Den Auftrag hat der Gemeinderat vor eineinhalb Jahren gefasst: «Reform der Gemeindeverwaltung» und «Einführung eines Geschäftsmodells». Beide Aufgaben hat der Rat zügig an die Hand genommen, denn er stand vor einer Herausforderung, wie weiland Herkules vor dem Stall des Augias. Im Gegensatz zum griechischen Halbgott konnten die Gemeinderäte dazu aber nicht einfach die Bünz umleiten. Für das neue Führungsmodell mussten die politischen und verwaltungstechnischen Spielregeln eingehalten werden. Das Ergebnis dieser aufwendigen Arbeit kann sich sehen lassen.

Die Vorteile leuchten ein

Die Vorgabe war klar: die strategische Ebene (Gemeinderat) und die operative Ebene (Verwaltung) sollen zukünftig klar voneinander getrennt sein. Um die Nahtstellen und Verantwortlichkeiten zwischen beiden Führungsebenen zu klären, wird eine Geschäftsleitung installiert (siehe Text rechts). Die Vorteile dieses Modells leuchten ein. Das Milizsystem wird entlastet, das Gemeinderatsamt wird attraktiver. Routinegeschäfte können schneller erledigt werden, dadurch wird effizienter gearbeitet. Und zu guter Letzt verbessert dieses System die Kommunikation zwischen Politik und Verwaltung sowie innerhalb der Verwaltung.

Die Grundvoraussetzungen für die operative Umsetzung des neuen Führungsmodells sind teilweise bereits gegeben. Die Zeit für noch ausstehende Erlasse wird aber knapp, da die Amtsperiode 2018–2021 am 1. Januar 2018 beginnt. Die notwendige Gesamtrevision der Gemeindeordnung und die damit verbundene Reduktion der Gemeinderatssitze von sieben auf fünf ist bereits beschlossen.

Ebenso wurde das Geschäftsreglement des Einwohnerrates einer Gesamtrevision unterzogen. Aus den bisherigen zwei Reglementen über die Anstellung des Gemeindeammanns und die Entschädigung der Behörden wurde eines gemacht über die Vergütung für politisch gewählte Personen. Darin wird das Arbeitspensum des Gemeindeammanns neu geregelt. Es umfasst zukünftig ein Teilamt zwischen 60 und 80 Prozent.

Fünf Gemeinderäte teilen sich ab 2018 fünf Ressorts: Gesellschaft, Soziales & Bildung; Sicherheit; Finanzen & Ressourcen; Planung, Bau & Umwelt; Liegenschaften & Anlagen. Hinzu kommt für den Gemeindeammann noch das Sonderressort Präsidiales. Jedem dieser Ressorts ist auf der Ebene Verwaltung ein entsprechender Bereich zugeteilt unter je eigener Leitung (siehe Text rechts). Somit können die bisherigen neun Verwaltungsabteilungen auf neu fünf Verwaltungsbereiche reduziert werden. Die neue Geschäftsleitung fungiert künftig als Nahtstelle zwischen der strategischen Ebene der Politik (Gemeinderat) und der operativen Ebene in den diversen Abteilungen innerhalb der fünf neuen Bereiche.

«Die Neuorganisation wird mehrheitlich mit bestehendem Personal vorgenommen», schreibt der Gemeinderat in seinem Bericht an den Einwohnerrat. Mit dem aktuellen Personalbestand können aber nicht alle neu anfallenden Arbeiten abgedeckt werden. Zur Entlastung des Geschäftsleiters wird eine Vollzeitstelle als Leiter/in Stabsdienste ausgeschrieben. Hinzu kommt ein 50%-Pensum für eine Assistenz Gemeinderat/Geschäftsleitung. Das neue Organigramm verlangt auch einen oder eine Abteilungsleiter/in Gesellschaft, Kultur und Sport, zu 100 Prozent. Ebenso ein Geschäftsleitungsmitglied für den neu geschaffenen Bereich Sicherheit. Im Verlauf des Jahres 2019 soll dann auch noch ein/e Sachbearbeiter/in Liegenschaften und Anlagen mit einem Pensum von 30 Prozent einsteigen.

Tragbarer Mehraufwand

Der Mehrbelastung von 371 000 Franken durch die neu zu besetzenden Stellen in der Verwaltung steht eine Entlastung auf Seite der Exekutivaufwendungen von 86 000 Franken gegenüber. Somit resultiert aus dem neuen Führungsmodell ein jährlicher Mehraufwand für die Gemeinde von netto 285 000 Franken.

In seinem Bericht betont der Gemeinderat, dass bei der Planung des neuen Modells darauf geachtet wurde, «. . . dass vorhandene Ressourcen intern bestmöglich genutzt werden, sodass mit einem Minimum an zusätzlichen Mitteln ein Maximum an Wirkung erzielt werden kann.» Damit sei ein Instrument geschaffen, «. . . mit welchem die Gemeinde Wohlen künftig fortschrittlich und wirkungsvoll geführt werden kann.»