Sommerpause für den Marroni-Jutzi. Heute Sonntag steht Raphael Jutzeler, Spitzname Marroni-Jutzi, zum letzten Mal in dieser Saison vor dem dampfenden Topf, gefüllt mit wohlriechenden Marroni. Eine Woche vor der Fasnacht schliesst er den Stand. Angst, ein gutes Geschäft zu verpassen, hat der 29-Jährige keine. Er überlasse das Feld sogar gerne der Bratwurst. «Sagen wir es so», sagt Marroni-Jutzi, «ohne Fasnacht mache ich mehr Umsatz als mit.»

Vor neun Jahren hat er sein Marroni-Unternehmen gegründet und in dieser Zeit entsprechende Erfahrungen gesammelt. Anlässen wie der Fasnacht oder Märkten weicht er konsequent aus. Er meidet die Konkurrenz mit anderen Essenständen. Denn dann haben es die Marroni schwer. «Der Geschmack der Bratwurst ist stärker», sagt Jutzeler und lacht. Verstehen kann er das nicht. Er selber zieht ein Tüte Marroni jederzeit einer Bratwurst vor.

Die Marronifreie Narrenzeit hat Marroni-Jutzi verdient. Mit Ausnahme des Christchindlimärt-Sonntags stand er seit dem 1. November an jedem siebten Wochentag am Spittelturm in Bremgarten und verkaufte seinen Kunden Marroni. Dabei ist der Verkauf von Marroni vor allem ein Hobby für ihn. In seinem richtigen Berufsleben arbeitet er als Hauswart und braut das Reuss-Schlaufe-Bier. Am Spittelturm zu stehen und Marroni zu verkaufen, macht ihm Spass. Trotzdem freut er sich darauf, die nächsten Monaten «wieder mehr Zeit für mich zu haben».

2015/2016 war eine gute Saison für den Hobby-Marroniverkäufer. Am besten lief der November mit seinem trockenen und warmen Wetter. So realisierte er den diesjährigen Saisonrekord bereits an seinem zweiten Verkaufswochenende: In zweieinhalb Stunden verkaufte er am 8. November 45 Kilogramm Marroni. Jetzt im Januar ist seine Ware weniger gefragt. Die Lust der Kunden auf Marroni nahm ab, das Wetter wurde schlechter. Das zeigt sich in den verkauften Mengen. Letzte Woche waren es nur noch 15 Kilogramm. Die Kälte habe keinen Einfluss aufs Geschäft, sagt Jutzeler. Einfluss habe aber der Niederschlag. Am meisten verkauft er an jenen Sonntagen, an denen es am Morgen regnet und sich am Nachmittag die Sonne durchsetzte. «Dann nutzen viele den Wetteraufschwung für einen kurzen Spaziergang und gönnen sich eine Tüte Marroni.»

Dieses Jahr hätten die Marroni besonders gut geschmeckt, sagt Jutzeler. Vor allem zu Beginn und jetzt gegen Ende sei die Qualität hervorragend gewesen. «Von dem her ist es schade, nun aufzuhören.» Der 29-Jährige bezieht seine Ware aus Italien und Portugal. Gute Ware anzubieten, ist ihm wichtig. Einmal packte er seinen Stand schon früher zusammen. Er war mit seinen Marroni unzufrieden. «Der Name Jutzeler steht für gute Qualität», sagt Jutzi. «Lieber einmal nichts verkaufen, als sich seinen Ruf zu zerstören.» Trotzdem: Auch bei ihm sei man nicht davor gefeit, ein graues oder wurmstichiges Marroni zu erwischen. «Es ist und bleibt halt ein Naturprodukt.»

Wer in Bremgarten nochmals Marroni will, muss die Chance heute packen. Egal, ob es wie prognostiziert regnet oder sich doch noch die Sonne zeigt. Jutzi wird zwischen 14  und 16.30 Uhr am Spittelturm in Bremgarten stehen und Marroni rösten. Danach packt er seine Sachen für längere Zeit zusammen: Sommerpause.