Kallern

Mit 110km/h: Diese 11-Jährige fährt mit ihrem Mini-Kart allen davon

Ekaterina Lüscher neben ihrem Super Mini Kart auf der Kart-Bahn Wohlen, momentan führt sie die Rangliste der Schweizer Meisterschaft an.

Ekaterina Lüscher neben ihrem Super Mini Kart auf der Kart-Bahn Wohlen, momentan führt sie die Rangliste der Schweizer Meisterschaft an.

Ekaterina Lüscher aus Kallern führt die Schweizer Rangliste ihrer Altersklasse im Super Mini Kart an. 110 km/h schnell kann sie mit ihrem Mini Kart fahren. Die Wohler Rennstrecke ist ihr zweites Zuhause.

Die Motorengeräusche sind schon aus grosser Entfernung zu hören, Benzingeruch liegt in der Luft. Am frühen Samstagabend drehen viele Miet-Karts ihre Runden auf der Kart-Bahn Wohlen. «Die Nummer 21, das ist Ekaterina», ruft ihr Vater Bruno Lüscher stolz. «Sie fährt heute in einem Miet-Kart, trotzdem ist sie schneller als die übrigen Fahrer.» Erklärend weist er auf den Rechner, auf dem die gemessenen Rundenzeiten erscheinen.

Tatsächlich fährt die 11-Jährige gerade eine Runde in gut 54 Sekunden. Damit führt sie die Liste an, der folgende Fahrer ist beinahe drei Sekunden langsamer. Doch das sei noch längst nicht ihre Bestzeit. Lüscher fügt hinzu: «In ihrem eigenem Kart fährt sie sogar noch 10 Sekunden schneller.» Die Wohler Rennstrecke sei sozusagen ihr zweites Zuhause. «Die Bahn ist technisch anspruchsvoll, eine richtige Herausforderung. Wer hier schnell fährt, der ist überall schnell.»

11-jährige Freiämterin momentan Schweizer Nr. 1 beim Go-Kart

Ekaterina Lüscher ist auf bestem Weg, Schweizer Meisterin zu werden und weiss, worauf es ankommt. Tele M1 begleitet die Go-Kart-Raserin beim Training.

Ayrton Senna als Vorbild

Nach einigen weiteren Runden ist Ekaterina mit ihrem Training für diesen Tag fertig. Sie berichtet: «In der Woche trainiere ich etwa zweimal.» An der Schweizer Meisterschaft fährt sie Super Mini Kart, in der Kategorie der 8- bis 13-Jährigen. Dabei ist festgelegt, dass das Fahrzeug inklusive Fahrer 110 Kilo wiegen soll. «Um darauf zu kommen, sind am Sitz Gewichte angebracht», erläutert ihr Vater.

Ekatarina trainiert mit ihrem Mini-Kart auf der Rennstrecke in Wohlen

 

Auf die Frage, wie sie dazu gekommen sei, Kart zu fahren, antwortet Ekaterina wie aus der Pistole geschossen: «Das liegt in den Genen. Mein Vater fuhr früher auch Rennen. Ausserdem habe ich einen Film über Ayrton Senna gesehen, er war der beste Formel-1-Fahrer, der auch schon in Wohlen Kart-Rennen gefahren ist. Mit dem Geld, das er verdiente, hat er armen Kindern in Brasilen geholfen. Er ist mein grosses Vorbild.»

Zurzeit ist die junge Freiämterin erfolgreich bei der Schweizer Kart-Meisterschaft, startet aber auch auf internationalen Pisten durch. Ihr erstes Rennen in Italien konnte sie mit drei Laufsiegen für sich entscheiden. Dazu hält sie in einem Bericht über das Rennen fest: «Ich habe nichts von einem Vorsprung gemerkt, ich habe mich einfach konzentriert und immer Vollgas gegeben.»

Leidenschaft für Tempo

Ekaterina Lüscher gehört zu den wenigen Mädchen in ihrer Sportart. «Ich weiss auch nicht, wieso mehr Jungs dabei sind. Ich kann bei der Leistung keinen Unterschied feststellen.» Da das Verhältnis unter den jungen Rennfahrern aber sehr kollegial sei, störe es nicht, dass die Mädchen in der Unterzahl seien.

Bei der Schweizer Kart Meisterschaft in Lignieres 2017 erreicht Ekaterina Lüscher den 3. Platz

Stellt sich die Frage, was ihr besonders gut am Mini-Kart-Fahren gefällt. «Ich mag die Geschwindigkeit. Man braucht schon Mut und etwas Gelassenheit.» Diese hilfreichen Eigenschaften kann Ekaterina bald wieder nutzen: Am nächsten Wochenende fährt sie in einem weiteren Rennen um die Schweizer Meisterschaft. Diesmal findet der Wettkampf im französischen Vesoul statt. Dort möchte sie natürlich ihre Führung, um weitere Punkte ausbauen.

Im Alter von fünfeinhalb Jahren startete sie ihre ersten Fahrversuche, unterstützt von ihrem Vater. Drei Jahre später trat Ekaterina zum ersten Mal bei einem Wettkampf an. «Zuerst fährt man kleinere Rennen, um Erfahrungen zu sammeln und die Rennlizenz zu bekommen.» Sie erzählt: «Das war schon schwierig, aber es ist trotzdem eine coole Erfahrung, diesen Druck zu haben. Es gibt ja einiges, worauf man achten muss. Ein Rennen ist viel anstrengender als das Training.»

Strenges Reglement

Was die Regeln angeht, so sind diese ebenso streng wie bei den Meisterschaften der Erwachsenen. Zum Beispiel die unterschiedlichen Fahnen, die während des Wettkampfes beachtet werden müssen. «Ganz schlecht ist die schwarze Flagge: Wenn einem die gezeigt wird, ist man disqualifiziert.» Zum Glück habe sie selbst das noch nie erlebt.

Enorm wichtig für die Sicherheit der Fahrer ist natürlich die Ausrüstung. «Nach dem Rennen werden die Karts auseinandergebaut und genau untersucht, damit alles seine Richtigkeit hat und niemand auf die Idee kommt, zu schummeln.» Bemerkenswert ist, dass Ekaterina als Privatbewerberin startet. Ihr kleines Team besteht nur aus ihr, ihrem Vater und dem Mechaniker Stephan Biberach. Um im Rennzirkus bestehen zu können, seien Sponsoren schon hilfreich, so Bruno Lüscher: «Einen Satz Pneus benötigen wir schon für ein Rennen.»

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