Ruhestand

Mister Oberfreiamt der AZ geht heute in Pension

Eddy Schambrons Sommer-Serien sind legendär, wie jene, als er mit dem Gummiboot durch den Aargau fuhr.

Eddy Schambrons Sommer-Serien sind legendär, wie jene, als er mit dem Gummiboot durch den Aargau fuhr.

Eddy Schambron ist seit 1985 aus den Freiämter Zeitungen nicht wegzudenken. Und doch ist das jetzt vorbei.

Er möchte nicht ins Rampenlicht. Er ist der stille Macher, sieht alles, kennt alle, beschreibt unaufgeregt, was passiert in seinem Oberfreiamt. Das ist Eddy Schambron. Ein Journalist der alten Garde, der nicht auf Klicks und Sensationen aus ist, sondern es mag, wenn er seine Leser zum Schmunzeln bringen und zum guten Zusammenleben beitragen kann. Ausser es gilt, Missstände aufzudecken, dann ist er an vorderster Front dabei. Und das weiss man im Oberfreiamt, dem Gebiet mit rund 37000 Einwohnern, das Eddy seit Jahren alleine abdeckt.

Er spricht die Sprache der Oberfreiämter

Laut den Akten hat Eddy am 1. Juni 1985 beim «Freiämter Tagblatt» angefangen und wurde bald dessen Leiter. Er dachte immer modern. So ist es kein Wunder, dass er 1991 zum Job als Hausmann und Vater gewechselt hat. 1998 kam er zurück zur AZ, wurde 2006 für vier Jahre Ressortleiter und bearbeitete seither im Alleingang das weitverzweigte Oberfreiamt.

Eddy muss seine Sätze nicht schleifen. Er spricht nicht in Schlagworten, sondern in der Sprache der Oberfreiämter. Genau das hat seine Texte immer authentisch, witzig, schlicht lesenswert gemacht. Er brachte so viele Menschen durch seine Artikel schon beim Frühstück zum Lachen. Und auch bei seinen Fotos hat er immer irgendwo Blümchen gesucht, die er noch ins Bild rücken konnte. Ohne sie abzureissen, versteht sich. Eddy ist ein Genussmensch und ruhiger Schaffer, aber auch leidenschaftlich, und genau das lässt ihn als exzellenten Lokaljournalisten zum Vorbild werden.

Kleine Kostproben aus der Schambron’schen Feder

Obwohl er scharfsinnig mitdenkt und kritisch hinterfragt, bringt er viel Herz in seine Texte ein. Anna Hoppler beschrieb er mit den Worten: «Stroh-Anni ist 87 Jahre alt. Sie sieht blendend aus, ist vif und hat ein unverändert hervorragendes Gedächtnis.» Über die älteste Wirtin des Freiamts schrieb er: «Überhaupt will Theres Lustenberger keine grosse Sache in der Zeitung. Sie ist zwar zu Recht stolz auf ihr Lebenswerk, findet es aber nicht nötig, dass man deshalb gross Aufhebens machen müsste. Jetzt sind es vielleicht doch ein paar Zeilen mehr geworden, als sie sich vorgestellt hat. Aber daran ist sie nicht zuletzt selber schuld: Man hat schliesslich nicht jeden Tag die Gelegenheit, mit einer so erfahrenen und beliebten Wirtin bei einem Glas Malanser ein so interessantes Gespräch zu führen.» Und im August 2016 stand von ihm in der AZ: «Am Freitag sonnig und heiss. Am Samstag sonnig und heiss. Am Sonntag meist sonnig und heiss. Fast scheint es, als ob das Wetter seine miese Laune im Juni wiedergutmachen will.»

Eddy wird es nicht langweilig werden

Wer die journalistische Ära von Eddy Schambron miterlebt hat, kann sich glücklich schätzen. Durch seine Pensionierung verliert die AZ einen wirklich guten Lokaljournalisten. Doch Eddy hat sein Teil getan, jetzt beginnt ein neues Abenteuer. Sein Beruf war auch sein Hobby. Aber auch Töfffahren oder Ferien in der Bretagne, Bücherschreiben, Schlafen in der Hängematte im Wald oder Gummiböötlen und natürlich seine Flaschen- und Modellschiffe werden keine Langeweile aufkommen lassen. Und natürlich seine Familie, mit der er so manches Abenteuer erlebt hat und sicher auch noch wird. Eddy, du wirst uns fehlen.

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