Merenschwand
Mindestlohn: «Ja, wenn die Schweiz eine Insel wäre»

Cédric Wermuth und Markus Zemp kreuzten die politischen Klingen. Das Streitgespräch zwischen dem SP-Nationalrat und dem Präsident der CVP Aargau brachte keine eindeutige Antwort.

Eddy Schambron
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Das Thema Mindestlohn brachte Leute aus verschiedenen politischen Lagern zur CVP-Veranstaltung in der Halle der Markus Flühmann AG. ES

Das Thema Mindestlohn brachte Leute aus verschiedenen politischen Lagern zur CVP-Veranstaltung in der Halle der Markus Flühmann AG. ES

Eddy Schambron

Wer hat jetzt Recht? Führt ein Mindestlohn von 22 Franken pro Stunde oder 4000 Franken im Monat zum Verlust von Arbeitsplätzen? Oder sorgt er für eine gerechte Abgeltung von Arbeitsleistung und entlastet sogar das Sozialwesen? Es sei vorweg genommen: Das Streitgespräch zwischen SP-Nationalrat Cédric Wermuth und Markus Zemp, Präsident der CVP Aargau, brachte erstens nicht die Klarheit, die man sich vielleicht erhoffte.

Und zweitens waren bei den meisten die Meinungen wohl gemacht. Die Veranstaltung der CVP Bezirk Muri in der Halle der Markus Flühmann AG in Merenschwand, welche von AZ-Ressortleiter Toni Widmer geleitet wurde, vermochte eine überraschend grosse Anzahl Zuhörerinnen und Zuhörer aus verschiedenen politischen Lagern zu mobilisieren.

Während Zemp erklärte, dass der Mindestlohn die zum Teil massiven Unterschiede bei den Lebenshaltungskosten etwa zwischen den Kantonen Jura und Zürich nicht berücksichtige, betonte Wermuth, es sei nicht mehr als anständig, dass jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer von einem 100-Prozent-Lohn leben könne.

«Bringen Sie mit einem Lohn unter 4000 Franken eine Familie durch?» Zemp könnte sich einen Mindestlohn dann vorstellen, «wenn die Schweiz eine Insel wäre.» Sonst befürchtet er einen Abzug von Arbeitsplätzen ins Ausland. Das wiederum bestritt Wermuth, weil heute nur ein sehr kleiner Teil der Arbeitnehmenden unter dem Mindestlohn arbeite.

Den Hinweis, dass gerade kleine und mittlere Unternehmen nicht imstande seien, den Mindestlohn zu zahlen, liess er nicht gelten. Es seien meist gar nicht diese Betriebe, die weniger als 22 Franken pro Stunden bezahlten, sondern grosse Schuhdetailhändler oder Kleiderverkäufer.

Kritische Fragen

In der Diskussion kam die Frage auf, ob mit einem Mindestlohn möglicherweise nicht auch wieder Schweizer Arbeiten verrichten würden, die heute von Ausländern bewältigt werden, zum Beispiel in der Landwirtschaft. Positiv würde sich ein Mindestlohn auch auf die Lohngleichheit zwischen Mann und Frau auswirken.

«Ja», bestätigte Zemp, «aber mit der negativen Auswirkung, dass Jobs wegfallen.» Auch glaubt er, dass schwächere Arbeitnehmer, die heute von Arbeitgebern noch mitgetragen würden, ihren Job verlören. Kann ein Mindestlohn Arbeitnehmenden eine bessere soziale Absicherung im Alter ermöglichen, was sich positiv auf die Sozialwerke auswirken könnte? Diese Frage bejahte Cédric Wermuth: «Wenn wir gute Renten finanzieren wollen, brauchen wir auch gute Löhne.»

Die Befürchtung, dass die Festsetzung eines Mindestlohnes aber einen negativen Einfluss auf das gesamte Lohngefüge hätte, wurde von Markus Zemp geteilt. «Eine Anhebung des Mindestlohnes ruft bestimmt nach Anpassungen der anderen Löhnein einem Betrieb.» Wermuth glaubt hingegen, dass sich die Lohngesamtsumme für ein Unternehmen nicht verändern müsste, sondern nur die Verteilung. Anders ausgedrückt: Wenn ganz oben etwas weniger verdient würde, könnte man unten etwas mehr bezahlen.

Für den Unternehmer Markus Flühmann, der seine in den letzten 30 Jahren stetig ausgebaute Logistikfirma vorstellte, war klar: Der Mindestlohn ist abzulehnen.

Er zeigte am Beispiel der Druckereibranche auf, was seiner Ansicht nach auch in anderen Branchen passieren könnte: Die 2,3 Millionen Ferienkataloge, die pro Woche aus Merenschwand verteilt werden, stammen heute allesamt aus ausländischen Druckereien.