Waltenschwil

Mit buntem Glaswappen nach Bremgarten ans Mittelalterfest

Antoinette Liebich fertigt eine Wappenscheibe aus Glas an.

Antoinette Liebich fertigt eine Wappenscheibe aus Glas an.

Antoinette Liebich betreibt eines von nur noch fünf Ateliers für Glasmalerei in der ganzen Schweiz. Am Mittelalter-Spektakel in Bremgarten zeigt sie ihre Künste.

Nur noch fünf Glasmalereien gibt es in der ganzen Schweiz. Eine davon ist das Atelier für Glasmalerei und Glaskunst von Antoinette Liebich in Waltenschwil. «Das Schöne an meinem Beruf ist, dass es sehr viele verschiedene Aufgaben gibt.» Bei jedem Stück, das die Künstlerin anfertigt, handelt es sich nämlich um ein Unikat. Vom Zeichnen des Entwurfes über das Bemalen und Brennen bis hin zum Zusammenfügen der Glasstücke mit Bleiruten macht die Glasmalerin alles selber.

Zufrieden sagt die 52-Jährige über ihre Arbeit: «Sie ist sehr erfüllend, ich lebe für diesen Job.» Zu ihren Hauptkunden gehören Kantone, Gemeinden, Museen und Kirchen. Die Glaskünstlerin malt, montiert und restauriert oder besucht Sitzungen des Denkmalschutzes. Auch von Einzelpersonen erhält sie Aufträge. «Die Menschen möchten etwas in die Hände nehmen können und suchen wieder mehr nach speziellen Geschenken. Dafür eignet sich zum Beispiel eine Scheibe mit dem Familienwappen gut.»

Seit drei Generationen

Schon seit sie sich erinnern kann, fertigt Liebich Glasmalereien an. Ihre Familie blickt auf drei Generationen von Glasmalern und davor auf sieben Generationen von Kirchenrestauratoren zurück. «Man muss natürlich gut malen können und kreativ sein«, sagt Liebich zu den Voraussetzungen für ihren Beruf. Vor zwanzig Jahren übernahm sie das Atelier, das seinen Standort damals noch in Einsiedeln hatte, von ihrem Vater. Nun steht es schon seit vier Jahren in Waltenschwil. Aus Liebichs Dialekt ist die Schwyzer Herkunft aber immer noch herauszuhören.

Auch wenn dieser Beruf nur wenigen bekannt ist, erhält die Glaskünstlerin viele Anfragen für Lehrstellen. Das sei aber eine schwierige Angelegenheit, denn selbst wenn man eine Lehre bei einem der fünf Schweizer Betriebe absolviert, fände man nachher keine Stelle. Sich selbstständig zu machen, sei auch keine gute Option, denn die Nachfrage nach Glasmalereien ist klein. Und weil Liebichs Kunden viel für die angefertigten Stücke bezahlen, wollen sie nicht, dass ein Lehrling sie anfertigt. «Ich möchte keinen Lernenden, dem ich nur Löli-Jobs anbieten kann», sagt Liebich dazu.

Nicht nur brachial und urchig

Am Bremgarter Mark der Vielfalt wird Liebich am kommenden Wochenende allen Interessierten ihre Künste im Bereich historisches Handwerk vorstellen. Darauf freut sie sich besonders. «Viele Menschen denken, Dinge, die man im Mittelalter herstellte, seien nur rau und grob – das stimmt nicht. Je feiner etwas war, desto wertvoller.» Dafür tritt sie vor den Besuchern des Marktes den Beweis an. Denn die Glaswerke, die Liebich in ihrem Atelier herstellt, brauchen viel Fingerspitzengefühl und sind mit diversen Details versehen. Sie ergänzt: «Man muss wieder zeigen, was in Vergessenheit geraten ist.» Für den Markt, der viel Wert auf Authentizität legt, muss sie ihre Arbeitsweise nicht einmal anpassen: «Unsere Arbeitsgeräte haben sich seit 100 Jahren kaum verändert. Nur Kleider muss ich passende anziehen», schmunzelt sie.

Speziell sei auch die breite Palette an Glashandwerkern, weil diese sonst eher Konkurrenten seien. «Das ist einzigartig.»

Weitere Informationen finden sich online unter www.glasart-schweiz.ch

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Autor

Johanna Lippuner

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