Büttikon
Mit 100 km/h innerorts geblitzt: Raser kassiert Freiheitsstrafe

Das Bezirksgericht Bremgarten verurteilte einen 50-jährigen Schnellfahrer zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten bedingt. «Es war eine halsbrecherische Fahrt», sagte der Richter.

Walter Christen
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Bezirksgericht Bremgarten

Bezirksgericht Bremgarten

Screenshot SRF

Auf der Strasse zwischen Wohlen und Büttikon hatte Luigi (Name geändert) ein Auto vor sich, das seiner Ansicht nach langsamer als 80 km/h fuhr. Zu langsam für den 50-jährigen Italiener, der an jenem Samstag im Juni 2017 mit seinem geleasten Mercedes unterwegs war. Er trat mächtig aufs Gaspedal und überholte das Fahrzeug auf der ansteigenden Wohlerstrasse.

Die Tempo-50-Tafel hatte der Schnellfahrer bereits hinter sich, als er von der Polizei geblitzt wurde: 106 km/h statt der erlaubten 50 hatte Luigi auf dem Tacho, abzüglich der Toleranz von 6 km/h waren es genau 100 – und das innerorts.

Krasse Verkehrsregelverletzung

Für seine Raserei musste sich Bauarbeiter Luigi, der seit 23 Jahren im Freiamt lebt, vor dem Bezirksgericht Bremgarten verantworten. Vorsätzlich sei der Beschuldigte durch die Verletzung elementarer Verkehrsregeln durch eine besonders krasse Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern eingegangen.

So steht es in der Anklageschrift. Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten forderte eine Freiheitsstrafe von 20 Monaten, davon 6 Monate unbedingt, den Widerruf einer Vorstrafe und 3 Jahre Landesverweisung fakultativ. Zudem müsse der Beschuldigte auch noch die Verfahrenskosten von total 2105 Franken bezahlen.

«Die 50er-Tafel nicht gesehen»

Der Angeklagte, der nach Jahren Aufenthalt in der Region immer noch kein Deutsch spricht, bereute seine Raserfahrt vor Gericht und liess den Dolmetscher übersetzen: «Es ist passiert, aber ich bin nicht absichtlich zu schnell gefahren. Ich habe beim Überholen die 50er-Tafel nicht gesehen.»

Das nahm ihm Gerichtspräsident Lukas Trost jedoch nicht ab, und auch Staatsanwalt Werner Burkart stellte fest: «Das ist eine reine Schutzbehauptung. Er vertraute einfach darauf, nicht erwischt zu werden. Es ist deshalb klar von einem Vorsatz auszugehen. Der Beschuldigte ist 2015 bereits wegen eines Strassenverkehrsdelikts angezeigt worden und muss als unbelehrbar bezeichnet werden. An einer Integration ist er gar nicht interessiert; er befindet sich aus rein wirtschaftlichen Gründen in der Schweiz.»

Luigis Verteidigerin plädierte unter anderem für den Verzicht auf eine Landesverweisung, da sonst die intakte Familie ihres Mandanten auseinandergerissen würde und es zu einem sozialen Härtefall käme.

Präsident Trost verkündete das vom Gericht einstimmig gefällte Urteil: 18 Monate Freiheitsstrafe, bedingt bei einer Probezeit von 4 Jahren, Verzicht auf eine Landesverweisung, Busse von 5000 Franken plus Übernahme der Gerichtskosten.

Die besonders krasse Missachtung der Strassenverkehrsregeln, die das Gericht zu beurteilen gehabt habe, sei dem Angeklagten nicht passiert, sondern er habe es getan, sagte Gerichtspräsident Lukas Trost «Es war eine halsbrecherische Fahrt», erklärte er weiter und ermahnte Luigi eindringlich, sich in Zukunft im Strassenverkehr vernünftig zu verhalten.