Es ist schon ein besonderes Gefühl. Da wohnt man fünf Jahre mit seiner Familie in einer Gemeinde, entscheidet sich, hier Wurzeln zu schlagen, und geht sonntags öfter in die Kirche. Und plötzlich kommt der Tag, an dem gleich neun Chöre in ebendieser Kirche gemeinsam eine Messe singen, die man selber geschrieben hat. Martin Völlinger schmunzelt etwas verlegen, als er das zugibt. «Es ist wirklich ein besonderes Gefühl.»

Bisher hatte der Deutsche, der aus Fulda stammt, nicht so viel Zeit, sich im Dorf stärker zu integrieren. Seine Frau und seine vier Kinder sind voll angekommen, aber er selber arbeitet als Gesangslehrer der Luzerner Sängerknaben und ist am Wochenende Organist in Steinhausen. So hat er weder im Alltag noch am Wochenende viele Gelegenheiten, mit den Boswilern in Kontakt zu kommen. Doch jetzt hat sich das geändert.

Auch für Nicht-Gläubige

«Die Kirchenchöre haben erfahren, dass ich Komponist bin und vor allem kirchliche Auftragswerke schreibe», erinnert sich Völlinger. «So wurde ich angefragt, ob ich ein Stück zum Fest des Kirchenmusikverbandes Oberfreiamt beisteuern könnte.» Er legte einige Kompositionen vor, und schon bald entschieden sich die Chöre für die Messe «Du in unserer Mitte», die er ursprünglich für zwei Zuger Chöre geschrieben hat. Der Text stammt von der Deutschen Dichterin Meggi Klüber, mit der Völlinger oft zusammenarbeitet. Dabei ist ihm eines besonders wichtig: «Ich bin zwar in der Kirchenmusik beheimatet und fühle mich dort wohl, dennoch möchte ich eine Brücke zu moderneren Musikformen wie Pop oder Jazz schlagen. So sollen auch Nicht-Gläubige einen Zugang finden können.» Sein Wunsch ist es, «dass meine Musik zu Herzen geht und die Menschen berührt und bewegt, unabhängig davon, ob sie gläubig sind oder nicht», hält er fest.

Genau diese Brücke schlage auch Meggi Klüber mit ihren Worten. «Ich mische gerne alte, beispielsweise gregorianische Kirchenmusik mit Jazz- und Pop-Elementen oder gar afrikanischen Rhythmen. Das passt gut zu Meggis Texten.» So stellt sie beispielsweise die Fragen: Wie viel ist genug? Was sagt der Kontostand? Und ist Geld wirklich das Wichtigste? «Für Kirchenlieder mag das ungewöhnlich kritisch und direkt sein, aber ich finde, es passt», erklärt Völlinger, der sagt, er könne sich besser in Musik als in Worten ausdrücken.

Dem Freiamt ein Stück näher

«Die Messe, die sich die Oberfreiämter Chöre ausgesucht haben, ist eine sehr positive, lebendige und geistreiche Messe», hält der 41-Jährige fest. Mit den vorgegebenen Teilen von Kyrie bis Agnus Dei, die zu einer klassischen Messe gehören, besteht das Werk aus neun Liedern. Einige Stellen hat Völlinger auf Latein belassen, die meisten Texte stammen aber von Klüber und sind deutsch. «Schade finde ich nur, dass die Oberfreiämter Chöre nur vier der neun Stücke singen werden.» Die Messe wirke am Anfang anspruchsvoll, doch wenn man etwas daran arbeite, merke man, dass sie gar nicht so kompliziert sei.

Doch auch wenn sie nicht die ganze Messe singen, ist Martin Völlinger begeistert: «Für mich war es wunderbar, dass ich eine Probe der Chöre leiten durfte. Es sind über 200 Sängerinnen und Sänger.» Abgesehen davon, dass er seine eigene Messe in seiner neuen Heimat hören wird, freut er sich aber auch: «Es ist schön, all die Menschen kennenzulernen. Das bringt mich dem Freiamt, in dem es mir sehr gut gefällt, noch ein grosses Stück näher.»