Boswil
Meine erste Partie am Aargauer Dart Cup – ein Erlebnisbericht

Der Praktikant der AZ Freiamt hat noch nie Dart gespielt. Dennoch versucht er sein Glück in Boswil.

Simon Kuhn
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Trotz dem ein oder anderen Bier steht der Sport am Aargauer Dart Cup voll im Mittelpunkt.

Trotz dem ein oder anderen Bier steht der Sport am Aargauer Dart Cup voll im Mittelpunkt.

Simon Kuhn

Es ist erst kurz vor 13 Uhr, als ich das Restaurant Löwen in Boswil betrete. Die ersten Dartspieler wärmen sich gerade auf. Gelassen stehen sie um die sechs Dartautomaten im Saal und werfen ihre Darts mit beachtlicher Genauigkeit immer wieder ins gleiche Feld. Ich selbst habe noch gar keine Erfahrung im Dart und kann nur beeindruckt zusehen.

Damit ich mich aber nicht komplett blamiere, gibt mir Nenad Arandjelovic noch einen Crashkurs. «In diesem Cup wird 501 Master-Double-Out gespielt», erklärt er mir. Ein Begriff, den ich noch nie zuvor gehört habe. «Von 501 Punkten wird heruntergespielt, bis ein Spieler null Punkte hat. Diese Punktzahl muss genau erreicht werden, ansonsten ist der Wurf ungültig und der Punktestand wird zur letzten gültigen Punktzahl zurückgesetzt. Ausserdem muss man zusätzlich mit einem Double- oder Tripplefeld abschliessen, sonst ist der Wurf ebenfalls ungültig», fährt er fort.

Die einzigen Felder, mit denen man also gewinnen kann, sind die schmalen Streifen ganz aussen und etwas weiter innen am Brett. Der Äussere verdoppelt den Wert und der Innere verdreifacht ihn.

Trotz Anfängerglück: Keine Chance gegen den Natitrainer

Kurz nach 14 Uhr haben sich alle 19 Teilnehmer eingeschrieben und das Turnier beginnt. Bei der Auslosung habe ich Glück und kann eine Runde überspringen, dafür ist mein erster Gegner gleich Christian Schumacher.

Seit knapp 25 Jahren spielt der Freiämter schon Dart, nahm an diversen Meisterschaften und Ligaspielen teil und ist Schweizer Nationaltrainer – definitiv kein einfacher Gegner. Es gewinnt der, der als Erster zwei Partien für sich entscheidet.

Die erste Runde geht schnell und reibungslos an den Natitrainer. Doch ich habe noch eine Chance. Die zweite Runde startet etwas besser. Schumacher lobt: «Nicht schlecht für einen Anfänger. Die Schüsse kommen bereits in denselben Bereich und sind nicht überall verteilt.» Ein paar motivierende Worte während der Partie.

Wir sind knapp gleichauf und Schumacher hat die Chance zu beenden, trifft aber mehrere Runden das falsche Feld. Meine Chance aufzuholen. Mit den ersten beiden Darts schaffe ich es auf 50 Punkte. Ein sauberer Treffer in die Mitte und ich habe gewonnen.

«Das ist deine Chance zum Sieg», sagt auch Schumacher hinter mir. Ich stelle mich vor den Automaten, werfe den Dart, doch dieser zieht leider rechts an der Mitte vorbei. Nun ist Schumacher am Zug. Er versenkt seinen sauber im Doppel-12-Feld und gewinnt die Partie.

Meine letzte Chance: Der Mann, der von allen am längsten spielt

Für mich ist das Turnier aber noch nicht vorbei. Gespielt wird nach dem Doppel-K.-o.-Prinzip. Alle Verlierer bekommen nochmals eine Chance, gegeneinander um den Finaleinzug zu spielen. Als wäre die erste Partie noch nicht schwierig genug gewesen, ist mein nächster Gegner der, der von allen am längsten spielt.

Ich ahne schon eine kurze Partie, denn seit 1985 ist Thomy Behrendt regelmässig an den Dartscheiben anzutreffen. Wie schon erwartet, gewinnt er gegen mich mit ein paar wenigen Würfen gleich beide Runden.

Dennoch gibt es auch für mich noch ein paar spannende Spiele zu sehen. Marcel Gugger, Ranglistenerster des Aargauer Dart Cups, und Sandro Haase treffen im Finale aufeinander. Haase gewinnt das erste Spiel mit einer grandiosen Präzision.

«Einfach nur Spitze gespielt», meint Schumacher. Gugger gelingt es, das Ruder aber nochmals herumzureissen. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Aber als Haase seinen letzten Wurf verfehlt, gelingt es Marcel Gugger, doch noch zu gewinnen. Eine nervenaufreibende Partie, die mit einem lauten Applaus beendet wird.