Am Mittwoch heulten sie wieder, die Sirenen. Da hat irgendjemand auf einen Knopf gedrückt oder einen Schlüssel gedreht um zu hören, ob der auf- und absteigende Ton für allgemeinen Alarm in einem Ernstfall auch funktionieren würde.

Die ZSO Oberfreiamt und der Chef der Regionalen Führungsorganisation (RFO), Pius Wiss, Dietwil, zeigten vor den zuständigen Gemeinderäten, Gemeindeschreibern und Sirenenverantwortlichen des Gemeindeverbandes Bevölkerungsschutz und Zivilschutz Oberfreiamt in der Zivilschutzanlage Sins auf, dass hinter dem alljährlichen Probealarm mehr steckt als eben nur den Knopf zu drücken.

«Es geht auch darum, die Bevölkerung zu informieren und zu sensibilisieren», betonte Wiss. Romuald Brem, Kommandant ZSO Oberfreiamt, unterstrich, dass mit der Übung, die für die Verantwortlichen den ganzen Tag dauert, auch Schwachstellen etwa in der internen Kommunikation aufgedeckt werden können.

Lückenlose Alarmierung

Die heutige Gesellschaft ist zwar vernetzt wie noch nie. Was aber, wenn es bei einem katastrophalen Ereignis zu einem langen Stromausfall kommt? Dann sind die 13 stationären und zusätzlich neun mobilen, auf Autos montierte Sirenen im oberen Freiamt das einzige Mittel, um eine lückenlose Alarmierung der Bevölkerung zu gewährleisten, wie Brem ausführte. Bevor diese aber losheulen, läuft im Hintergrund einiges ab.

Die ZSO hat nicht nur für jede Sirene den passenden Schlüssel, sondern auch Einsatz- und genaue Vorgehenspläne für den Ernstfall bereit. Gemeinsam mit den Kantonen und weiteren Partnern hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz 2009 bis 2015 unter dem Begriff Polyalert das System für die Sirenenfernsteuerung entwickelt und eingeführt. Sämtliche rund 5000 stationären Sirenen in der Schweiz sind angeschlossen und können so zentral, in der Regel von der Kantonspolizei, gezielt ausgelöst werden.

Erfolgt eine Alarmierung der Bevölkerung, ist die schnelle und gute Information der Bevölkerung von grösster Wichtigkeit, wie Sandro Bernasconi, Chef Telematik bei der ZSO Oberfreiamt, ausführte. Das geschieht auf alle möglichen Arten, in allererster Linie aber über das Radio.

Bei einem allgemeinen Alarm weiss die Bevölkerung vorerst noch nicht, ob es sich beispielsweise um einen Chemie- oder Kraftwerkunfall oder um die Auswirkungen eines heftigen Unwetters handelt. Die Empfehlung lautet: Im Haus bleiben, Radio hören, die Anweisungen der Behörden befolgen.

Der kurze Auftritt der lauten Heuler: So werden die mobilen Sirenen in Wohlen getestet

Der kurze Auftritt der lauten Heuler: So werden die mobilen Sirenen in Wohlen getestet (1. Februar 2017)

Die mobilen Sirenen können an den Feueranzünder eines Autos angeschlossen werden. Mit einer fuhr Kurt Joho durch Anglikon, die anderen wurden anschliessend vor Ort auf dem Areal der Bünzmattschule getestet. Und dann verschwanden die Sirenen wieder in der Versenkung.

Alles protokolliert

Zusammen mit der Überprüfung der technischen einwandfreien Funktion der Sirenen diente der gestrige und alljährliche Sirenentest denn auch dazu, alle Dokumente wie Adress- und Telefonlisten sowie notwendige Koordinaten zu überprüfen und, falls notwendig, auf den neusten Stand zu bringen.

Der Probealarm selber wird ebenfalls protokolliert. Selbst bei einem Fehlalarm wissen die Verantwortlichen, was zu tun ist. Sie haben eine entsprechende Telefonnummer zur Hand oder können den Polizeinotruf wählen, damit der Fehlalarm gestoppt, und die betroffene Bevölkerung beruhigt werden kann. «Sofortige Kommunikation ist auch bei einem allfälligen Fehlalarm notwendig», unterstrich Bernasconi.

Kurz und gut: Der Probealarm bringt die Organisationen des Bevölkerungsschutzes auf den neusten Stand. Im Kanton Aargau wurden nur vereinzelt Mängel gemeldet, wie das Departement Gesundheit und Soziales festhält.