Berikon/Widen
Mehr Helfer als Hilfsbedürftige: In Altersfragen arbeiten die beiden Gemeinden künftig zusammen

Dass es für ältere Menschen die Möglichkeit gibt, für kleines Geld Hilfe anzufordern, verdankt die Gemeinde Berikon der Arbeitsgruppe für Altersfragen. Sie besteht seit 2013 und möchte sich nun breiter in der Region vernetzen – und erhält dabei künftig Unterstützung vom Nachbar Widen.

Dominic Kobelt
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Sie setzten sich für die Seniorinnen und Senioren ein (v.l.): Susanne Stulz, Susanne Plüss, Hans Gysel, Otto Eggimann und Nick Wettstein. Ebenfalls bei der Arbeitsgruppe mit dabei sind Beat Suter und Hans Albisser. Dominic Kobelt

Sie setzten sich für die Seniorinnen und Senioren ein (v.l.): Susanne Stulz, Susanne Plüss, Hans Gysel, Otto Eggimann und Nick Wettstein. Ebenfalls bei der Arbeitsgruppe mit dabei sind Beat Suter und Hans Albisser. Dominic Kobelt

Das Angebot «Länger dehei, ned immer elei» besteht in Berikon seit über einem Jahr. Erfreulich: 25 Helferinnen und Helfer stehen in der Zwischenzeit auf der Liste der Freiwilligen, um für Seniorinnen und Senioren Fahrdienste anzubieten, kleinere handwerkliche Verrichtungen im Haus zu erledigen, oder Hilfe beim Einkaufen, der Gartenarbeit oder beim Bedienen von Computern anzubieten.

Projektkoordinatorin Susanne Stulz gibt zu: «Von Anfragen überrannt wurden wir im ersten Jahr noch nicht.» Langsam aber sicher spricht sich das Angebot herum, das Telefon klingelte im Oktober fast jeden Tag. «140 Dienstleistungen haben wir bisher erbracht.»

Nick Wettstein, Mitglied Arbeitsgruppe für Altersfragen, ergänzt: «Es ist erstaunlich, wie viele Pensionierte bereit sind, sich zu engagieren. Dass es mehr Freiwillige gibt als Leute, die das Angebot nutzen wollen, liegt wohl daran, dass die ältern Leute eher zurückhaltend sind, wenn es darum geht, Hilfe anzufordern.» Dafür würden die meisten, die vom Angebot Gebrauch machten, dies mehr als einmal tun.

Dass es für ältere Menschen überhaupt die Möglichkeit gibt, Hilfe für einen Fünfliber pro Stunde anzufordern, verdankt die Gemeinde der Arbeitsgruppe für Altersfragen. Sie besteht seit 2013 und möchte sich nun breiter in der Region vernetzen.

Deshalb hat man in Widen und Rudolfstetten für eine Zusammenarbeit angefragt. In Rudolfstetten ist die Frauengemeinschaft auf diesem Gebiet sehr aktiv, wie der Beriker Gemeinderat Otto Eggimann erklärt: «Der Gemeinderat hat uns mitgeteilt, dass der Bedarf momentan abgedeckt ist. In Widen war man aber sehr interessiert.»

Seniorenvertreter und Wider Gemeinderat Hans Gysel bestätigt: «Der Zusammenschluss war sehr unbürokratisch. Wir können uns quasi ins gemachte Nest setzten, das ist grossartig.» Natürlich wolle man aber beim weiteren Ausbau mithelfen und sich beteiligen.

Angebot zahlt sich aus

Das Geld, das die Gemeinde in Angebote für Senioren investiert, hat zwei positive Effekte, ist Gysel überzeugt: «Wenn jemand länger zu Hause wohnen kann, erhöht das die Lebensqualität. Zudem senkt es die Kosten.»

Mit dem Angebot wolle man aber keinesfalls die Spitex oder ander Organisationen konkurrenzieren, es handle sich auch weder um ein Putzinstitut noch um ein Taxiunternehmen, stellt er klar. «Die Angebote sollen sich ergänzen. Die Spitex hat keine Zeit, ein Schwätzchen zu halten oder Einkäufe zu erledigen», so Gysel.

Wohnen wichtiges Thema

In den Gemeinden gibt es dank dem Engagement weitere Vorteile für Senioren: So wurde 2014 die Broschüre «Älter werden in Berikon» erarbeitet, die alle wichtigen Angebote und Telefonnummern enthält. Diese könnte nun überarbeitet und zu «Älter werden auf dem Mutschellen» erweitert werden. Auch die Seniorennachmittage mit Referaten sind sehr beliebt und erfreuen sich reger Beteiligung.

Als eines der wichtigsten Themen befasst sich die Gruppe mit Wohnen im Alter. Dass dies die Leute beschäftigt, zeigt sich an den Alterswohnungen Belano, die momentan hinter dem Beri-Märt erstellt werden. Wie das verantwortliche Unternehmen BH Group bestätigt, seien bereits diverse Anmeldungen eingegangen.

Wie Hans Gysel erklärt, werde die Arbeitsgruppe für Altersfragen vorerst den Bedarf abklären. «Es gibt verschieden mögliche Formen wie Alters-WGs, betreutes Wohnen oder generationenübergreifendes Wohnen. Zusammen versuchen wir, die passenden Lösungen zu finden.»