Bremgarten

«Mein Chef unterstützt mich, wenn ich Hilfe brauche»

Christian Koller arbeitet im Garten der St. Josef-Stiftung an einem geschützten Arbeitsplatz.

Christian Koller arbeitet im Garten der St. Josef-Stiftung an einem geschützten Arbeitsplatz.

Die St. Josef-Stiftung beleuchtet die Wichtigkeit geschützter Arbeitsplätze und hat ein erfolgreiches Jahr hinter sich.

Rund 20 geschützte Arbeitsplätze in den Arbeitsbereichen Garten, Küche, Wäscherei, Reinigung, Restaurant und Wohngruppe bietet die St. Josef-Stiftung für junge Erwachsene ab 18 Jahren. «Wichtig ist, dass der geschützte Arbeitsplatz den Fähigkeiten der Mitarbeiter entspricht, damit sie ihre persönliche Höchstleistung erbringen können», schreibt die Leiterin des Erwachsenenbereichs, Daniela Oehrli, im Jahresbericht der Stiftung zum Schuljahr 2017/18. Die Bedeutung und Wichtigkeit dieser geschützten Plätze wird im diesjährigen Bericht besonders beleuchtet, was durch Porträts von Mitarbeitern aus jedem der sechs Arbeitsbereiche anschaulich gelingt.

«Eine sinnvolle Arbeit»

Beispielsweise durch die Worte der Wäscherei-Mitarbeiterin Michèle Wiederkehr: «Ich finde es schön, dass ich eine sinnvolle Arbeit machen darf für Menschen, denen es weniger gut geht als mir. Als Mitarbeiterin an einem geschützten Arbeitsplatz wünsche ich mir, von den anderen Leuten so akzeptiert zu werden, wie ich bin. Ausserdem bin ich zwar klein, ich bin aber erwachsen und möchte auch gerne so behandelt werden.» Oder die Aussage der Reinigungs-Mitarbeiterin, Esther Frei: «Ich wünsche mir von meinen ‹Kunden›, dass sie Verständnis haben für meine Einschränkung und meine Arbeit respektieren.»

Michèle Wiederkehr arbeitet in der Wäscherei und ist eine von sechs porträtierten Mitarbeitern im Jahresbericht.

Michèle Wiederkehr arbeitet in der Wäscherei und ist eine von sechs porträtierten Mitarbeitern im Jahresbericht.

Über Arbeitskollegen und Vorgesetzten berichten die Porträtierten nur Gutes. «Die Mitarbeiterinnen erklären mir alles und haben unendlich viel Geduld mit mir. Ich fühle mich sehr wohl und komme jeden Tag gerne zur Arbeit», sagt Seniorenbetreuerin Sageka Velupillai. Und Garten-Mitarbeiter Christian Koller berichtet: «Mein Chef ist Hans Ritter, er unterstützt mich, wenn ich Hilfe brauche.» Insgesamt hat die Stiftung 375 Mitarbeitende und bietet neben Wohnen und Arbeit für Erwachsene auch eine heilpädagogische Schule und Wohnen für Kinder. Ausserdem beinhaltet sie den Heilpädagogischen Dienst Früherziehung/Frühlogopädie Freiamt, Ambulatorien für Psychomotorik sowie das mit dem Restaurant Jojo einen Gastronomiebetrieb. Per Jahresende 2017 wurden im gesamten 610 Klientinnen und Klienten betreut.

609'000 Franken Überschuss

Freudig konnte die Stiftung das Jahr 2017 mit einem Überschuss von 609'264 Franken abschliessen. 2016 betrug das Betriebsergebnis ein Minus von 111'724 Franken. Der Leiter Administration, Peter Annen, bezeichnete die Jahresabrechnung 2017 als «ein überaus erfreuliches Betriebsergebnis» und kommentierte den Überschuss: «Die kantonalen Vorgaben für das Budget 2017 orientierten sich am Sparbudget 2016. Dies bedeutete, der enger geschnallte Gürtel durfte nicht gelockert werden. Die aufrechterhaltenen Sparbemühungen bewirkten in Kombination mit teils schwierig zu besetzenden Stellen gar eine Reduktion der Personalkosten gegenüber dem Vorjahr. Die budgetierte Platzbelegung wurde gut erreicht oder überschritten, was zu einem Mehrertrag führte.» Das Geld des Betriebsergebnisses werde fast vollständig zur Finanzierung allfälliger künftiger Fehlbeträge eingesetzt, schreibt Annen. Auch in Sachen Erneuerung und Erweiterung hat die St. Josef-Stiftung ein programmreiches Jahr hinter sicht. Im Herbst 2017 gab der Kanton grünes Licht für das Vorprojekt zur Umnutzung des Zentralbaus. Zudem wurde das Therapie- und Förderzentrum Klösterli umgebaut und neu eröffnet. Auch das Schulhaus Josef strahlt nach einer Innensanierung in neuem Glanz. Dieses Jahr folgte die Sanierung des Klösterli-Dachgeschosses.

Seit 130 Jahren

Nach vielen Projekten wird sich die Stiftung aber auch im Jahr 2019 nicht zurücklehnen: Sie feiert ihren 130. Geburtstag. Dazu werden Festlichkeiten und Veranstaltungen organisiert. Unterhaltungsabende, Fachreferate und Präsentationen sowie spannende Ausflüge, wie eine Wanderung mit und ohne Handicap, stehen auf dem Programm. Besonders erwähnenswert sei das Sommerfest, das die Stiftung in Zusammenarbeit mit einem Teil der Bremgarter Primarschule veranstaltet. Die Vorbereitungen laufen. So blickt die St. Josef-Stiftung einem ereignisreichen Jubiläumsjahr entgegen.

Weitere Informationen finden sich online unter www.josef-stiftung.ch

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