenordnung sehen sich Bäckermeister Buki Kreyenbühl und die Textilreinigung Muri-Egg konfrontiert.

«Ausgehend vom Durchschnitt-Geschäftsjahr und im Vergleich zum Baustart bis heute haben wir genau 33 Prozent weniger Kundenfrequenz», hat Kreyenbühl ausgerechnet. Und Erika Schaffner vom Restaurant Rössli versucht, Gäste mit einem günstigen und guten Baustellenmenü ins Lokal zu holen – mit bescheidenem Erfolg.

Bei Grün fahren alle durch

Am Preis von nur 12 Franken für das Baustellenmenü (Suppe, Rahmschnitzel, Nudeln und Gemüse) kann es nicht liegen, auch nicht an der Qualität. «Wenn die Autofahrer Grün haben, fahren sie durch», stellt Wirtin Erika Schaffner fest.

Das führt in ihrem Restaurant zu einem empfindlichen Rückgang der Kundenfrequenz, welche auch kaum von den Arbeitern auf der Baustelle Zürcherstrasse kompensiert wird. «Sie verpflegen sich meist im eigenen Container, einzig zum Znüni kommen einige».

So starke Einbussen, wie er jetzt zur Kenntnis nehmen muss, hat Metzger Marti nicht erwartet. «Aber es ist schon so: Wenn man nicht bequem zu- und wieder wegfahren kann, bleiben viele dem Laden fern.»

Entweder fahren die Leute einfach durch oder suchen sich andere Verkehrswege. «Die Stammkundschaft nimmt die durch die Baustelle entstehenden Einschränkungen am ehesten in Kauf.»

Marti, der an Fachausstellungen immer wieder mal Medaillen holt, kann die Einbussen etwas mit Restaurantlieferungen und seinem Partyservice abfedern. «Das Weihnachtsgeschäft läuft meist über Bestellungen, da erwarte ich keinen wesentlichen Rückgang.»

Hoffen auf Treue trotz allem

Deutlich spürbar ist der Rückgang auch in der Textilreinigung Muri-Egg. «Die Parkierungssituation ist schwierig, das hält die Leute ab, anzuhalten», stellt Gabriela Nagel fest. Einige Mühe mit der Verkehrssituation würden auch ältere Personen bekunden – und dann halt mal die Reinigung eines Kleidungsstückes hinausschieben.

«Umso mehr freuen wir uns natürlich, wenn uns die Kunden trotzdem die Treue halten.» Auf eine treue Stammkundschaft kann Lukas Wild, Geschäftsführer der Toppharm-Apotheke Muri Egg, zählen.

«Uns trifft die Baustelle nicht so einschneidend», hält er fest. Natürlich stelle auch er einen Rückgang fest, aber Apotheken seien weniger auf Laufkundschaft angewiesen.

«Mit unseren Kundinnen und Kunden pflegen wir ein Vertrauensverhältnis, wir kennen ihre Bedürfnisse etwa bei Medikamenten, und deshalb kommen sie trotz den Erschwernissen ins Geschäft.»

Personal informiert

Betroffen vom Umsatzrückgang in den Geschäften ist auch das Personal. Kreyenbühl, der die Ausfälle an der Zürcherstrasse nicht in seinem zweiten Geschäft an der Luzernerstrasse wettmachen kann, hat eine Stelle reduziert, indem er einen Weggang nicht ersetzt hat.

«Wir haben zudem unsere Angestellten über die Situation, mit denen wir uns die nächsten zwei bis zweieinhalb Jahre konfrontiert sehen, informiert», stellt Kreyenbühl fest.

Den Umsatzrückgang könne er zwar gegenwärtig mit einigen Aufträgen im Firmenkundenbereich und jetzt, zu Weihnachten, noch etwas mildern. Aber er geht davon aus, dass sich die Produktion erst ab Bauende auf das gewohnte Niveau einstellt.

«In nächster Zeit wird die Flexibilität unserer Leute sicher gefragt sein», umschreibt er die Situation. Ähnlich sieht es Marti. «Wir wollen den Personalbestand nach Möglichkeit halten und reduzieren allenfalls bei den Aushilfen, wenn es nicht anders geht.»

Aber er denkt bereits weiter an den Tag, wenn die Sanierung der Zürcherstrasse beendet sein wird. «Nach der Bauerei brauchen wir ja unsere Angestellten wieder.»

Trotz allen Erschwernissen ist den Gewerbetreibenden an der Zürcherstrasse klar, dass sich die Situation nach der Strassensanierung besser als bisher präsentieren wird.

«Einerseits wird die Sicherheit vor allem der Schülerinnen und Schüler wesentlich erhöht, was sehr wichtig ist», anerkennt Kreyenbühl, «andererseits wird es im Quartier eine Verbesserung und Beruhigung geben, von der wir als Gewerbetreibende ebenso profitieren können.» Aber bis dann braucht es Geduld und Durchhaltevermögen. «Man ist solange als Unternehmer in seinem Handeln wie blockiert.»