Ausstellung in St. Anna-Kapelle
Messgewand eines Fürstabtes als Prunkstück der Ausstellung in Bremgarten

Zwei Lokalhistoriker präsentieren in der St. Anna-Kapelle sakrale Gegenstände, die zu einem schönen Teil in Klöstern der Region angefertigt worden waren.

Jörg Baumann
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Hugo Huwyler, Ueli Hess, der Diakon und Gemeindeleiter der katholischen Pfarrei Bremgarten, sowie Heinz Koch (von links) zeigen in der St. Anna-Kapelle eines der reich bestickten Gewänder.

Hugo Huwyler, Ueli Hess, der Diakon und Gemeindeleiter der katholischen Pfarrei Bremgarten, sowie Heinz Koch (von links) zeigen in der St. Anna-Kapelle eines der reich bestickten Gewänder.

Jörg Baumann

Die Nonnen in den Frauenklöstern St. Clara in Bremgarten, St. Martin in Hermetschwil und Gnadenthal betrieben ein einzigartiges Kunsthandwerk: Sie fertigten in monatelanger Arbeit die farbenprächtigen, kunstvoll bestickten Messgewänder für die Priester an. Eine Auswahl präsentieren der Lokalhistoriker Heinz Koch und sein Kollege Hugo Huwyler an ihrer 22. Ausstellung in der St. Anna-Kapelle in Bremgarten.

«Direkt können wir die Gewänder den Freiämter Frauenklöstern zwar nicht zuordnen. Denn die Nonnen versahen sie in ihrer Bescheidenheit nicht mit Initialen. Aber wir dürfen davon ausgehen, dass sich in unserem Fundus Messgewänder befinden, die im Freiamt hergestellt wurden», sagt Koch.

Erbe eines Fürstabtes

Stolz kann Koch, pensionierter Lehrer, Verfasser historischer Aufsätze, Stadtführer und Ausstellungsmacher, in der St. Anna-Kapelle ein Messgewand zeigen, das der Fürstabt des Klosters Muri, Bonaventura Bucher II., getragen hat. Der Abt war von 1757 bis zu seinem Tod, 1776, im Amt und entstammte einem Bürgergeschlecht von Bremgarten. Das reich verzierte Messgewand verströmt den erhabenen Geist, den das Kloster Muri ausstrahlte, nachdem es 1701 zur Fürstabtei erhoben wurde und ein Herrschaftsterritorium am Neckar erworben hatte.

Die Herrlichkeit mit der Fürstabtei dauerte nicht ganz 100 Jahre, bis zum Überfall der französischen Truppen Napoleons. 50 Jahre später, 1841, hoben die Aargauer Politiker das Kloster auf.

Als Bremgarter erkennt man in der Ausstellung wohl den St. Nikolaus, den Kirchenpatron der Stadtkirche. Helen Stierli, stellvertretende Sakristanin, Präsidentin des Kolpingvereins und Mitarbeiterin bei der Chlausaktion, kleidete eine Schaufensterpuppe mit einem goldgelben Mantel aus altem Brokatvorhangstoff ein und machte diese so unverkennbar zum Bremgarter Samichlaus. Die Farben der Messgewänder, so erfährt man in der Ausstellung, folgen nach alter Tradition dem Kirchenjahr. Die Materialen kaufte man früher meistens im Ausland ein.

So sind Bezugsquellen in Augsburg oder Mailand verbürgt. Als Paradestücke findet man in der Ausstellung ein ledergebundenes Messbuch mit Metallbeschlägen und Handschrift samt kunstvoll gestalteten Anfangsbuchstaben auf Pergament sowie eine Prozessionsfahne aus Bremgarten.

Bremgarten hat wieder Kloster

Das Kloster Hermetschwil stellte den Ausstellungsgestaltern einige Leihgaben wie Stickereien auf Stolen und Altar- und Kelchtücher zur Verfügung. «Seitdem Hermetschwil mit Bremgarten vereint ist, besitzen wir wieder ein aktives Kloster», meinte Heinz Koch. «Das Clarakloster und das Kapuzinerkloster in Bremgarten hat man uns aber weggenommen.» Ausstellungsbesucher werden gebeten, eine Kollekte in die Kasse zu legen. Diese kommt dem Kloster Hermetschwil zugute. Die Ausstellung ist an hohen Feiertagen nach den Gottesdiensten (zunächst am 1./2. November) geöffnet und dauert bis August 2015. Auf Anfrage führt Hugo Huwyler Besucher auch ausserhalb der Öffnungszeiten durch die Ausstellung (Telefon: 056 633 36 89).