Freiamt
Maturandin fordert Strassen-Unterführungen für Frösche

Tamara Ernst (19) aus Niederwil widmet ihre Matur-arbeit der geplanten Amphibienunterführung bei der Rotwasserkurve zwischen Walten- schwil und Hermetschwil.

Andrea Weibel
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Tamara Ernst (19) setzt sich mit ihrer Maturarbeit für Frösche ein. aw

Tamara Ernst (19) setzt sich mit ihrer Maturarbeit für Frösche ein. aw

Jeden Frühling warnen zwei grosse dreieckige Tafeln im Wald zwischen Waltenschwil und Hermetschwil vor der Froschwanderung. «Die Amphi-bien wandern eigentlich das ganze Jahr über, aber von Mitte Februar bis Anfang April ziehen die meisten von ihrem Winterquartier zu den Laichplätzen», weiss Maturandin Tamara Ernst. Das wäre grundsätzlich kein Problem, würde nicht die immer stärker befahrene Bremgarterstrasse ihren bis zu zwei Kilometer langen Wanderweg zum Rotwasser trennen.

Wände auf 800 Metern

Bisher wurden darum auf einer Länge von 800 Metern vom Bauamt jährlich 40 Zentimeter hohe Wände aufgestellt, die die Amphibien – in diesem Gebiet vor allem Grasfrösche und Bergmolche – daran hindern sollen, vor die Autos zu hüpfen. Entlang der Wände sind 20 Eimer vergraben, in welche die Tiere fallen und darauf warten, dass sie am Morgen von Tierschützern unter der Leitung von Rolf Liechti (Artikel rechts) sicher auf die andere Strassenseite getragen werden. «Weil die Tiere aber das ganze Jahr über wandern und die Zäune nicht immer gut genug gesetzt sind, werden hier immer noch sehr viele Frösche und Molche überfahren»,
berichtet Tamara Ernst.

Von 2001 bis 2010 schwankte die Anzahl der Tiere, die in den Eimern landeten, zwischen 119 und 1559. «Den Grund für die Schwankungen kennen wir nicht genau», sagt Rolf Liechti. «Dieses Jahr waren es mindestens 400 bis 500 Tiere, die Auswertung liegt aber noch nicht vor.»

Kantonales Projekt steht

Im kantonalen Sanierungsprojekt – denn die Bremgarterstrasse ist eine Kantonsstrasse – ist bereits ein Leitsystem vorgesehen, das die Tiere parallel zur Strasse bis zu einem von sechs Tunneln führt, wo sie diese
unterqueren können. Die Sanierung soll insgesamt 2,65 Millionen Franken kosten. Davon werden rund 343000 Franken für den Amphibienschutz gerechnet.

«Nun soll das Projekt den vier
Gemeinden vorgelegt werden, durch deren Gebiet die Strasse führt», sagt Ernst. Das sind Bremgarten, Bünzen, Hermetschwil-Staffeln und Waltenschwil. «Für sie heisst es lediglich, dass einige Landabtretungen entlang der Strasse notwendig sein werden, mehr nicht», sagt die Maturandin. «Ich hoffe darum sehr, dass das Projekt angenommen wird.» Gäbe es keine Einwände, könnte mit der Sanierung samt Unterführungen bereits nächstes Jahr begonnen werden, hat Ernst in Erfahrung gebracht.

Das Projekt biete Mensch und Tier Sicherheit und bedeute weniger Aufwand und mehr Erfolg für die Tierschützer. Zudem sagt Ernst: «Der Verkehr nimmt immer mehr zu – doch die Amphibien waren vor den Autos da. Aus moralischer Sicht sind wir ihnen also eine Unterführung schuldig.»