Edward Ye ist Schweizer, in Künten aufgewachsen und besucht die Kanti Baden. Doch er spricht mittlerweile auch fliessend Chinesisch - und zwar so gut, dass er seine Maturaarbeit, eine Oper, in der Sprache seiner Vorfahren verfasst. Denn seine Eltern stammen aus Taiwan und China, die Arbeitsstelle des Vaters bei der ABB brachte die Familie in die Schweiz. Vor vier Jahren kehrten sie zurück nach Taiwan, um ihre Wurzeln kennen zu lernen. Mittlerweile ist die Familie Ye aber zurück in der Schweiz und wohnt in Nesselnbach. «Wir hatten Heimweh nach der Schweiz», erklärt der 18-Jährige. Als feierlichen Abschluss seiner drei Jahre in Taiwan widmet ihnen der Musiker nun seine Maturaarbeit.

Sinnvoller Abschluss

Seit zwölf Jahren spielt er Geige und Klavier, daneben seit einigen Jahren auch Gitarre, seit einem Jahr singt er - und wird bereits kantonal gefördert. Die Musik liegt Edward Ye offenbar im Blut. Für die Oper begann er zu schwärmen, als er im Jugendorchester Freiamt seine ersten Opernnoten spielte. «Das ist Jahre her, aber seit damals wusste ich, dass ich einmal eine Oper schreiben wollte», erinnert er sich.

Auch in Taiwan hat er viel Musik gemacht - unter anderem mit Sopranistin Pei-Jun Wang, die in seiner Oper eine zentrale Rolle erhalten und für die Aufführung in die Schweiz reisen soll. «In Taiwan konnte ich nicht viel Sinnvolles tun. Die Schule war
militärisch geführt, ich konnte meine Zeit dort viel zu wenig nutzen. Darum will ich diesen drei Jahren einen sinnvollen Abschluss verleihen.»

«Der Schrei des Pavo»

Das Stück, das derzeit noch am Entstehen ist, wird um eine traditionelle chinesische Geschichte herum aufgebaut und heisst «Der Schrei des Pavo», also des Pfauen. «Ich habe verschiedene Leute gefragt, welche Geschichte sie mir empfehlen würden. Sie sollte traditionell, aber auch mit wenigen Leuten umsetzbar und einfach verständlich sein», beschreibt Ye. «Sie alle nannten mir dieselbe.» Sie handelt von zwei Liebenden, die wegen der bösen Schwiegermutter nicht zusammen sein dürfen und sich am Ende umbringen.

«Die weibliche Hauptrolle wird Pei-Jun Wang singen, ich übernehme mit meinem Bariton die männliche Hauptrolle, meine ehemalige Nachbarin aus Fislisbach leiht ihre Altstimme der Schwiegermutter.» Dass die Fislisbacherin kein Chinesisch spricht, spiele dabei keine Rolle. «Ich werde ihr alles in lateinische Buchstaben umschreiben.» Und damit die Premierengäste im November der Handlung folgen können, werden ihnen Zusammenfassungen abgegeben.

Asiatische Klänge simulieren

Derzeit ist Ye eifrig daran, seine rund 40-minütige Oper fertig zu schreiben und darüber hinaus gute Musiker für ein Begleittrio zu finden. Es sei nicht ganz leicht, mit westlichen Instrumenten ostasiatische Klänge zu simulieren, sagt er. Daneben sucht er einen Ferienjob, damit er auch genügend Geld beiseitelegen kann, um Pei-Jun Wang einfliegen zu lassen. Dann fehle nur noch der geeignete Raum für die Aufführung. «Klanglich gefällt mir die Kirche in Fislisbach bisher am besten», sagt Ye.