Niederwil

Marroni aus der Region: Einzige Kastanienplantage der Schweiz befindet sich im Freiamt

Genau wie die Marroni werden die Niederwiler Kastanien am besten eingeschnitten und dann in einem Marroni-Ofen zubereitet.

Genau wie die Marroni werden die Niederwiler Kastanien am besten eingeschnitten und dann in einem Marroni-Ofen zubereitet.

Die einzige Kastanienplantage der Schweiz wird in Niederwil unterhalten und wirft dieses Jahr erstmals guten Ertrag ab. Die Motivation hinter dem Kastanien-Anbau? «Ein gesundes und wertvolles Lebensmittel zu produzieren», sagt der Besitzer.

Es duftet herrlich auf dem Hof von Andreas Gauch. Was da im Ofen über dem Feuer brutzelt, verströmt zwar den herbstlichen Duft nach Marroni, wie man sie auch vom konventionellen Marroniverkäufer kennt, genau genommen sind es aber keine, wie Gauch erklärt: «Marroni sind eine Sorte von Edelkastanien, genau wie Gala bei den Äpfeln. Meine Sorte heisst aber Bouche de Betizac.»

Vor drei Jahren hat der Bauer in Niederwil ein Experiment gewagt und eine Plantage mit Edelkastanien angebaut. Die Kastanienplantage ist in dieser Grösse einzigartig nördlich der Alpen. «Die Bäume habe ich mit tatkräftiger Unterstützung von Rolf Blapp von der Agroscope Wädenswil selber produziert und veredelt», so Gauch.

Die Bäume brauchten Zeit, bis sie Früchte trugen. Im letzten Jahr waren es immerhin schon 50 kg, dieses Jahr konnte Gauch 400 kg Kastanien von der zwei Hektar grossen Anlage ernten.

400 Kilogramm Edelkastanien der Sorte Bouche de Betizac konnte Andreas Gauch dieses Jahr ernten – der Ertrag wird sich aber noch steigern.

400 Kilogramm Edelkastanien der Sorte Bouche de Betizac konnte Andreas Gauch dieses Jahr ernten – der Ertrag wird sich aber noch steigern.

Das Projekt war auch ein Risiko. Zwar bekam Gauch Unterstützung von wissenschaftlicher Seite. «Häufig konnte man mir aber nur sagen, wie es sich mit Äpfeln oder Birnen verhält, nicht aber mit Kastanien. Ich stehe auch im Kontakt mit Bauern aus Italien und Österreich, aber die kennen die Verhältnisse hier nicht.»

Manche Tipps waren dennoch nützlich. Gauch hatte mit Frostschäden zu kämpfen. Ein Kollege hat ihm geraten, die Stämme mit einer speziellen weissen Farbe anzustreichen. «Dadurch reflektieren die Stämme mehr Sonnenlicht, das verhindert, dass die Rinde aufspringt», sagt Gauch.

Gesund, basisch, glutenfrei

Was ist denn die Motivation hinter dem Kastanien-Anbau? «Ein gesundes und wertvolles Lebensmittel zu produzieren, das dank spezieller Sortenauswahl und Anbautechnik mit geringem Pflanzenschutz auskommt», sagt Gauch.

«Kastanien haben einen ähnlichen Nährwert wie Kartoffeln oder Getreide. Sie sind basisch und deshalb eine gute Ergänzung zu der heute teilweise übersäuerten Nahrung.» Zudem seien die Kastanien glutenfrei. Kastanien können in unserer Ernährung wieder an Bedeutung gewinnen, ist der Biobauer überzeugt. «Es muss uns nur gelingen, diese Kultur wie eine Obstkultur anzubauen, regional und biologisch.»

Es hat ihn aber auch gereizt, sich überhaupt an das Projekt zu wagen. Es gehe dabei auch darum, herauszufinden, welche Bäume man am besten pflanze und was sie für Bedingungen brauchen, um zu wachsen.

Nicht alle Bäume auf der Plantage wachsen gleich gut – bei manchen hat Gauch den Grund herausgefunden, bei anderen nicht. Rund 900 Bäume stehen in 13 Reihen. Auffallend dabei ist, dass der Abstand zwischen den Reihen viel grösser ist als zwischen den einzelnen Bäumen.

«Ich habe die Bäume nahe zusammen gepflanzt, damit ich bereits jetzt einen gewissen Ertrag habe. Wenn sie ausgewachsen sind, brauchen sie gut neun Meter Platz – ich werde also viele der Bäume wieder entfernen müssen.»

Wer die Freiämter Kastanien probieren möchte, hat dieses Wochenende Gelegenheit dazu. Am Riegger-Fest in Birrhard, am Freitag ab 16 Uhr und Samstag 11 bis 17 Uhr hat Gauch einen Stand, an dem er sie verkauft. Die Kastanien sind auch im Hofladen und im Bioladen Murimoos erhältlich.

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