Sie stehen in den meisten Gemeinden und fast jeder hat sie schon einmal benutzt: die Altkleider-Container. Alleine im Freiamt gibt es mehr als 60 solche Sammelstellen. Ausgediente Kleider landen in den Sammelsäcken der Altkleiderverwerter und anschliessend im Container.

So einfach hat man Platz im Kleiderschrank geschaffen und erst noch etwas Gutes für die Bedürftigen auf der Welt getan. Aber ist das wirklich so? Kommen die gespendeten Kleidungsstücke wirklich Menschen zugute, die in ärmeren Verhältnissen leben?

Vom Container nach Ostafrika

Die Antwort ist nein. Denn nur rund 10 Prozent der Kleiderspenden werden für humanitäre Zwecke verwendet. Mit dem grossen Rest wird ein lukratives Geschäft betrieben. Dies enthüllt auch der Film «Mitumba – Secondhand-Kleider auf Reisen», den die Pfarrgemeinde Waltenschwil kürzlich gezeigt hat.

Der Dokumentarfilm verfolgt die Reise eines in Hamburg gespendeten T-Shirts vom deutschen Sortierwerk über den Schiffs-Verlad in der italienischen Hafenstadt Neapel bis zur Ankunft in Daressalam, der grössten Stadt von Tansania, die gleichzeitig der grösste Handelsmarkt für Altkleider ist.

In eindrücklichen Bildern zeigt der Film, dass hinter den gut gemeinten Kleiderspenden der Europäer eben nicht nur Gutes steckt. Denn in Afrika angekommen, werden die Altkleider nicht verschenkt, wie viele Spender irrtümlich meinen. Viel mehr landen sie in den Lagerhäusern ausländischer Importeure, die in Ostafrika ein gutes Geschäft machen.

Auf grossen Secondhand-Märkten verkaufen sie die Ware zu teuren Preisen. Rund 60 000 Tansania-Schilling verlangen die Händler für «Mitumba», wie die Afrikaner die fast zentnerschweren Kleiderballen aus Europa nennen. Umgerechnet sind das fast 33 Franken – bei einem Bruttoinlandprodukt von 360 Franken pro Einwohner eine Menge Geld. Die europäischen Kleider sind bei den Afrikanern wegen ihrer Qualität beliebt. So beliebt, dass viele einheimische Textilbetriebe ihre Produktionshallen schliessen mussten und Tausende Afrikaner ihre Stelle verloren, wie der Film aufzeigt.

Die Altkleide-Lüge: Wie Spenden zum Geschäft werden

Verlockender Irrtum

Gegen diese Kritik wehrt sich die Firma Texaid, einer der grössten Altkleider-Verwerter in der Schweiz, mit einer Reihe von Studien, die das Unternehmen in Ghana und Tunesien durchführte. So seien für den Untergang der Textilindustrie auch andere wirtschaftspolitische Probleme massgebend. Dagegen stellen sich wiederum zahlreiche Medienberichte, die von einem hart umkämpften Millionengeschäft mit dem Altkleiderhandel auf dem Rücken der afrikanischen Bevölkerung berichten.

Trotz der negativen Schlagzeilen läuft das Geschäft mit den Altkleidern weiterhin gut in der Schweiz. Über 35 000 Tonnen Altkleider sammelt die Firma Texaid jährlich, die von den 150 Mitarbeitern des Unternehmens sortiert werden. Ihren Erfolg verdankt die Firma nicht zuletzt den lockenden Aufklebern vieler Schweizer Hilfswerke auf den Altkleider-Containern. Diese vermitteln den Eindruck, dass die Kleiderspenden Bedürftigen zukommen.

Auf den Containern prangen zum Beispiel die Logos der Hilfswerke Heks, Caritas, der Winterhilfe, des Schweizerischen Roten Kreuzes und des katholischen Verbands Kolping, die als Partner des Unternehmens auftreten und für ihr Container-Patronat einen Geldbetrag je gespendetes Kilo Kleider erhalten.