Die Gemeinderatsprotokolle schrieb er auf der elektrischen Schreibmaschine, zum Telefonieren musste er eine Wählscheibe drehen, mit dem Fotokopierer konnte er pro Durchgang eine einzige Kopie erstellen, die Korrespondenz lief ausschliesslich über den Postweg und wenn das Personal im Villmerger Gemeindehaus Kaffee trinken wollte, musste es diesen erst aufbrühen.

Am 1. März 1978 hat Markus Meier als Gemeindeschreiber in Villmergen angefangen. Er war 26 Jahre alt und bestens ausgebildet: in Tägerig aufgewachsen, Lehre auf der Stadtkanzlei Mellingen, Praktika am Bezirksgericht und auf dem Grundbuchamt in Bremgarten, dann Stellvertreter des Kanzlers in Möriken-Wildegg und berufsbegleitend die Ausbildung zum Gemeindeschreiber.

Ein harter Einstieg

Die Erwartungen an den jungen Mann waren hoch, der Einstieg hart: «Es ging anfänglich ziemlich turbulent zu. Referenden, komplexe und aufwendige Beschwerdefälle, zahlreiche Sitzungen neben dem Tagesgeschäft – 60- bis 70-Stunden-Wochen waren eher die Regel als die Ausnahme», blickt Markus Meier zurück. Sein erster Gemeindeammann, Hans Meyer-Huwyler, habe dazu nur trocken bemerkt: «Wenn der Tag für die Bewältigung der Arbeit nicht ausreicht, gibt es ja noch die Nacht.»

Die ersten Monate hätten ihn geprägt und ihm seine Grenzen aufgezeigt. Sie hätten ihn aber auch für die Zukunft starkgemacht, sagt Markus Meier, der Ende Februar in die Pension geht, nach dannzumal exakt 40 Jahren im Dienst der Gemeinde Villmergen.

Den 65. Geburtstag hat er schon Ende Juli gefeiert, mit dem Gemeinderat aber vereinbart, die Amtsperiode abzuschliessen: «Es sind Projekte im Gang, die ich zu Ende bringen will, Mitarbeiterbeurteilungen stehen an, viele Mitarbeitende wollen ein Zwischenzeugnis, die Kommissionen müssen neu besetzt werden – wenn ich bis im Februar bleibe, kann ich meinem Nachfolger ein aufgeräumtes Pult überlassen und ihn sorgfältig einarbeiten.»

Markus Meier wie man ihn kennt: penibel und exakt bis zum Schluss. Ist er ein Tüpflischisser? Er lacht: «Ja, wenn es um die Sprache geht, dann sicher. Die Jungen haben das nicht mehr so drauf und deshalb habe ich kürzlich Deutschkurse für das Gemeindepersonal organisiert. Es ist mir wichtig, dass sich unsere Leute richtig ausdrücken können, dass die Protokolle und die Korrespondenz sauber abgefasst sind.»

Sonst sei er durchaus beweglich: «Mir haben die Leute im Dorf immer wieder gesagt: ‹Du bist nicht stur, mit Dir kann man über Probleme reden und Lösungen suchen.› Das war mir auch stets wichtig. Wenn es möglich gewesen ist, bin ich den Leuten immer entgegengekommen. Doch es ging halt nicht immer. Man kann und darf Gesetze oder Vorschriften nicht biegen.»

Nur drei Ammänner erlebt

In seiner Zeit als Kanzler und – seit der Umstellung auf das neue Führungsmodell per 1. Januar 2016 – Geschäftsleiter auf der Villmerger Verwaltung hat Markus Meier nur drei Gemeindeammänner erlebt: Auf Hans Meyer folgte Paul Meyer und danach der amtierende und wieder gewählte Ueli Lütolf. Auch im Gemeinderat hat es über die Jahre nicht viele Wechsel gegeben. Er habe es gut gehabt mit allen, sagt er. Auch mit dem Personal: «Die Verwaltung war für mich wie eine zweite Familie. Ich habe mich hier immer sehr wohl gefühlt», wird er nachdenklich. Es ist gut zu spüren, dass ihm der Abschied vom Gemeindehaus nicht leicht fällt.

Die Villmerger lassen ihn nicht gerne ziehen, diesen fähigen und integren Mann. Er war ja auch nicht einfach ihr Kanzler. Er war der sechste Gemeinderat, im höchst positiven Sinn. Er hat nie versucht, den Gemeinderat persönlich zu beeinflussen. Doch er hat mitgedacht, mitgeplant, Strategien für die Entwicklung der Gemeinde entworfen und diese Ideen im Gremium eingebracht. «Markus», hat sich ein Gemeindeammann gegenüber der AZ einst respektvoll geäussert, «ist unser Gewissen. Für ihn ist es sehr wichtig, dass wir uns eng an die geltenden Gesetze und Regeln halten. Da gibt es für ihn keinerlei Interpretationsspielraum.»

Markus Meier ist im Dorf geachtet und respektiert. Das hat der grosse Applaus bei seiner Verabschiedung an der gestrigen Gemeindeversammlung eindrücklich gezeigt.

Und jetzt, was tut ein Mann, der 40 Jahre seinen Beruf nicht einfach ausgeübt, sondern gelebt hat: «Jetzt», sinniert er, «beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Mehr Bewegung, mehr Reisen, die Kochkünste verbessern, kulturelle Anlässe besuchen. Und damit meiner Frau Silvia jene Zeit geben, die ich ihr wegen meines Berufs in der Vergangenheit nicht immer habe geben können», sagt er und fügt bei: «Ohne die Unterstützung und das Verständnis von Silvia und meiner Familie hätte ich diesen Job nie so machen können.»