Sie bewegen sich flink zwischen den Gleisanlagen sowie den Lager- und Kiesplätzen beim Bahnhof Bremgarten West. Wenn sie auf ihrem Weg jeweils kurz innehalten, kann man sie beobachten: Eidechsen. Im Bereich der Bahnanlagen finden sie ideale Lebensbedingungen. Das stört die BDWM Transport AG, die seit Juni als Aargau Tourismus unterwegs ist, überhaupt nicht. Im Gegenteil. Bei den Flachdachgebäuden des Bahnhofs hat sie gar sogenannte Eidechsli-Lifte errichtet.

Drahtgeflechte mit Schotter

Man darf sich nun aber nicht vorstellen, die Tiere würden wie bei einem Aufzug aufs Dach gehievt, klettern müssen sie immer noch selber. Bei den Eidechsli-Liften handelt es sich um mit Schotter gefüllte Drahtgeflechte, die eng an den Fassaden angebracht sind und vom Boden bis auf die begrünten Dächer reichen. Die Verantwortlichen der Bahn hoffen, den Lebensraum der Eidechsen auf diese Weise erweitern und der vorhandenen Population ideale Bedingungen bieten zu können.

Die Idee für diese Steighilfen für Eidechsen wurde vom Hauptbahnhof Zürich adaptiert, wo sich die grösste Mauereidechsenpopulation im Mittelland befindet. Das offene Gleisareal bietet dieser Reptilienart auch in Bremgarten West viele sonnige Plätze zum Aufwärmen und reichlich Insektennahrung. Überlebenswichtig für die Eidechsen ist ein vielfältiges Angebot an Unterschlupfmöglichkeiten wie Fugen, Spalten und grössere Hohlräume sowie frostfreie Winterquartiere. Die Eidechsli-Lifte zur Erschliessung neuer Refugien auf den Flachdächern dienen somit als wertvoller Beitrag zum Schutz des Bestandes dieser Tierart.
Eidechsen fahren Bahn

Warme, trockene Gebiete bevorzugt

In klimatisch warmen, eher trockenen Gebieten konnten sich vor allem die Mauereidechsen gut ausbreiten. Viele Populationen dürften aber auf die Einschleppung mittels Materialtransporten mit der Eisenbahn zurückgehen. Wie geschaffen für Mauereidechsen sind Ruderalfluren auf Bahnschotter (Ersatz für Schutthalden) sowie sonnige Gartenlandschaften mit vielen spaltenreichen Mauern und Felsstandorten. Entlang von Schienennetzen breiten sich Mauereidechsen erfolgreich aus. Warmes, trockenes Klima und naturnahe Umgebungsgestaltung bieten ideale Lebensbedingungen.

Weibchen legen zwischen Mai und Juli ein- bis dreimal je 2 bis 9 Eier in lockerem Boden oder sandhaltigen Mauerspalten. Die Jungen schlüpfen im Juli/August. Geschlechtsreife Tiere beanspruchen Wohnflächen von je 15 bis 60 Quadratmetern, wo sie Spinnen, Asseln und andere Insekten jagen.

Arealerweiterung in den letzten Jahren

Die Gestalt der meist bräunlich gefärbten und in der Region nicht vom Aussterben bedrohten Mauereidechsen ist abgeflacht. Die Tiere sind spitzschnauzig und schlank. Ihr Schwanz ist doppelt so lang wie der Körper. Im Gegensatz zu den meisten anderen Reptilienarten erleben die Mauereidechsen in den letzten Jahren eine Arealerweiterung, indem sie einerseits durch die erwähnte Verschleppung mit der Bahn an neue Standorte gelangen und sich andrerseits durch die klimatische Erwärmung auch an Standorten in höheren Lagen ausbreiten können.

Nun sollen die Eidechsli-Lifte am Bahnhof Bremgarten West dazu beitragen, dass sich die Eidechsen ihr Refugium sichern können.