Bremgarten
Marc Girardelli will Schweizer Skifahrern nicht helfen

Die Fans des früheren, bald 50-jährigen Skistars Marc Girardelli standen an einem Vortrag Schlange. Der ehemalige Rennfahrer sagte klar: «Ich will nicht Schweizer Ski-Nationaltrainer werden.»

Jörg Baumann
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Ex-Skistar Marc Girardelli gab den Fans geduldig und freundlich Autogramme. BA

Ex-Skistar Marc Girardelli gab den Fans geduldig und freundlich Autogramme. BA

Marc Girardelli, Skistar der Achtziger- und Neunzigerjahre, lässt die Schweizer Abfahrer im Stich: «Ich will nicht Schweizer Ski-Nationaltrainer werden», gab er ultimativ an einem Gesundheitsvortrag in Bremgarten bekannt.

«Wenigstens so lange nicht, als Urs Lehmann noch Präsident von Swiss-Ski ist», rief ein Besucher ihm zu. Girardelli konnte sich ein vielsagendes Lachen nicht verkneifen. Aber er sagte nichts dazu.

Seitdem er 1996 seine Karriere beendete, ist der bald 50-jährige Girardelli als Eventmanager und Unternehmer unterwegs. Zu seiner aktiven Zeit konnte ihm in allen Skidisziplinen fast keiner das Wasser reichen.

Er gewann fünfmal den Gesamtweltcup und elf WM-und zwei Olympia-Medaillen.

Aber Girardelli, der für Luxemburg startende Österreicher, zahlte dafür einen hohen Preis: «Ich erlebte 18 Operationen», erzählte er den 150 Fans, die ihm förmlich an den Lippen hingen und sich nach seinem Vortrag geduldig anstellten, um ein Autogramm zu ergattern.

Die erste Operation hätte beinahe seine Skifahrerkarriere beendet. «Ich war 19 Jahre alt und fuhr gegen Pirmin Zurbriggen in Kanada ein Rennen. Bei einem Sturz verdrehte es mir das linke Knie um 360 Grad.»

Die Hoffnung, wieder gesund zu werden, war nicht sehr gross. «Der Arzt sagte mir nach einer gewissen Zeit, ich dürfe das Knie nie stark belasten und nur bergauf gehen und ja nicht bergab.»

Wieder auf die Erfolgsspur

Girardelli machte das Beste draus. «Ich lief im Sommer jeden Tag auf den Säntis und nahm abwärts die Bahn.» So kehrte er wieder auf die alte Erfolgsspur zurück.

Weltweit bekannt wurde Girardelli, weil er fahnenflüchtig wurde. Er oder vielmehr sein Vater Helmut fand, dass der gebürtige Österreicher beim heimischen Skiverband zu wenig gefördert werde.

Dannzumal war Girardelli bloss 12 Jahre alt. Die Fachwelt rieb sich die Augen, als der Skifahrer plötzlich nicht mehr unter der österreichischen Flagge Rennen fuhr, sondern zum Skiverband von Luxemburg wechselte, zu einem Land, das zwar Hügel hat, aber keine Berge, schon gar nicht solch hohe wie Österreich.

«Ich, mein Vater und mein Servicemann bildeten das kleinste Skiteam, das man sich vorstellen konnte», erzählte Girardelli.

«Aber ich hatte den Ehrgeiz, die Österreicher zu schlagen und stellte mich immer so nah an die Funkgeräte der österreichischen Funktionäre, dass ich mithören konnte, wie die Pisten zu befahren waren.»

Die schlimmen Verletzungen, die Girardelli im Verlauf seiner Karriere erlitt, mündeten in eine Kniearthrose, die ihm höllische Schmerzen bereitete.

Schmerzfrei ist er erst wieder, seitdem er eine physikalische Therapie zur Verbesserung der Gefässdurchblutung anwendet, für die der Skistar von einst nun als Botschafter Werbung macht. «Ich kann wieder Sport treiben, sogar Squash, eine Sportart der härteren Sorte», berichtete Girardelli.

Hatte Churchill also doch nicht recht mit seinem Spruch «No sports!»? Giradelli ging nicht auf Churchill ein. Er widerlegte aber den Politiker, den man nie ohne Zigarre im Mund sah und der trotzdem ein beachtliches Alter erreichte, auf jeden Fall auf sympathische Art.

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