Bezirksgericht Bremgarten
Millionen für illegale Bodybuilder-Präparate kassiert – jetzt steht der «Giftmischer» vor Gericht

Er hat illegale Produkte im Wert von über 4 Mio. Franken hergestellt und verkauft. Nun muss sich Noldi (Name geändert) vor dem Bezirksgericht verantworten.

Walter Christen
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Foto eines Drogenlabors, das die Kantonspolizei Aargau im Sommer 2015 ausgehoben hat. Symbolbild/kapo

Foto eines Drogenlabors, das die Kantonspolizei Aargau im Sommer 2015 ausgehoben hat. Symbolbild/kapo

Kapo Aargau

Er hat mit illegalen Substanzen, die vor allem in der Bodybuilder-Szene Abnehmer fanden, gewerbsmässig gehandelt und beim Weiterverkauf an Zwischenhändler einen durchschnittlichen Gewinn von 890 Prozent erzielt: Noldi (Name geändert) hat die Präparate unter anderem in einer Kellerämter Gemeinde selber hergestellt und unter eigenen Labels vertrieben. Die Untersuchungsbehörde bezifferte den Verkehrswert der verbotenen Mittel auf mindestens 4,3 Millionen Franken. Nun musste sich der 58-jährige Noldi vor dem Bezirksgericht Bremgarten für seine Machenschaften verantworten.

Verstoss gegen Heilmittelgesetz

Der Beschuldigte habe vorsätzlich Arzneimittel ohne Zulassung, ohne Bewilligung oder entgegen anderen Gesetzesvorgaben hergestellt, in Verkehr gebracht, eingeführt, ausgeführt oder damit im Ausland gehandelt sowie ohne Berechtigung Heilmittel abgegeben, lautete die Anklage. Somit habe er sich wegen qualifizierter Widerhandlung gegen das Heilmittelgesetz strafbar gemacht. Die kantonale Staatsanwaltschaft beantragte eine bedingte Freiheitsstrafe von sechs Monaten bei einer Probezeit von drei Jahren und eine Busse von 100 000 Franken. Eine zusätzliche Ersatzforderung zugunsten des Staates sei in der Höhe von 850 000 Franken festzusetzen.

Bei den im Labor von Noldi entdeckten illegalen Substanzen handelte es sich um Mittel aus den Bereichen anaboler Steroide (darunter unter anderem Testosteron), Wachstumshormone, Aromatasehemmer, selektive Östrogen-Rezeptor-Modulatoren/Antiöstrogene, Potenzmittel sowie Appetitzügler.

«Alles Lifestyle-Produkte»

Er wehre sich gegen die Bezeichnung Arzneimittel, sagte Noldi vor Gericht. «Es handelte sich lediglich um Lifestyle-Produkte für Männer ab 40.» Gerichtspräsident Raimond Corboz wollte von ihm wissen, ob er denn im Besitz einer Zulassung für den Verkauf dieser Mittel gewesen sei, was der Angeklagte verneinte. «Von welcher Gewinnmarge ist beim Verkauf der Produkte auszugehen?», fragte der Gerichtspräsident den Beschuldigten. «Nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten sind das zwischen 30 und 70 Prozent. Die Angaben in der Anklage stimmen zum grossen Teil überhaupt nicht», ereiferte sich Noldi. Schliesslich habe er viel Geld in die Laboreinrichtungen investiert, und zwar alleine für die Tablettier- und Granuliermaschinen etwa 50 000 Franken.

Der Angeklagte verfügt über einen Berufsabschluss in der Elektronik-Branche, hat später eine Naturheilpraktiker-Ausbildung absolviert und eine Praxis eröffnet. «Ich habe mich schon immer für Medizin interessiert», gab er zu Protokoll.

Eine Farm und Computerschrott

Der seit rund zehn Jahren verheiratete Noldi ist ein Hansdampf in allen Gassen: Immobilienbesitzer in der Schweiz und in Asien, Eigentümer einer Farm in Südamerika und mehrfacher Auswanderer. Er hat Kurse in Goldwaschen erteilt, zwischendurch im Ausland Computerschrott verkauft und mit Liegenschaften gehandelt. Noldi gilt als wohlhabender Mann, der eine Abneigung gegenüber Banken hegt. «Ich vertraue keinem Geldinstitut. Eine Bank dient für mich nur als Mittel zum Zweck, nämlich zur Überweisung von Geld. Was ich an Barmitteln habe und in Form von Goldnuggets bewahre ich sicher in meinen Verstecken auf», verriet der Angeklagte vor Gericht.

Wovon er gegenwärtig den Lebensunterhalt für sich und seine Familie bestreite, fragte ihn Gerichtspräsident Corboz. «Ich bewerbe mich fortlaufend als Elektroniker oder Informatiker, habe aber noch keine Anstellung erhalten. Deshalb arbeite ich momentan in einem Tierzuchtbetrieb und habe vor einem Monat den Verkauf von Abschirmtaschen für Handys aufgezogen, die ich aus China importiere. Das Geschäft läuft aber noch sehr harzig, sodass ich gegenwärtig von meinen stillen Reserven zehren muss.»

Noldis Verteidiger plädierte auf einen Freispruch, weil das Heilmittelgesetz nicht klar definiere, ob die von Noldi hergestellten und verkauften Substanzen gesetzeswidrig seien oder nicht. Wie der Fall von Noldi aber ausgegangen ist, bleibt abzuwarten, denn an der Gerichtsverhandlung in Bremgarten einigten sich die Parteien darauf, dass das Urteil in diesem Fall schriftlich eröffnet beziehungsweise zugestellt wird. Die az wird darüber berichten.