Landschafttheater
«Mit Chrüüz und Fahne»: Ein Erlebnis, das Spuren hinterlässt

Das Landschaftstheater «Mit Chrüüz und Fahne», das an verschiedenen Spielorten rund ums Schloss Hilfikon aufgeführt wird, blickt nach 300 Jahren in eindrücklicher Form auf den 2. Villmergerkrieg zurück.

Rosmarie Mehlin
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Das passiert im Landschaftstheater «Mit Chrüüz und Fahne»
13 Bilder
Im Keller vom Schloss Hilfikon beraten sechs Frauen, wie sie mit Liebesentzug ihre Männer von der Schlacht abhalten können
Eine bunte Gaukler-Truppe unterhält vor dem Schloss Hilfikon das Volk aus nah und fern
In der «Tagesschau» am Vorabend vom Mittwoch, 25. Juli 1712, wird die erwartete Schlacht mit allen Regeln der Medienkunst zum Ereignis gemacht
Die Waffenhändler-Familie Kubli präsentiert mit zwei Models vor dem Schloss Hilfikon die neusten Gewehre und Hellebarden
Das Lied «Im Aargäu sind zwöi Liebi» wird als Singspiel aufgeführt, in dem ein Soldat seine Liebste verlässt, in den Krieg zieht und wieder heimkehrt
Auftritt der Hochzeitsgesellschaft
Der Bräutigam begrüsst die Hochzeitsgäste
Die Hochzeitsgesellschaft schwingt gut gelaunt das Tanzbein
Während die Hochzeitsgäste speisen...
...ergiessen sich im Hintergrund Kriegsszenen aus der Vergangenheit in die Gegenwart
Ein verletzter Soldat aus der Vergangenheit stürzt in die Hochzeitsfeier und lässt diese platzen
Die Vergangenheit holt die Gegenwart ein: Trauerzug zum Abschied der Gefallenen

Das passiert im Landschaftstheater «Mit Chrüüz und Fahne»

Felix Wey

Am Jacobstag, genau 300 Jahren nach der entscheidenden Schlacht im 2. Villmergerkrieg, hatte «Mit Chrüüz und Fahne» am Mittwoch Premiere. Paul Steinmann als Autor und Adrian Meyer als Regisseur haben zusammen mit den Mitgliedern der vier Freiämter Theatergruppen sowie einer riesigen Schar von Helferinnen und Helfern, ein Landschaftstheater im trefflichsten Sinne des Wortes geschaffen.

Was für ein wundervolles Ambiente und was für eine grandiose Leistung im Scheinwerferlicht ebenso wie dahinter, davor, daneben. Das Engagement und die Begeisterung der Mitwirkenden ist wie eine brennende Lunte, deren stiebenden Funken sich wohl kaum ein Besucher entziehen kann.

Rund ums Schloss Hilfikon

In einem ersten Teil wird das Publikum in Gruppen an verschiedene Spielorte rund ums Schloss Hilfikon geführt. Zum Beispiel in die von Weihrauchduft geschwängerte Schlosskapelle, wo ein Frauenchor mitten in den heftigen Disput zwischen einem Kapuzinermönch einem reformierten Pfarrer gerät. Eine weitere Station ist die Tagesschau vom 24. Juli 1712: Ironie vor ernstem Hintergrund, mitreissend umgesetzt. Auch die Gauklergruppe, die Kriegsszenen aus verschiedenen Jahrtausenden als Abendunterhaltung schmackhaft macht, bietet beste Unterhaltung mit widrigen Haken.

Nach einem kurzen Fussmarsch nimmt das Publikum vor einer ausladenden Hügelsenke auf der Tribüne Platz. Wir sind jetzt in der Gegenwart, eine Festtafel aufgedeckt. Zweispännig wird ein Brautpaar heran kutschiert, die Hochzeitsgesellschaft nimmt Platz: Der katholische Michael hat seine reformierte Simona geehlicht - heutzutage längst kein Problem mehr. Doch was als Festgeplänkel beginnt, mündet bald in hitzige Gespräche rund um Toleranz. Während die (grossartige!) Blaskapelle «Guetnachtamsächsi» Lieder von Krieg und Trennung herrlich schräg intoniert und die Gesellschaft debattierend und streitend dazu tanzt, tobt draussen der Krieg.

Die Feiernden nehmen zwar wahr, dass etwas nicht stimmt, können es aber nicht einordnen. Der Bräutigam und weitere Gäste halten schliesslich Nachschau. Dass sie einfach verschwinden, ist fürs Publikum ebenso schwer nachvollziehbar, wie der dramaturgische Bruch, dass die Dialoge immer spärlicher werden und schliesslich gänzlich stummen Bildern weichen: Auf der Krete des Hügels im Hintergrund ziehen vor dem Nachthimmel lange Züge von Jammergestalten vorbei, von den Verbliebenen der Hochzeit stumm beobachtet. Die in ihrer Tragik ergreifenden Bilder sind allerdings etwas allzu lang, um die Intensität der Beklemmung zu halten.

Sämtliche Darstellerinnen und Darsteller sind grossartig besetzt und agieren auch so. Die Musik, die Kostüme, Requisiten, Beleuchtung sind ebenso exzellent, wie das Timing und die anspruchsvolle Organisation der Gruppenführungen im ersten Teil. «Mit Chrüüz und Fahne» ist ein Erlebnis, das langanhaltende Spuren hinterlässt.

Theater: Mit Chrüz und Fahne. Bis 1. September. www.kreuz-und-fahne.ch

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