Muri
Mildes Urteil gegen Raser - weil er lebenslänglich leiden wird

Das Bezirksgericht verhängt neun Monate bedingt gegen einen 23-jährigen Autolenker. Dieser hat 2006 einen schweren Unfall verusacht, bei dem zwei Mitfahrer ums Leben kamen. Weil er selbst lebenslang eiden wird, kommt er mit einem milden Urteil davon.

Eddy Schambron
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Zwei junge Menschen starben in Merenschwand, weil er zu schnell fuhr. Anstatt 18 Monate Freiheitsstrafe unbedingt wurde gestern der Fahrer vom Bezirksgericht Muri wegen fahrlässiger Tötung zu neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, wobei ihm der bedingte Strafvollzug gewährt wurde.

Die Probezeit beträgt vier Jahre. Wie Gerichtspräsident Benno Weber ausführte, ist das Urteil trotz grossem Verschulden relativ mild, weil der Straftäter selber lebenslänglich unter den Folgen seines Unfalls zu leiden haben wird.

Viel zu schnell

Der Fahrer R., damals 23-jährig, verlor 2006 in Unterrüti, Gemeinde Merenschwand, die Herrschaft über seinen 215 PS starken Ford Focus, geriet auf die Gegenfahrbahn und kollidierte mit einem entgegenkommenden Fahrzeug. Seine beiden Mitfahrer, 20 und 23 Jahre alt, starben bei diesem Unfall, die Fahrer des entgekommenden Fahrzeuges erlitten Verletzungen.

Mit Lernfahrausweis unterwegs

Gemäss Gutachten fuhr R. im Ausserortsbereich zwischen 109 und 122 Stundenkilometern. Er war zudem erst im Besitz des Lernfahrausweises, allerdings kurz vor der Autoprüfung.

Der Strafantrag lautete auf 12 Monate Freiheitsstrafe, eine Busse von 500 Franken sowie auf den Widerruf des bedingten Strafvollzuges für 8 Monate Gefängnis gemäss einem Urteil des Bezirksgerichts Bremgarten von 2005. R. ist nämlich kein unbeschriebenes Blatt und wurde schon wegen Diebstahls, Fahren ohne Führerausweis, Raub und Entwendung eines Autos zum Gebrauch verurteilt.

«Das geht nicht einfach weg»

Der Unfallverursacher, der selber monatelang im Spital lag, kann sich an die Fahrt und an den Unfall nicht mehr erinnern. Er bereut das Unglück tief. «Das wird mich jetzt das ganze Leben begleiten, das geht nicht einfach weg.» Sein Rechtsanwalt machte unter anderem geltend, dass verschiedene Anklagepunkte (Lernfahrt mit nicht berechtigtem Begleiter, Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz) verjährt seien.

Der Unfall ereignete sich 2006 und konnte wegen des Gesundheitszustands des Unfallverursachers erst heute vor Gericht beurteilt werden. Weiter erklärte der Verteidiger, R. sei psychisch und gesundheitlich so angeschlagen, dass er zeitlebens selber massiv unter den Folgen des Unfalls zu leiden habe.

Er neige zu Depressionen. Deshalb beantragte er zwar, seinen Mandanten der mehrfachen fahrlässigen Tötung schuldig zu sprechen, ihm aber den bedingten Strafvollzug zu gewähren und auf den Widerruf des bedingten Strafvollzuges des Bremgarter Bezirksgerichts zu verzichten.

Tatbestand unbestritten

Für das Bezirksgericht Muri war der Tatbestand der fahrlässigenTötung unbestritten. «Das war nicht einfach etwas zu schnell gefahren, das war Rasen», stellte Gerichtspräsident Benno Weber fest. «Es handelt sich um ein grosses Verschulden, eine Strafe von 18 Monaten Freiheitsentzug wäre grundsätzlich angemessen.» Aber beim Strafmass sei zu berücksichtigen, dass R. schwere körperliche und psychische Schäden davongetragen habe und kaum mehr in die Lage kommen werde, ein Auto zu fahren.

Abgesehen davon habe er in den letzten vier Jahren viel Ehrgeiz entwickelt, sich beruflich wieder einzugliedern - allerdings ohne Erfolg. R. arbeitet zurzeit in einer geschützten Werkstatt. Der Angeklagte lebe heute in stabilen Verhältnissen und habe sich seither nichts mehr zu- schulden kommen lassen. Deshalb reduzierte das Gericht einstimmig die Strafe auf 9 Monate bedingt. Partei-, Gerichts- und Verfahrenskosten in der Höhe von mehreren tausend Franken gehen zu seinen Lasten.

«Die Strafe ist der Tat nicht angemessen», erklärte Gerichtspräsident Weber, «aber unter Berücksichtigung der Folgen für R. ist sie eben doch wieder angemessen.»